Während im Innern des Seelhauses, drüben auf dem Kirchenplatz, die beiden Archäologinnen ihre Arbeit nahezu beendet haben, beginnt ein paar hundert Meter weiter ein Kollege mit seinen Untersuchungen. Denn vor dem Abbruch des Rathauses muss die Erde rund ums Schloss untersucht werden.
Die Suche ist hüben wie drüben spannend. Während im Seelhaus ein Fundament der alten Friedhofsmauer gefunden wurde, die aus dem elften Jahrhundert stammen könnte, gilt das Augenmerk am Schloss dem alten Burgfried. Der sollte aus einer Zeit stammen, als das Schloss noch nicht stand und Herzogenaurach vermutlich eine Wasserburg hatte. Und auch dort reicht die Geschichte weit ins Mittelalter zurück. In der Kellerdecke des Südflügels sind Balken gefunden worden, die auf das Jahr 1228 datiert sind.
Sieben Wochen lang werden rund ums Schloss archäologische Voruntersuchungen durchgeführt. Das sagt Grabungsleiter Marco Goldhausen aus Ornbau, der mit einem Viererteam vor Ort ist. In erster Linie wird im Schlosshof der Burgfried gesucht. Der ist auf alten Plänen aus dem Jahr 1715 verzeichnet.
Goldhausen geht davon aus, dass es sich bei dem Burg- oder Bergfried wohl eher um einen Turm gehandelt hat, in dem auch Menschen gelebt haben. Der Vorgängerbau des aus dem frühen 18. Jahrhundert stammenden Schlosses dürfte auch eher eine Burg gewesen sein, vermutet der Fachmann. Und zwar eine Wasserburg, worauf der Wassergraben rund um das Bauwerk hindeutet, der auf einer anderen Skizze von 1826 zu erkennen ist.


Spannende Geschichte

Spannend genug ist sie Suche allemal, denn durch die Zeichnungen ist ja belegt, dass da was schlummern muss. "Wir wissen natürlich, dass hier was ist", sagt der Grabungsexperte. Der Turm oder Burgfried ist auf einem Plan von 1715 mit einer Größe von 13 mal 13 Metern verzeichnet. Danach wird man mit zwei größeren Sondagen suchen.
Aber auch rund ums Schloss, im ehemaligen Wassergraben, wird gegraben. 1,40 bis zwei Meter tief etwa geht das, bis zum geologisch gewachsenen Boden. Was darunter im Fels ruht, das interessiert einen Archäologen nicht mehr. Schon eher die Paläontologen, wenn beispielsweise Knochen von Dinsosauriern dort ruhen würden.
Aber Goldhausen ist sich sicher, im gewachsenen Boden etwas zu finden. Und er fiebert dem mit einer gewissen "Grundspannung" entgegen, wie er beim Ortstermin feststellte. Denn man habe bislang nur historische Quellen, es seien aber noch nie archäologische Funde dort geborgen worden.
Dass der Vorgängerbau, also die Wasserburg, aus der Stauferzeit stammt, das wisse man. Darauf deutet auch der Holzfund von 1228 hin. "Unsere Aufgabe", so führt der Bodendenkmalpfleger weiter aus, sei es nun, Spuren aus der Mitte des elften bis 13. Jahrhunderts zu finden. Und da kommt dann auch wieder die Suche nach dem Königshof von Uraha ins Spiel. "Wir wissen, dass es einen Königshof gegeben hat", sagt Goldhausen. Die Historiker seien sich nur nicht schlüssig, ob der am späteren Schloss oder drüben an der Kirche gestanden hat. Die Suche geht also weiter.


3D-Modell denkbar

Archäologie kann spannend sein, aber sie beinhaltet auch immer viel Feinarbeit. Und es sei nicht immer ein Erfolg garantiert. Der Experte bezeichnet die Archäologen als die Forensiker der Vergangenheit, die eine "richtig harte Arbeit" zu erledigen hätten.
Was aber geschieht, wenn der Turm gefunden ist? Da komme es dann auf den Wert der Entdeckung an. Man könnte das mit einem 3D-Scan sichern und ein Modell anfertigen. Man könnte aber vielleicht auch ein archäologisches Sichtfenster schaffen, um den Fund der Nachwelt zu erhalten. Das aber müsse sachlich betrachtet werden. "Wir müssen die vernünftigste Lösung finden", sagt der Grabungsleiter. Und das müsse im Einvernehmen mit der Denkmalpflege, aber auch der Stadt geschehen. Und da sollte man sich nicht von Emotionen leiten lassen.


Weitere Gründe der Grabung

Bürgermeister German Hacker, der sich ebenfalls vor Ort umschaute, ist da schon ein bisschen skeptisch. "Ich seh' jetzt schon die Bürgerinitiative Burgfried kommen", ulkte er. Für die Stadt sind die Suchschürfen auch aus einem anderen Grund wichtig. Geht es doch darum, vor dem Abbruch des Rathauses, das Fundament des Schlosses statisch zu prüfen. Eine Bohrkernsetzung sei zwar sehr schonend, sagte Hacker. Aber man müsse dennoch sorgsam vorgehen.
Und man will herausfinden, wo die verschiedenen Versorgungsleitungen im Schlossgraben verlegt wurden.