Derzeit kämpft der Weisendorfer Georg "Bibo" Maier etwas mit einem Handicap. Er überschätzte seine radfahrerischen Künste oder unterschätzte den hohen Bordstein - die Folge war ein böser Sturz, der ihm mehrere Brüche bescherte. Aber jetzt ist er mit seiner Gehhilfe doch wieder relativ flott unterwegs und die Beeinträchtigung hält ihn auch nicht von einem Besuch des Sportgeländes ab.

Schließlich widmete der 75-jährige Weisendorfer neben seinem Beruf und seiner kommunalpolitischen Tätigkeit fast 60 Jahre seines Lebens dem ASV Weisendorf. Maier ist ein echter Weisendorfer, aufgewachsen im Jägerhof gegenüber dem Schloss und nahezu ein wandelndes Geschichtsbuch, was seinen Heimatort betrifft.

Gegenüber der zu Guttenbergs

Seine Großeltern und später die Eltern bewirtschafteten das heutige Hotel Jägerhof, das früher zum Schloss gehörte, bis zu seinem zwölften Lebensjahr. In seiner Kindheit ging Bibo Maier im Schloss ein und aus und kann viel über die Familie zu Guttenberg erzählen, die früher dort wohnte. "Meine Mutter hat bei Jagden oder Gesellschaften den Georg Enoch sogar gewickelt und gefüttert", erzählt er aus seinen Erinnerungen.

Maier erlebte den Einmarsch der Amerikaner hautnah mit. Sie quartierten sich im Schloss ein, und noch schmerzt es ihn, was "die Besatzer" dann daraus machten. Im Spiegelsaal schossen die Soldaten auf die Spiegel, auch die meisten Figuren im schön angelegten Schlossgarten mussten dran glauben und auf den Parkettböden brannten Lagerfeuer. "Die amerikanischen Soldaten kannten keine Geschichte und wussten deshalb auch die kulturelle Vergangenheit Deutschlands überhaupt nicht zu schätzen", meint Maier ein bisschen entschuldigend.

Der strenge Baron

Als Jugendlicher war Georg Maier auch bei den Jagden des "Barons" dabei und kann sich noch an viele Details und Vorkommnisse erinnern, bei denen es sehr streng zuging und der Bibo schon fortgejagt wurde, weil nach der Treibjagd plötzlich ein Hase zu viel war bei der Streckenlegung. Der wurde nicht geschossen, "dem hab' ich mit dem Prügel einen drübergezogen", das war dann der Ausschluss von der Treibjagd.

Bei Gossen in Erlangen begann Maier 1952 eine Lehre, wechselte im Anschluss zu Siemens und erreichte auf dem zweiten Bildungsweg seinen Ingenieur. Siemens setzte ihn dann später als Gruppenbevollmächtigter ein, und Maier reichte während seiner Dienstzeit zwölf Patente und ein Europapatent ein.

Er übernahm die Verantwortung

Während der Freizeit widmete sich "Bibo" Maier seiner Heimatgemeinde. Seine besondere Liebe galt dem ASV Weisendorf, erst der Fußballjugend und dann der ersten Mannschaft. Trotz Abwerbeversuchen kam ein Wechsel zu einem anderen Verein nie infrage. Als 1968 plötzlich im ASV keiner mehr Verantwortung übernehmen wollte, war der junge Mann aus der ersten Mannschaft leicht zu überreden, sich als Vorsitzender zur Verfügung zu stellen. Das blieb er dann bis 1985. In seiner Amtszeit mussten unter anderem der Platz am alten Sportgelände und das Vereinsheim saniert werden. Außerdem wurden unter seiner Ägide die Abteilungen Tennis, Volleyball und Tischtennis gegründet. Diese wurden ab 1996 in zwei eigenen Vereinen selbstständig.

Schließlich wurde es am alten Sportplatz zu eng, das Gelände verkauft und ein neues Sportzentrum geplant, das 1985 fertiggestellt und eingeweiht wurde. Der heutige Standort des Sportgeländes wurde gegen den Willen des Sportvereins durchgesetzt, "das war ein großer Fehler der damaligen BWG-Mehrheit im Gemeinderat". Der ASV wollte die Plätze im Anschluss an den Schulsportplatz errichten, an der Stelle, an der heute Häuser stehen. Nach Meinung von Maier wäre dann der Ärger wegen der Lärmbelästigung der letzten Jahre überhaupt nicht entstanden.

