Die Hoffnung vor allem unter der älteren Bevölkerung war groß, als der Landkreis Erlangen-Höchstadt und die Stadt Erlangen am 7. Dezember vergangenen Jahres ihr gemeinsames Impfzentrum vorstellten. Über 1000 Personen hätten in den umgestalteten Räumen eines ehemaligen Sportgeschäfts täglich gegen Corona geimpft werden können.

Alles war gerichtet, ein Ärzteteam stand bereit, es fehlte nur der Impfstoff. Inzwischen sind über sechs Wochen vergangen und der Mangel an Impfstoff ist immer noch der Hauptgrund dafür, dass die Impfkampagne in der breiten Bevölkerung noch lange nicht angekommen ist.

Möglich gewesen wären im Impfzentrum 1000 Impfungen pro Tag. Wie der FT in seiner Ausgabe vom Mittwoch vermeldete, wurden seit Beginn der Impfungen Ende Dezember aber erst 5895 Personen geimpft. Die wenigsten davon im Impfzentrum. Jeweils über 1000 Personen erhielten die erste Corona-Impfung in Krankenhäusern und Senioreneinrichtungen.

Noch hat der in den Raum Erlangen gelieferte Impfstoff nicht einmal dafür gereicht, wenigstens das Personal in den Kliniken vor Corona zu immunisieren. Im Kreiskrankenhaus St. Anna in Höchstadt läuft die Impfung der Mitarbeiter, berichtet Inneren-Chefarzt Dr. Martin Grauer. Unter der Belegschaft hat er eine "richtig hohe" Impfbereitschaft von 80 Prozent.

Mit dem zur Verfügung stehenden Impfstoff konnte er aber erst 64 von 150 Mitarbeitern impfen. Wenn wieder Impfstoff geliefert wird, steht man im Krankenhaus Höchstadt vor der Wahl, entweder bei den noch nicht Geimpften weiter zu machen, oder den ersten schon die notwendige zweite Impfung zu verpassen. "Natürlich könnten wir mehr impfen, wenn mehr Impfstoff da wäre", stellt Grauer fest.

Ein Höchstadter Haus- und Notarzt, der aufgrund seiner Tätigkeit bei der Impfung höchste Priorität genoss, bekam seine erste Dosis bereits am 29. Dezember verabreicht, als das mobile Impfteam im Vitanas-Seniorenzentrum in Höchstadt geimpft hat. Obwohl diese Impfung, wie er dem FT versicherte, in ein Computerprogramm aufgenommen worden war, bekam er am 13. Januar vom Impfzentrum Erlangen die Aufforderung, sich und sein Praxispersonal impfen zu lassen. Ein Teil des Personals war da aber ebenfalls schon geimpft, was auch registriert worden war. Für den Notarzt herrscht hier ein "totales Durcheinander" in der Organisation. Bestätigt hat ihn diese Auffassung, als er jetzt am 18. Januar erneut die Aufforderung bekam, sich als Notarzt endlich impfen zu lassen.

Nach Recherchen des FT müssen Krankenhäuser, die ihre Mitarbeiter selbst impfen, diese Impfungen an das BIK-Impfportal des Bayerischen Instituts für Krankenhausorganisation melden. Die Impfzentren in Bayern melden ihre Impfungen an BayImco (Bayerisches Impfmanagement gegen Corona), das am 11. Januar freigeschaltete Registrierungsportal des Gesundheitsministeriums.

Wie der für das Impfzentrum zuständige Erlanger Pressesprecher Christofer Zwanzig auf FT-Anfrage mitteilt, "gibt es aus Datenschutzgründen keine zentrale Datenbank, aus der hervorgeht, wer schon geimpft wurde". Die bayernweit eingesetzte Software BayImco sehe auch keine Datenbankfunktion vor. "Im Impfzentrum werden die Impfungen durch Impfbögen in Aktenordnern dokumentiert, die unter Verschluss gehalten sind", so Zwanzig. Diese Unterlagen würden ausschließlich zur Planung der Zweitimpfungen genutzt. Für Ärzte und Rettungskräfte gebe es im Impfzentrum Listen, die gewissenhaft abgearbeitet werden. Werde ein Arzt mehrfach eingeladen, gehe das laut Pressesprecher "auf eine Doppelnennung in den Listen zurück".

Um die Pandemie besser in den Griff zu bekommen, fragt sich der Notarzt schon länger, warum nicht auch Hausärzten die Möglichkeit eingeräumt wird, ihre Patienten zu impfen. Manche wären von ihrem Hausarzt auch leichter zu überzeugen und hätten es zur Impfung nicht so weit wie bis ins Impfzentrum nach Erlangen.

Wer meint, da mal schnell hinfahren und sich die Impfung abholen zu können, wird eines Besseren belehrt. Ohne Termin geht nichts. An den zu kommen, ist für viele der Senioren über 80 - und nur sie kommen von den Normalbürgern derzeit überhaupt für eine Impfung in Frage - gar nicht so einfach. Landrat Alexander Tritthart (CSU) hat in der vergangenen Woche alle 8500 Senioren über 80 in seinem Kreis angeschrieben und über das Prozedere zur Registrierung im Impfzentrum informiert.

Wie Betroffene berichten, warten da einige Hürden. Weil die Registrierung möglichst online geschehen soll, müssen in der Regel Kinder oder Enkel mithelfen. Hat man sich durch den Fragenkatalog geklickt, gibt es eine Bestätigung der Anmeldung mit der Aufforderung, auf telefonische Nachfragen zu verzichten. Dann heißt es warten - "Termin ausständig" steht unübersehbar auf der Bestätigung. Weitere Mitteilungen kommen irgendwann per E-Mail oder SMS.

Alles hängt von der Lieferung des Impfstoffs ab. Natürlich auch der mögliche Impfzeitpunkt für all die Bürger, die noch keine 80 sind.