Ein bisschen schade, dass sie selbst nicht nähen kann, findet es Claudia Düweke ja schon. Aber eigentlich macht das auch nichts aus, ergänzt die Kundin, als sie sich ein Kleidchen für ihre Tochter einpacken lässt. Denn in dem neuen Lädchen in der Erlanger Straße findet die Mutter genau das, was sie sucht: selbst gefertigte Unikate.

Es ist eine florierende Idee aus dem Internethandel, den Miriam Mudura, die Besitzerin des "Kreativwäldchens", aufgegriffen hat. Da gibt es einen Online-Marktplatz, der mit einzigartigen selbst gemachten Produkten wirbt. Warum sollte man das nicht auch konkret versuchen und die Dinge greifbar machen, fragte sich die Herzogenauracherin, die seit zwei Jahren ihre selbst genähten Sachen anbietet und ihr eigenes Label namens "Verknüpft und zugenäht" gegründet hat. So entstand ihr kleiner Laden für Selbermacher. Lauter selbst gefertigte Unikate auf 16 Quadratmetern Fläche.

Das Prinzip ist einfach. Wer nähen kann oder auch sonst kreativ ist bei der Herstellung von Einzelstücken, der kann sich in dem Shop ein Regalfach mieten und seine Produkte dort ausstellen und verkaufen. Mindestens zwei Monate muss man das belegen, sagt Mudura, die natürlich auch ihre eigenen Produkte anbietet. Vom Kinderkleidchen bis zum Schlüsselanhänger, von der Dirndltasche bis zum Kinderkrabbelschühchen, vom Geldbeutel bis zum Schmuck reicht das Sortiment.

"Und ein bisschen was zum Selbermachen ist auch dabei", sagt Mudura, die im richtigen Beruf Bürokauffrau ist, ihre Leidenschaft für das Hobby Nähen aber schon als kleines Kind entdeckt hat. Zehn Mieter hat die zweifache Mutter schon gefunden, weitere Anfragen laufen. Seit der Eröffnung am 1. März hat sich im Städtchen herumgesprochen, dass da ein kleiner Laden aufgemacht hat.

"So ein Laden hat gefehlt"

Auch Claudia Düweke war neugierig geworden. Und hat prompt ein hübsches Kleidchen für ihre Tochter gefunden, die im Mai den fünften Geburtstag feiert. "Das muss unterstützt werden", sagt die Herzogenauracherin. Das sei auch viel besser als im Internet zu bestellen, denn "man kann's anfassen." Sie ergänzt mit Blick auf die kleine Stadt: "So ein Laden hat gefehlt, der muss bleiben." Und größer werden sollte er auch noch, fügt sie hinzu und hat auch schon einen Vorschlag parat für die Erweiterung. Denn für den Zwillingsbruders ihres kleinen Mädchens hat die Mutter nichts finden können.

Neugierig war auch Sabrina Bock. Sie wohnt unweit des Ladens und hat beim Spaziergang in die Stadt einen Blick hineingeworfen. Eine Haarspange für ihre zehn Monate junge Tochter Mia wollte sie besorgen, natürlich soll's ein Unikat sein.

Miriam Mudura ist bei ihren Verkaufsständen an Altstadtfest und Hobbykünstlermarkt ermuntert worden, den Laden zu eröffnen. Sie spürte das Interesse nach Dingen, "die nicht jeder hat", sagt sie. "Die Leute wollen sich auch gern etwas abheben." Und in einer Stadt wie Herzogenaurach mit den weltbekannten Firmen "darf auch mal was ausgefallenes her."

Erfreut über die Bewegung im Einzelhandel ist auch Judith Jochmann, im Herzogenauracher Rathaus zuständig fürs Stadtmarketing. Erst kürzlich hat sie sich am Steinweg umgeschaut, wo demnächst ein Fair-Trade-Laden eröffnet. Kleine Läden mit einem besonderen Angebot, das habe einen gewissen Reiz und könne beitragen, der Herzogenauracher Innenstadt ein besonderes Flair zu verleihen, sagte sie.

Workshop am Montag

Am kommenden Montagnachmittag gibt's einen Workshop im "Verknöpft und Zugenäht‘s Kreativwäldchen". Andrea Schmidt zeigt, was man mit Stempeln alles Kreative anstellen kann. Die Höchstadterin ist begeistert von der Idee des Lädchens und vor allem davon, dass man das nun auch in der hiesigen Gegend antrifft. Denn sonst kenne sie solche Shops meist nur im Norden. Als sie auf Facebook entdeckt hat, dass Miriam Mudura so einen Laden für Selbermacher eröffnet, habe sie prompt ein Regalfach gemietet.