Der Sektenbeauftragte der evangelischen Landeskirche, Wolfgang Behnk, hat im Fall der Sektenkinder von Lonnerstadt ein rasches Einschreiten der Behörden gefordert. "Die drei Kinder sind bei dem Guru der Sekte in keinen guten Händen. Es gibt einen begründeten Verdacht, dass in der Sekte die grundgesetzlich garantierte Unversehrtheit der Kinder nicht gewährleistet ist", sagte er. "Das Jugendamt muss jetzt anpacken und den Kindern helfen", forderte Behnk.

"Befremdlich und nicht nachvollziehbar"

Nach TV-Berichten über die Sekte in Lonnerstadt waren Vorwürfe laut geworden, die Behörden würden sich zu wenig um die drei Kinder kümmern. Sie seien nicht krankenversichert und müssten meditieren statt spielen.
Für ihn sei es "befremdlich und nicht nachvollziehbar", dass das Jugendamt bislang nicht eingeschritten sei, sagte Behnk. Die Bilder eines vom WDR in der Vorwoche ausgestrahlten Beitrags über "Neue Gruppe der Weltdiener" habe deutlich gezeigt, dass die Kinder in der Sekte abgeschottet leben müssten und sich dadurch nicht normal entwickeln könnten. Dass Erwachsene so leben, sei deren Sache. Dass sie aber auch ihre Kinder dazu zwängen, die sich nicht wehren könnten, müsse den Staat und seine Behörden auf den Plan rufen, sagte Behnk.
Jeder Tag, den die Kinder länger in der Sekte zubringen müssten, schade ihrer Entwicklung. Deswegen dürfe sich auch der Landrat des Kreises Erlangen-Höchstadt, Eberhard Irlinger (SPD), nicht länger schützend vor seine Behörde stellen, sondern müsse für rasche Aufklärung und Hilfe sorgen. Was die Entwicklung der Kinder angehe, so "rolle der Zug in die falsche Richtung, mit dem falschen Lokführer und dem falschen Begleitpersonal", sagte der landeskirchliche Beauftragte für Sekten und Weltanschauungsfragen. Der Umgang des Gurus mit den Kindern sei ein klarer Verstoß gegen Artikel 2 des Grundgesetzes, der die freie Entfaltung der Persönlichkeit garantiert.

Höhere Stufe der Geistigkeit

Die Sekte "Neue Gruppe der Weltdiener" ist nach Behnks Darstellung eine Abspaltung der im 19. Jahrhundert entstandenen Sekte "Gruppe der Weltdiener". Sie sei von Ellis N. Bailey in den USA gegründet worden und fuße auf der Theosophie. Die Theosophen strebten "eine höhere Stufe der Geistigkeit an - unter Hintanstellung des Materiellen". Sie forderten daher eine Einschränkung der persönlichen Bedürfnisse - "auch Essen, Trinken und Sexualität, weil sich damit Leiblichkeit verbindet", erläutert Behnk, der sich seit 21 Jahren um das Sektenwesen in Bayern kümmert. Mit dem Auftrag, die Lehre in der Welt zu verbreiten, betrachteten sich die Anhänger als "Weltdiener".