Als Ehrenvorsitzender plante und realisierte Maier dann auch das jetzige Vereinsheim. "Da hieß es zupacken", sagte Maier und übernahm von 2002 bis 2012 den zweiten Vorsitz. "Der ASV war und ist schon immer mein Ein und Alles, denn ehrenamtliches Engagement ist mir schon seit meiner Jugend eine Herzensangelegenheit."

Gemeinderat statt Rathauschef

Trotz seiner intensiven Tätigkeit für den ASV wollte Maier auch kommunalpolitische Verantwortung übernehmen und kandidierte 1972 für die CSU als Bürgermeister. Er verlor zwar, zog aber in den Gemeinderat ein, dem er dann 31 Jahre bis 2003 angehörte. Auch in den Kreistag wurde Maier von 1972 bis 1990 gewählt und gehörte dem Sportausschuss an.

Im Jahr 2003 initiierte Georg Maier das erste Bürgerbegehren in Weisendorf, es ging um den Standort des neuen Rathauses. "Ich bin mir sicher, damit die Gemeinde vor einer folgenschweren Fehlinvestition bewahrt zu haben." Die damalige Ratsmehrheit wollte am alten Standort (heutiger Gimberlein-Parkplatz) bauen, "das wäre der erste Pfahlbau in Weisendorf geworden". Die Opposition favorisierte den Standort des heutigen Drive-In, aber die Gemeinde konnte sich mit dem Grundstückseigentümer nicht einigen und errichtete das Rathaus in der Gerbersleite.

Die Halle ist zu klein

"Ich habe schon immer etwas über den Tellerrand geschaut und vor allem auch die Zukunft etwas im Blick", sagt Maier über sich selbst. Deshalb wurmt ihn noch heute, dass die Mehrzweckhalle, die ursprünglich anders geplant war, beim Bau auf das Minimum reduziert wurde. "Ein Fehler, der nicht mehr korrigiert werden kann." Es sei sehr kurzfristig gedacht worden, wirft Maier den damals Verantwortlichen vor. Weisendorf wächst, und die Sportvereine der Gemeinde hätten heute Platzprobleme beim Trainings- und Spielbetrieb.

Woher der Name Bibo kommt: "Den hab' ich schon seit meiner Kindheit - und ich mag den Namen Bibo. Die Kumpels meines damals zehn Jahre älteren Bruders, der sehr jung gestorben ist, sagten von Anfang an Bibo zu mir, dabei ist es bis heute geblieben", erläutert Maier die Herkunft des Spitznamens.

Diverse Auszeichnungen

Seine Verdienste um den Sport wurden schon von verschiedenen Seiten gewürdigt. So bekam er die Verdienstnadel in Gold mit Brillanten des Bayerischen Leichtathletik-Verbandes, vom ASV Weisendorf die Ehrennadel in Gold und vom Fußballverband die Ehrenmedaille in Silber.

Im Sitzungssaal des Weisendorfer Rathauses verlieh am Montag Nachmittag Landrat Eberhard Irlinger (SPD) dem Weisendorfer Urgestein im Auftrag des Bundespräsidenten auch noch die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Irlinger stellte das Ehrenamt in den Mittelpunkt seiner Laudatio und insbesondere die ehrenamtlichen Tätigkeiten von Georg Maier.

Lob von allen Seiten

Für Bürgermeister Alexander Tritthart (CSU) hat die Verleihung des Ehrenzeichens den "richtigen" Mann getroffen. "Der Bibo war über Jahre ein Motor des ASV und ein Kämpfer für den Verein und besonders für die Jugend." Dem schlossen sich auch Fritz Schmidt und Walter Mayer vom ASV-Vorstand an. Bibo selbst blieb auch bei der Ehrung bescheiden: "Ich tat das all die Jahre mit großer Leidenschaft für meinen ASV und für unsere Gemeinde."