So viel Harmonie war selten im Stadtrat zwischen den Stadtratsparteien Bündnis 90/Die Grünen, SPD, FDP und Die Partei sowie CSU/JU und die Freien Wähler. Man musste schon genau hinhören, um bei der Sitzung des Stadtrates im Vereinshaus auch nur den Ansatz von Differenzen herauszuhören - und das bei einem durchaus umstrittenen Thema. Am Schluss stand der einstimmige Beschluss, für die Aurachtaltrasse eine Machbarkeitsstudie erstellen zu lassen.

"Es gibt wahrscheinlich kaum ein häufiger angesprochenes Thema wie die Aurachtaltrasse. Auch wenn für mich und den größten Teil der Öffentlichkeit angesichts der von Fachleuten über Jahre hinweg immer wieder dargelegten Gründen längst klar ist, dass eine Reaktivierung der Aurachtaltrasse nicht einmal ansatzweise realistisch ist, so muss ich zur Kenntnis nehmen, dass es eine Minderheit erreicht hat und so für Verwirrung zu sorgen", erklärte Bürgermeister German Hacker, als er den Tagesordnungspunkt aufrief. Die Diskussionen um die Bahntrasse beeinträchtigen Hacker zufolge die Stimmung in der Stadt.

"Um das Wunschdenken zur Aurachtaltrasse auszuräumen, auch wenn es Geld kostet, müssen wir die Machbarkeit nun doch prüfen lassen - aus meiner Sicht nochmals, weil die Begründungen längst vorliegen. Dies in der Hoffnung, endlich Ruhe in ein eigentlich erledigtes Thema zu bringen", erklärte der Bürgermeister als Peter Simon (Grüne) den Antrag der Gestaltungsmehrheit vortrug.

Für nachhaltige Mobilität

Wie Simon erklärte, wurden in der vergangenen Legislaturperiode die Projekte StUB und Schnellradweg auf den Weg gebracht - und aus grüner Sicht muss die städtische Verkehrsentwicklung weiter in Richtung nachhaltige Mobilität vorangetrieben werden. Deshalb müsse die Machbarkeit der Aurachtalbahn geprüft werden und dazu seien aktuelle, zuverlässige und objektive Fakten erforderlich.

Ein wichtiger Faktor sei dabei, ob auf dieser Trasse auch Güterverkehr möglich sei. Dann ging ein Vorwurf von Simon an SPD und CSU, die Ende 2017 einen 400 Meter langen Abschnitt der Schiene für das Projekt Südumfahrung gewidmet hatte, um eine Brücke der Südumfahrung einzusparen. Diese Südumfahrung solle gestoppt werden, denn beide Projekte nebeneinander lassen sich nicht umsetzen, so Simon, und die CSU/JU-Fraktion müsse jetzt Farbe bekennen, auf welcher Seite sie wirklich steht. Die Corona-Krise habe gezeigt, dass sich die Arbeitswelt ändert und durch Home-Office immer weniger Menschen zur Arbeit müssen bzw. die Arbeitszeit variabler gestalten können.

Dazu gab es einen Ergänzungsantrag der Stadtratsfraktionen von CSU und JU. "Die Verwaltung wird beauftragt, als Voraussetzung einer nachfolgenden Planung eine Machbarkeitsstudie zur Prüfung zur Reaktivierung der Aurachtaltrasse von Herzogenaurach bis hin zu einem Anschluss an das S-Bahn-Netz Erlangen-Nürnberg als SPNV-Verkehr durch ein unabhängiges Planungsbüro bis zu einer Sitzung spätestens im Dezember 2020 zu beauftragen", erklärte Konrad Körner.

Dazu setzt sich die Verwaltung vor einer Auftragsvergabe mit dem Freistaat Bayern in Verbindung, um die Reaktivierungsvoraussetzungen abzuklären. Die Markterkundung und die Ausschreibung wird vom Planungs- und Umweltausschuss in öffentlichen Sitzungen erarbeitet. Bei Gesprächen mit potenziellen Auftragnehmern sind die Fraktionen mit einzubeziehen. Entscheidendes Kriterium bei der Vergabe: Das Planungsbüro war bislang nicht mit einer Prüfung des Vorhabens beauftragt und hat schon anderswo erfolgreich entsprechende Untersuchungen durchgeführt. Kommt die Machbarkeitsstudie zu einem positiven Ergebnis, wird der Stadtrat eine Bewertung der Varianten in Auftrag geben.

"Ein Gewinn für die Stadt"

Mit "Politik darf nicht nur aus Eitelkeiten bestehen, sondern auch aus mehr Gemeinsamkeiten", warb Körner für den Antrag. Und: "Die jetzt hier vorliegenden Anträge haben das Potenzial ein großes Streitthema der letzten Jahre in eine ordentliche Spur zu lenken." Dass sich die Fraktionen zusammenrauft hätten, sei ein Gewinn für die Stadt.

"Das Thema ist sehr wichtig", meldete sich Bernd Reichelsdorfer von der AfD zu Wort und bot seine konstruktive Mitarbeit an. Nach seiner Meinung werden StUB und S-Bahn in Konkurrenz treten, deshalb sei der Antrag ein Kuckucksei. "Mir drängt sich der Verdacht auf, dass die Machbarkeitsstudie nur ein Feigenblatt darstellt", erklärte er.

Wie Hacker abschließend deutlich machte, sei es richtig und ein Zeichen der Kompromissfähigkeit, ein Planungsbüro mit der Machbarkeitsprüfung zu beauftragen. "Dies ist kein Sinneswandel in Bezug auf die inhaltliche Bewertung der längst vorliegenden Fakten, sondern reiner politischer Pragmatismus", so der Bürgermeister.

"Der Klügere gibt nach", erklärte der Bürgermeister am Ende der Diskussion, warb um eine breite Zustimmung und dass in jedem Fall ein "Gefälligkeitsgutachten" ausgeschlossen werden müsse.