Wenn sich Stefan Lenk auf seiner Terrasse am Treibweg in Höchstadt ein Bier einschenkt, bringen ihn derzeit die sonst nervenden Wespen nicht mehr aus der Ruhe. Der Grund: Unter dem Giebel seines Hauses bauen Hornissen gerade einmal mehr ein kunstvolles Nest. Und diese unter Schutz stehenden Insekten agieren wie Abfangjäger.

Mit Begeisterung sieht Lenk zu, wie die Hornissen die Wespen im Flug attackieren: "Natur Pur", sagt der Naturliebhaber, der jahrelang als Vogelwart im Höchstadter Verein für Zucht und Schutz Nistkästen für Vögel und auch Hornissenkästen aufgehängt und betreut hat.

Sie nippen am Bierkrug

Auf Hornissen übt Lenks Haus am Ortsrand offensichtlich eine besondere Anziehungskraft aus. Seit 2014 ist das heuer schon die fünfte Behausung, die die Hornissen unter seine Giebel zimmern. Er ist inzwischen froh darüber und hat sich mit seiner Familie an die Tiere gewöhnt. "Die kommen, setzen sich auf den Rand vom Krug, nippen am Schaum vom Blauer-Löwe-Bier und fliegen wieder weiter", sagt der Naturfreund. Angst, gestochen zu werden, hat er überhaupt nicht. "Die machen nichts." Man muss die Hornissen nur in Ruhe lassen, sollte nicht nach ihnen schlagen und sie auch nicht anblasen. Hält man sich an diese einfachen Regeln, kommt man mit ihnen bestens aus.

Lenk hat auch noch Tipps parat. Will man beispielsweise am Samstag auf der Terrasse unter dem Hornissennest grillen, sollte man schon am Mittwoch faules Obst zuckern und im Umfeld auslegen, "dann lassen sie dich am Grillabend in Ruhe".

Möchte man Hornissen doch einmal vertreiben, empfiehlt Lenk reines Wasser, das aus einer Sprühflasche in die Luft geblasen wird. Die Insekten erwarten dann Regen und ziehen sich zurück.

Experte in Sachen Hornissen ist der Schlüsselfelder Imker Kilian Wächtler. Er ist auch offizieller Hornissenbeauftragter für die Landkreise Erlangen-Höchstadt, Bamberg und Neustadt-Bad Windsheim und seit 40 Jahren im Dienst.

Für ihn sind Hornissen "sehr nützliche und sehr gelehrige Tiere". Lässt man sie in Ruhe und schlägt nicht nach ihnen, greifen sie einen auch nicht an. Und sie gehen auch nicht auf Speisen und Getränke. Wächtler lobt sie überhaupt als gute Schädlingsbekämpfer. Sind Hornissen in der Nähe, sind Wespen und Schnaken kein Thema mehr.

Auch für den Garten seien Hornissen sehr begehrt, sagt Wächtler. "Man kann sie sogar zutraulich machen." Hat er eine Hornisse im Garten, schaut er sich jeden Tag bei ihr um und das Tier gewöhnt sich auch an ihn.

"Hornissen sind Nachtjäger und fangen nur lebende Tiere im Flug", sagt der Hornissenbeauftragte. Um den geschützten Tieren etwas Gutes zu tun, empfiehlt er, weiße Lampen durch gelbe zu ersetzen.

Gefahr aus Asien

Ein großes Problem sieht Wächtler mit der neu eingeschleppten asiatischen Hornisse auf uns zukommen. Die vermehrt sich stark, ist aus dem Spessart kommend auf dem Vormarsch nach Franken und ernährt sich zu 80 Prozent mit Bienen. Während die Bienen mit den heimischen Hornissen gut zurechtkommen, sind sie der asiatischen unterlegen. Laut Wächtler geht unter den fränkischen Imkern schon die Angst um.