Eine böse Überraschung erlebte der Besitzer eines Kartoffelackers in der Adelsdorfer Flur in der Nähe des Eisweihers. Als er am vergangenen Samstag zu seinem Feld kam, stellte er fest, dass eine etwa 20 mal zwei Meter große Fläche umgegraben war. 100 bis 150 Kilogramm der hier angebauten Bio-Kartoffeln waren "unfachmännisch geerntet" worden.

Der Hobby-Landwirt erstattete Anzeige bei der Polizei in Höchstadt und die hat die Ermittlungen nach dem Kartoffeldieb aufgenommen. Die Polizei bittet Zeugen, die in der Zeit zwischen dem 3. und 15. August die Ernte auf dem fremden Acker beobachtet haben, sich unter der Telefonnummer 09193/63940 zu melden.

Für Robert Ort, Kreisobmann des Bauernverbands in Erlangen-Höchstadt ist der Diebstahl landwirtschaftlicher Produkte kein Einzelfall. "Die Leute schneiden sich auf dem Acker mal sieben Sonnenblumen ab, klauen Obst von den Bäumen und unterscheiden dabei nicht zwischen Dein und Mein", sagt Ort. Ein einzelner Apfel wäre für den Vertreter der Landwirte noch kein Beinbruch, wenn aber eimerweise Obst abgeleert wird und im Kofferraum verschwindet, geht es doch zu weit.

Landwirt Günther Geyer aus Kieferndorf hat sich schon über volle Zwetschgenbäume auf seinem Acker gefreut. Als er am nächsten Tag ernten wollte, waren keine Zwetschgen mehr da. Dafür hat er kein Verständnis.

Allerdings macht Geyer auch positive Erfahrungen mit dem Verkauf landwirtschaftlicher Produkte. Am Kreisverkehr an der Medbacher Mühle betreibt er einen Verkaufsstand. Mit Kürbissen hat er den Stand einst begonnen, inzwischen bietet er unter anderem auch immer frische Kartoffeln an. Dabei baut der Medbacher auf die Ehrlichkeit seiner Kunden, die das Geld für die Ware in eine Kasse werfen sollen. "Geld werfen fast alle rein", sagt er. Manche allerdings nur einige Cent. "Die überwiegende Mehrheit zahlt." Geyer erlebt "sehr gute Tage", an denen alles bezahlt wird. Allerdings laden manchmal Leute ihr Auto voll, ohne die Rechnung zu begleichen.

Schwierige Ermittlungen

Werden Diebstähle von Kartoffeln oder anderen Früchten angezeigt, laufen bei der Polizei die Ermittlungen gegen Unbekannt an. Der Klage von Bauernverband-Kreisobmann Ort, in solchen Fällen würden die Verfahren meist eingestellt, muss Oberstaatsanwältin Antje Gabriels-Gorsolke zustimmen. "Wenn wir keinen Täter haben, ermitteln wir gegen Unbekannt, starten Zeugenaufrufe und sind dann aber mit unserem Latein am Ende", sagt die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth. Gebe es keine Ermittlungsansätze, werde das Verfahren "weggelegt". Ist zudem der Schaden nur gering - wie meist beim Diebstahl von Feldfrüchten - werfe man auch nicht die komplette Maschinerie eines Verfahrens an, räumt Gabriels-Gorsolke offen ein. Habe man aber einen Täter schon zum dritten Mal erwischt, "ist Schluss mit lustig".

Der Hobby-Landwirt, der in seiner Freizeit in Adelsdorf Bio-Kartoffeln anbaut, würde schon gerne wissen, wer auf seinem Acker immer wieder Erdäpfel ausgräbt und mitnimmt. Den Täter halten dabei auch Disteln, Sonnenblumen und der Rest der ehemaligen Blühwiese, die das Kartoffelkraut überwuchern, nicht davon ab, die großen Exemplare auszuwählen - die kleinen lässt er liegen.