Vampire, Hexen und Gespenster gruselten am Samstagabend von Tür zu Tür. Für die Suche nach süßen Leckereien lassen sich Kinder und Eltern jedes Jahr schaurige oder auch lustige Kostüme einfallen, von denen keines dem anderem gleicht. Die vielen Facetten von Halloween fingen 20 Autoren in dem Buch "Halloween Tales - We treat, you read" ein. Der Erlös der Geschichtensammlung wird gespendet. Eine der Schreiberinnen ist die 31-jährige Sabrina Ruhmann aus Burghaslach.

Was reizte Sie daran, eine Geschichte zum Thema Halloween zu verfassen?
Sabrina Ruhmann: Der größte Reiz daran war es, zusammen mit anderen Autoren ein schönes Buch voller Gruselgeschichten herauszubringen. Ich habe noch nie zuvor eine Kurzgeschichte geschrieben und dachte immer, das sei nichts für mich, aber das Thema rund um Halloween hat sofort meine Fantasie geweckt. Ich liebe mystische, Gänsehaut auslösende Geschichten und Filme und schreibe auch selbst gerne in diesem Genre.

Ohne zu viel zu verraten, wovon handelt Ihre Geschichte "Der Junge von Nebenan"?
Sie handelt von einem Mädchen, das an Halloween im großen Anwesen ihrer Eltern alleine ist. Wie es so ist an diesem Tag, klingeln immer wieder verkleidete Kinder an der Tür. Einem davon öffnet sie, und ab diesem Moment gehen im Haus seltsame Dinge vor. Ob es spukt oder nur ein Halloween-Streich ist, verrate ich nicht, doch es passiert etwas, womit der Leser ganz sicher nicht gerechnet hat.

Haben sie Elemente aus Ihrer Heimatregion in die Geschichte mit eingebunden?
Nein, ich entführe den Leser nach Arizona, USA.

Für welche Zielgruppe ist die Anthologie bestimmt?
Das Buch eignet sich für jeden, der gerne liest und Gruselgeschichten mag. Da so viele verschiedene Autoren mitgeschrieben haben, enthält die Anthologie Geschichten aus den unterschiedlichsten Genres, wobei der Schwerpunkt auf Mystery und Fantasy liegt.

Gibt es vielleicht mal eine Lesung in der Region?
Eine virtuelle Lesung, also in Form eines Live-Streamings im Internet, hat bereits stattgefunden. Eine Lesung in der Region ist schwierig umzusetzen, da wir über ganz Deutschland und Österreich verstreut leben. Es ist aber eine interessante Idee, die man nächstes Halloween oder bei der nächsten Anthologie mal ins Auge fassen könnte.

Alle Autoren sind auf der Internetseite des LYX-Verlags vertreten. Habt ihr euch über diese Seite kennengelernt und zusammengeschlossen?
Das LYX Storyboard, die Online-Plattform des LYX-Verlags, war der Anfang des Ganzen. Dort kann man zwar Kommentare zu den Geschichten anderer Autoren hinterlassen, aber man kann relativ schwer miteinander in Kontakt treten. Deshalb haben einige von uns eine Gruppe auf Facebook gegründet, wo seitdem täglich der Bär steppt. Wir tauschen uns über private Dinge genauso aus wie über das Schreiben. Und wir verstehen es auch sehr gut, uns gegenseitig vom Schreiben abzulenken.

Gab es auch persönliche Treffen?
Erst jetzt im Oktober, etwa ein Jahr nach der Gründung unserer Gruppe, hat sich ein großer Teil von uns auf der Frankfurter Buchmesse getroffen und zum ersten Mal persönlich gesehen. Zu diesem Zeitpunkt war die Anthologie jedoch schon fertig - die gesamte Organisation hat virtuell stattgefunden.

Wie funktionierte die Zusammenarbeit mit den anderen Autoren?
Für die Zusammenarbeit haben wir Facebook genutzt und das hat erstaunlich gut funktioniert. Auf einmal gab es ganz viele virtuelle Arbeitsgruppen, ähnlich den Abteilungen in einem Verlag. Ich war zum Beispiel Teil des Marketing-Teams und wenn wir ein Bild für einen Flyer oder für unsere Facebook-Seite brauchten, haben wir beim Design-Team angeklopft. Wir haben alle unterschiedliche Berufe und Interessen und so haben sich für jeden Aufgabenbereich genug gute Leute gefunden.

Seit wann begleitet Sie das Schreiben als Freizeitbeschäftigung?
Ungefähr seit ich schreiben kann, schreibe ich auch in meiner Freizeit. Am Anfang bestanden die Geschichten aus drei handgeschriebenen Sätzen und vielen Bildern, die ich dann zusammengeheftet und verschenkt habe. Später saß ich in den Sommerferien Tag und Nacht, manchmal bis zum Sonnenaufgang, am PC und habe mich meiner Fantasie hingegeben.

Haben Sie den Traum vom eigenen Buch?
Wie die meisten Hobby-Autoren hatte ich diesen Traum schon immer - und dieses Jahr habe ich ihn mir endlich erfüllt. Da es nicht leicht ist, einen Verlag zu finden, habe ich meinen Roman "Des Vampirs Geheimnis" selbst veröffentlicht. Von den Verkäufen konnte ich mir einen Urlaub in meinem Lieblingsland Irland leisten - ein schöner Nebenverdienst also. Das Beste daran ist und bleibt aber, das selbstgeschriebene Buch in Händen zu halten.

Ihr Pseudonym lautet "Lydia Kincaid". Hat es eine Bedeutung?
Der Name Lydia hat für mich etwas Geheimnisvolles und ich habe ihn von einer der Hauptfiguren der Horror-Komödie "Beetlejuice" geliehen, daher passt er zum Mystery-Genre. Dazu wollte ich einen irisch oder schottisch klingenden Nachnamen, weil ich mich zu diesen Ländern sehr hingezogen fühle. Meinen nächsten Roman, eine Liebeskomödie, werde ich allerdings unter meinem echten Namen veröffentlichen, da es ein ganz anderes Genre ist.

Der Erlös der Anthologie geht an den Verein "Mentor - Die Leselernhelfer". Warum haben Sie sich dafür entschieden?
Wie alles andere war dies eine Gemeinschaftsentscheidung innerhalb unserer Autorengruppe. Nachdem ziemlich schnell feststand, dass wir den Erlös unserer Anthologie für einen guten Zweck spenden wollen, haben wir lange nach einer Organisation gesucht, die etwas mit unserer Leidenschaft. Mentor unterstützt Kinder und Jugendliche dabei, ihre Sprach- und Lesekompetenz zu erweitern.

Das Gespräch führte unsere Mitarbeiterin Tina Meier