Es war eine gelungene Benefizaktion, die Gaby Richter und ihr Bruder Jürgen Rattmann im Frühjahr organisierten. Damals war der Einzelhandel vom Corona-Lockdown betroffen und so entschlossen sich die Beiden, für die Herzogenauracher Geschäfte Gutscheine zu verkaufen, damit die Läden die ersten schweren Wochen überstehen konnten. Der Erlös der Aktion übertraf alle Erwartungen: Knapp 25 000 Euro kamen damals zusammen. Das war kurz vor Ostern.

Jetzt, kurz vor Weihnachten, ist die Situation ähnlich. Wieder gibt es einen Lockdown, der inzwischen ja bereits verlängert wurde. Und wieder sind bestimmte Bereiche davon betroffen, allen voran die Gastronomie. Ihnen gilt nun das Augenmerk der Geschwister, die ihre zweite Gutscheinaktion des Jahres gestartet haben.

Die Vorgehensweise ist die gleiche wie im Frühjahr. Im Café Handgebäck in der Erlanger Straße, das Rattmann gehört, ist ein Tisch aufgestellt worden, an dem die Gutscheine erworben werden können. 16 Restaurants haben sich schon gemeldet, weitere dürfen noch dazustoßen. Die Aktion gilt aber auch anderen Betrieben, die jetzt vorübergehend schließen mussten. Da geht's um Studios, die Kosmetik und Massage, Yoga oder Tanz anbieten. Und ein Kunstatelier ist auch dabei. Insgesamt können Gutscheine von 23 Stellen gekauft werden.

Lockdown bis Februar?

Deren Betreiber bekommen das Geld dann sehr zeitnah überreicht, sagt Rattmann, also wenn die ersten zehn Gutscheine verkauft sind, zum Beispiel. Der Verkauf läuft freilich weiter, ein Ende ist noch nicht absehbar. Das richtet sich danach, wie lange der Lockdown dauert. Rattmann ist da wenig zuversichtlich, dass die Maßnahmen ein baldiges Ende finden. Der Unternehmer rechnet damit, dass die Faschingszeit noch mitgenommen werden soll.

Jedenfalls hat jeder Bürger die Möglichkeit, "die Gastronomen und Betriebe während der gesamten Zeit der angeordneten Schließung zu unterstützen und die Gutscheine nach Beendigung der Coronakrise einzulösen", stellt Gaby Richter fest. Deren Erwerb sei allerdings nur mit Barzahlung möglich, da die Aktion losgelöst von der Bäckerei läuft. Die Mitarbeiter machen dies ehrenamtlich, das Geld kommt zu einhundert Prozent an, sagt Richter. "Damit wird nichts verdient."

Künstlerin mit Tisch

Während der Bäckereiverkauf im "Handgebäck" weiter erlaubt ist, musste das Café ja schließen, wie alle anderen Lokale auch. Den Platz nutzt Rattmann und gibt einer Herzogenauracher Künstlerin die Gelegenheit, ihre Sachen zu verkaufen. Denn Pavlina Görner-Löw darf derzeit ihr Atelier im Niederndorfer Fasanenweg nicht öffnen. Auf einem Tisch im Café gibt's nun ihre Malerei und Objektkunst.

Zusätzlich können auch Gutscheine für die Herzogenauracher Tafel bezahlt werden, informiert Gaby Richter weiter. Diese werden von der Tafel an die Berechtigten ausgehändigt, die sie dann im "Handgebäck" einlösen können. Und auch die Bäckerei hat einen kleinen Verkaufsstand aufgebaut, mit Weihnachtsplätzchen und Zutaten. Am gestrigen Dienstag wurde noch Peter Gauch erwartet, der das Ambiente weihnachtlich dekorieren sollte. So hat man dann schon fast einen Mini-Weihnachtsmarkt, wie Gaby Richter anmerkte.

Die Organisatoren hoffen darauf, dass wieder ein satter Betrag zusammenkommen kann. Den Geschäften im Frühjahr konnte spürbar geholfen werden. Und auch die jetzt von der Schließung betroffenen Lokale und Betriebe haben ja nicht nur einen Umsatzeinbruch, sondern auch weiterhin Ausgaben. "Die Mieten, Nebenkosten und Gehälter laufen ja weiter", sagt Gaby Richter. Und fügt hinzu: "Wann aber die Hilfen vom Staat eintreffen, und wie diese genau aussehen, das steht noch in den Sternen."

Am heutigen Mittwoch startet die Aktion "Gemeinsam gegen Corona - Hilfe für Herzogenaurach". Initiatorin Gaby Richter appelliert an die Kunden: "Eine Innenstadt ohne diese Geschäfte möchte keiner von uns, deshalb rückt Herzogenaurach, in einer Zeit des Abstands, jetzt enger zusammen und bietet dem Coronavirus die Stirn."

Ideales Geschenk

Dass der Lockdown in die Vorweihnachtszeit fällt, hat in diesem Fall einen positiven Effekt. Die Gutscheine seien auch gute Weihnachtsgeschenke, sagt Elena Frühwald, Geschäftsleiterin im "Handgebäck". Hier ein schönes Essen, da eine Massage und dazu noch ein Kissen von der Künstlerin - da könne man sich ja gleich mehrere Geschenke auf einmal sichern, meint Gaby Richter.