Alleine im Dunkeln nach Hause gehen, das Gefühl verfolgt zu werden oder das Beobachten einer Schlägerei - wir alle sind wohl schon einmal in eine ähnliche Situation geraten, die dafür gesorgt hat, dass ein ungutes Gefühl in uns aufkeimt. Schnell blitzt dann der Gedanke auf: Könnte ich mich im Ernstfall verteidigen? Wie funktioniert das überhaupt?

Genau an diesem Punkt kommt Janine Böhme ins Spiel. Die 30-Jährige ist unter anderem Selbstverteidigungs- und Gewaltpräventionstrainerin. Ursprünglich aus Sachsen, ist sie seit 2017 in Hemhofen zu Hause und gibt Kurse für Kinder und Erwachsene. Ihr Spezialgebiet ist Bushin-Ryu-Kempo, eine besondere Art des Karate, die den Fokus auf die Individualität der einzelnen Person legt.

Technik individuell angepasst

Im Gegensatz zu anderen Karate-Arten wird im Bushin-Ryu-Kempo die Technik auf den Einzelnen angepasst. "Wir arbeiten mit den Stärken und Schwächen, die der Teilnehmer mitbringt", erklärt Böhme. Um herauszufinden, wie man sich am besten verteidigt, ist es sinnvoll, zunächst den eigenen Reaktionstyp zu bestimmen. Das geht natürlich nicht erst in der prekären Situation, sondern muss vorher erfolgen. Das heißt: Situationen unter Stress nachstellen und sehen, wie man reagieren würde. Selbstverständlich kann man nicht alle möglichen Szenarien durchspielen; bei vielen gibt es aber ähnliche Arten, sich zu schützen.

"Nur wer weiß, wie er reagiert, kann darauf aufbauen", sagt Böhme. "Der Mensch tut im Ernstfall das, womit er sich sicher fühlt und was er gewohnt ist." Das Motto ist also: Erfahrungen sammeln, vorbereitet sein - quasi den Ernstfall zur Gewohnheit werden lassen.

Hilfreicher als irgendwelche Techniken, die man einmal nachgemacht hat und die dann nur noch verschwommen im Hinterkopf schlummern, ist laut Böhme, ein Gefühl für Distanzen, Körperhaltung, Stimmeinsatz und Gesichtsausdruck zu entwickeln. "Wenn man all das einsetzt, ist es sehr wahrscheinlich, dass ein Täter erst gar nicht auf die Idee kommt, dass man ein Opfer sein könnte", sagt Böhme.

Fassade bringt nicht viel

Michael Denk, Bushin-Ryu-Kempo-Lehrer von Janine Böhme, ergänzt: "Diese Dinge funktionieren nur, wenn sie authentisch sind. Eine zu selbstbewusste Fassade bringt nichts, wenn sie im Falle eines Angriffs wieder zum Grundmuster der Schockstarre führt." Leichter gesagt als getan. Wer kommt nicht in eine Schockstarre, wenn er einem vermeintlichen Täter gegenübersteht? "Alles eine Sache der Gewohnheit und Übung", beruhigt Denk.

Die beiden sind sich einig: Kurze Selbstverteidigungskurse sind hilfreich und geben einen kleinen Einblick, haben aber auch ihre tückischen Seiten. "Sie sensibilisieren für die eigenen Stärken und Schwächen, verringern Ängste und geben erste Handlungsempfehlungen", sagt Böhme. "Aber Einigen geben sie auch eine falsche Sicherheit. Dann kommt es schnell zu Selbstüberschätzung."

Denk ergänzt: "Ein weiteres Problem ist, dass ein Feindbild antrainiert wird. Die damit verbundenen Ängste und Aggressionen werden so offensichtlich, dass man damit genau das anzieht, was man eigentlich vermeiden möchte." So werden Auseinandersetzungen provoziert, die so vielleicht nie stattgefunden hätten.

Ein paar Tipps

Auch wenn es einen Kurs nicht ersetzen kann, geben die beiden noch ein paar letzte Tipps zur Selbstverteidigung: "Nicht wegrennen. Unter Stress laufen ist nicht vergleichbar mit normalem Joggen", stellt Böhme klar. "Bereits nach einer Minute ist man platt." Eine Ausnahme von dieser Regel gibt es: Ein Geschäft oder eine Menschengruppe, die man auch in kurzer Zeit erreicht, befindet sich in der Nähe. Laut Denk ist auch eine offene, selbstsichere Grundhaltung hilfreich und dazu zählt die Mimik. "Ein Lächeln ist manchmal die beste Art, eine Auseinandersetzung zu deeskalieren und damit der einfachste Schutz."

Die Kurse von Denk und Böhme finden im Landkreis verteilt statt, unter anderem in Zeckern und Erlangen. Weitere Infos sind auf den Internetseiten der beiden zu finden.