Trotz der großen Fronleichnamsprozession vergangenen Donnerstag hielten alle Zünfte, Vereine und Gruppierungen am Sonntag die Tradition der "kleinen Bittprozession" in Höchstadt aufrecht.
An vier Altären wurde innerhalb der Altstadt für verschiedenste Anliegen gebetet. Am Vogelseck, in Sichtweite zum Krankenhaus St. Anna und zum Gesundheitszentrum betete die große Anzahl der Teilnehmer für Kranke, Sterbende und für alle, die im Dienst an den Kranken und Pflegebedürftigen stehen.

Am Graben, beim armenischen Kreuzstein machte die Prozession Halt, um für das kirchliche Leben der Pfarrgemeinde zu beten.

Am Schillerplatz nahmen die Gläubigen die Verantwortung für Natur und Umwelt ins Gebet, bevor vor dem Rathaus für die Stadt Höchstadt der Segen erteilt wurde.


Landrat hat darum gebeten

Zum Abschluss der Prozession segnete Dekan Kilian Kemmer ein Kreuz. Landrat Alexander Tritthardt (CSU) bat den Dekan um ein Kreuz im Eingangsbereich des Landratsamtes auf dem Höchstadter Schlossberg. Die von der bayerischen Staatsregierung zum 1. Juni beschlossene Kreuzpflicht für staatliche Behörden dürfe ohne Zweifel als politisches Kalkül und als Fragwürdigkeit reflektiert werden, so Kilian Kemmer. Doch die Reaktion kirchlicher Würdenträger auf diese Entscheidung sei für ihn beschämend.

"Als Christen müssen wir das Kreuz deuten im privaten wie im öffentlichen Bereich und zwar als Zeichen der Offenheit, Gastfreundschaft, der Gewaltlosigkeit, der Gerechtigkeit und Menschenfreundlichkeit". Der Wunsch des Dekans am Ende der Feier brachte zum Ausdruck, dass das Kreuz im Foyer des Landratsamtes Christen wie Nichtchristen viel Segen bringen soll.

Dass der Landrat, anders als manch anderer Politiker, zu der Entscheidung von verpflichtenden Kreuzen in Landesbehörden steht, hatte er gegenüber dem Fränkischen Tag bereits im April geäußert.

Zum einen sei man als Staatsbehörde daran gebunden, teilte damals Pressesprecherin Hannah Reuter mit. Zum anderen habe Landrat Tritthart schon lange ein Kreuz in seinem Büro hängen. Und das werde auch in sein Büro im Neubau des Landratsamtes mit umziehen.


Kreuze auch im Rathaus

Auch Höchstadts Bürgermeister Gerald Brehm (JL), der zwar nicht durch den Erlass verpflichtet ist, zeigte Verständnis für das Zeigen von Kreuzen in öffentlichen Gebäuden. Er berief sich auf die religiös-kulturelle Prägung des Landes, die maßgeblich durch das Christentum geschehen sei. Im Höchstadter Rathaus hängen seit langem in vielen Zimmern der Mitarbeiter die christlichen Symbole an der Wand.