• Herzogenaurach: Schaeffler liefert vorerst nicht mehr nach Russland
  • "Solidarität mit der ukrainischen Zivilbevölkerung": Autozulieferer bestätigt große Spende
  • Büro in Kiew bereits geschlossen - Schaeffler mit drei Standorten in Russland
  • Einen weiteren Schritt will der Konzern aber aktuell nicht gehen

Der Herzogenauracher Autozulieferer Schaeffler hat nach der Schließung seines Büros in Kiew in der vergangenen Woche nun auch Lieferungen nach Russland wegen des anhaltenden Kriegs in der Ukraine vorerst eingestellt. Das bestätigte eine Sprecherin des Unternehmens gegenüber inFranken.de. Gleichzeitig habe der weltweit agierende Konzern eine Großspende für Hilfe in der Ukraine getätigt. Eine Konsequenz will Schaeffler aber aktuell nicht ziehen, wie CEO Klaus Rosenfeld jüngst bei der Vorstellung des Geschäftsjahres 2021 äußerte. 

Schaeffler spendet eine halbe Million Euro - will aber im russischen Werk vorerst nicht handeln

"Schaeffler zeigt Solidarität mit der ukrainischen Zivilbevölkerung und den Menschen, die aus ihrem Land fliehen", erklärt eine Sprecherin auf Anfrage von inFranken.de. Daher spende die Schaeffler-Gruppe und die Familienholding IHO "gemeinsam 500.000 Euro an das Deutsche Rote Kreuz für humanitäre Hilfe in der Ukraine". Damit soll nach Aussage des Unternehmens "sowohl den Flüchtlingen als auch den in den Krisengebieten verbliebenen Menschen geholfen werden". 

Vergangene Woche hatte Schaeffler gegenüber inFranken.de erklärt, das Vertriebsbüro des Autozulieferers in Kiew sei wegen der aktuellen Entwicklungen geschlossen worden. Der Grund: Sicherheitsbedenken. Diese habe mit Blick auf die Beschäftigten "oberste Priorität". Deutsche Schaeffler-Angestellte gebe es in der Ukraine indes keine, hieß es. In der Ukraine seien sechs Angestellte für das Unternehmen tätig, äußerte CEO Klaus Rosenfeld bei der Vorstellung der Jahresbilanz am Dienstag, 8. März 2022. Die Lage in dem osteuropäischen Land sei "erschreckend", so Rosenfeld. Weil die Situation in der Region von "erheblicher Unsicherheit und zunehmenden Verwerfungen" geprägt sei, habe man sich bei Schaeffler entschieden, die Prognose für das laufende Geschäftsjahr vorerst auszusetzen.

 "Wir müssen auf Sicht fliegen und vorsichtig und agil reagieren", erklärte der Vorstandsvorsitzende. In Russland betreibt Schaeffler unter anderem ein Vertriebsbüro und ein Warenlager in Moskau. In der russischen Großstadt Ulyanovsk an der Wolga hat der fränkische Autozulieferer ein Produktionswerk. Nach den jüngsten Aussagen Rosenfelds sind dort 110 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Herzogenauracher Konzerns tätig. Schließen will der Autozulieferer das Werk aber derzeit nicht, diesen Schritt will Schaeffler nicht gehen. Man überlege aber täglich, wie es weitergehe.

Herzogenauracher Autozulieferer stoppt Lieferungen nach Russland - "weitreichende Sanktionen"

Gleichzeitig habe man "vorerst die Lieferungen aus Deutschland an Kunden in Russland gestoppt", wie die Sprecherin bestätigt. "Selbstverständlich halten wir uns an alle Sanktionsbestimmungen und beobachten die Entwicklungen kontinuierlich", heißt es weiter. "Unsere Kunden sind über das gesamte Land verteilt und wurden auch teilweise direkt beliefert", so die Schaeffler-Sprecherin. Der Umsatzanteil des Geschäfts von Schaeffler in Russland und der Ukraine mache in etwa 1 Prozent des Konzernumsatzes aus und sei somit "mit Blick auf den Gesamtkonzern überschaubar".

Auf die Mitarbeitenden in Franken habe der Lieferstopp keine direkten Auswirkungen. Auf die Frage nach dem Grund für die Einstellung der Lieferungen verweist das Unternehmen auf Vorgaben, die durch "weitreichende Sanktionen vorgegeben" seien. Einige der Kunden hätten die Produktion oder die Verkaufstätigkeit vor Ort gestoppt, heißt es.

Trotz schwieriger Umstände sei das Jahr 2021 für Schaeffler erfolgreich gewesen, ließ der Konzern-CEO verlauten. Man habe den Umsatz währungsbereinigt um 9,7 Prozent steigern können, heißt es. Besonders bei der Elektromobilität sei ein "starker Auftragseingang" zu verzeichnen, man sehe sich unter anderem aufgrund "solider Finanzen" auch für die aktuelle Krise gewappnet. 

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