So widrig wie die gegenwärtigen Umstände im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie für viele Arbeitnehmer war auch das Wetter, das die Teilnehmer einer Kundgebung am Mittwoch zur Mittagsstunde begleitete. Nass, kühl, unfreundlich waren die Bedingungen, und dennoch fanden sich rund 250 Beschäftigte der Firma Schaeffler auf der Industriestraße ein. Es war die zweite Kundgebung nach der Bekanntgabe des Unternehmens, in Deutschland 4400 Arbeitsplätze abbauen zu wollen, und davon allein rund 1200 am Stammsitz in Herzogenaurach.

Grigore Beutura, der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende und Organisator der Aktion, war mit der Teilnahme letztlich nicht zufrieden. Beim nächsten Aktionstag "müssen definitiv mehr raus", sagte er. Wobei ein solcher noch nicht absehbar sei, wohl aber eine Betriebsversammlung, die hoffentlich zeitnah anberaumt werden soll. Denn die Schaeffler-Betriebsräte hoffen, von der Unternehmensspitze schon möglichst bald nähere Informationen über konkrete Zahlen an Entlassungen zu bekommen, sagte er.

Diese Forderung, endlich Zahlen zu nennen, welche Abteilungen vom Stellenabbau denn nun wirklich betroffen sind, äußerte Beutura zu Beginn der Kundgebung. Und wurde darin unterstützt von der nächsten Rednerin der Kundgebung, Ismene Bialkowski vom Vertrauenskörper der IG Metall. Sie sprach deutliche Worte der Kritik an die Unternehmensführung. "Wir haben eine Zukunftsvereinbarung bis Ende 2022", sagte sie. Und diese besage, dass es bis dahin keine betriebsbedingte Kündigungen geben dürfe. Dass jetzt 1211 geopfert werden sollen, wie Bauern auf dem Schachbrett, das sei heftig. "So geht man mit Menschen nicht um", sagte sie und verwies darauf, dass diese Zahl mehr als zehn Prozent der Beschäftigten (derzeit 9500) ausmache. Für jeden einzelnen hatte man auch zur zweiten Kundgebung ein Kreuz mitgebracht - aufgemalt auf Plakaten.

Johann "Jackie" Horn vom Bezirksverband der IG Metall bezeichnete die Absicht des Stellenabbaus als unanständig - gerade jetzt, in der Corona-Pandemie. Während kleine Betriebe sich um ihre Leute kümmern würden, "machen das unsere großen Konzerne nicht", sagte er. Und: "Sie werfen die Leute raus, weil der Profit nicht mehr stimmt! Das geht so nicht!"

Laut Horn ist genug Geld vorhanden, bei den Entlassungen handle es sich um alte Konzepte Dabei könnte man über alles reden.

Politische Unterstützung hatten sich IG Metall und Betriebsrat von der bayerischen SPD geholt. Deutliche Worte fand Generalsekretär Uli Grötsch. Er bezeichnete es als "asozial, die Corona-Krise als Deckmäntelchen zu verwenden". Unternehmen würden die Pandemie nutzen, um ihre Struktur umzubauen. Dagegen müsse man vorgehen. Und deshalb werde die SPD im Bundestag fordern, dass Unternehmen, die in dieser Zeit Arbeitnehmer entlassen, keine Fördermittel erhalten sollen.

Bundestagsabgeordnete Marina Stamm-Fibich hatte sich zuvor für die Auszubildenden stark gemacht. Wer diese nicht übernehmen will, "handelt für mich sträflich".

Die Kundgebung am Stammsitz war Bestandteil einer Aktionswoche an 21 Standorten. Heute ist Höchstadt an der Reihe. Und es wird wohl noch vielmehr Protest geben müssen. Uli Grötsch versprach: "Wir sind an Eurer Seite, auch über viele Monate hinweg."