• Unverpacktladen "ZeroHero" in Nürnberg und Erlangen: Kundschaft um Hälfte reduziert
  • Betreiber leiden unter Corona-Pandemie und Homeoffice der Leute
  • Massive Preiserhöhungen belasten zusätzlich
  • Letzte Hoffnung Online-Shop mit "Click-and-Collect"-Angebot

Am 21. September 2017 eröffneten Thomas Linhardt und Arthur Koenig in Nürnberg die erste Filiale ihres Unverpacktladens "ZeroHero". Auf Wunsch der Kundschaft kam am 8. August 2019 ein Ableger nach Erlangen. Zu Beginn stießen die Läden auch auf große Resonanz. Doch die Corona-Pandemie bringe den beiden Betreibern existenzielle Sorgen. "Wir brauchen Kunden und Umsatz, sonst sieht's schlecht aus", sagt Thomas Linhardt im Gespräch mit inFranken.de.

Unverpacktladen "ZeroHero" in Nürnberg: Kunden standen zur Eröffnung Schlange

Dass Nürnberg das umweltfreundliche Einkaufskonzept begrüßte, zeigte sich zur Eröffnung, wie in Franken.de 2017 berichtete. So hätten die Menschen Schlange gestanden, um Tee, Seife, Süßigkeiten, Getreide und Co. von Spendern in mitgebrachte Gefäße zu füllen.

Der Hauptteil des Sortiments sei Bio-zertifiziert, erklärt Linhardt. Zwar kämen die Produkte auch hin und wieder von weiter her, doch man bemühe sich, möglichst regional zu sein. 

"Produkte, die einen geringeren CO2-Ausstoß haben, erhalten bei uns Vorrang", heißt es zusätzlich auf der Webseite. Der Laden in Nürnberg blieb die ersten zweieinhalb Jahre unberührt von Lockdowns und Zugangsbeschränkungen. Dementsprechend gut sei die Anfangszeit gewesen.

Erlangen kommt als Standort hinzu - Corona setzt Erfolgskurs ein Ende

So sei Mut für einen zweiten dagewesen. "Wir hatten uns entschieden, einen Laden in Erlangen zu öffnen, weil Kunden zu uns kamen und sagten: 'Macht doch in Erlangen einen Laden auf.' Nur jetzt kommen leider nicht mehr so viele", schildert der gelernte Werbetechniker. Konkret habe sich die Kundschaft durch die Pandemie um die Hälfte reduziert.

Die Betreiber veröffentlichten daher einen Beitrag auf ihrer Webseite, um auf das Problem aufmerksam zu machen: "Erst haben wir auf das Ende des ersten Lockdowns gehofft. Dann darauf, dass es im Sommer besser wird. Danach auf das Weihnachtsgeschäft, die Neujahrsvorsätze, Lockerungen. Einfach darauf, dass alles wieder besser wird. Doch die Kundschaft blieb aus – und das tut sie bis heute." Viele Studierende hätten bei "ZeroHero" eingekauft, doch durch die Online-Vorlesungen seien weniger von ihnen vor die Tür gegangen.

Linhardt habe oft Kontakt mit seiner Kundschaft. Viele sagten: "'Ich muss ehrlich zugeben, ich komme wegen Corona nicht so oft zu euch. Ich gehe lieber zum Bioladen um die Ecke.‘ Anders als früher machen die Leute seltener Stadtbummel und kaufen nach dem Motto 'Einmal hin, alles drin' alles in ihrer Nähe. Kleine Läden sind die Leidtragenden", fasst Linhardt zusammen.

Online-Shop soll Umsätze bringen

Um dem Problem entgegenzuwirken, sei die Idee entstanden, einen Online-Shop zu eröffnen. "Wir wollen ihn schnellstmöglich starten, damit die Leute die Möglichkeit haben, vom Homeoffice aus online zu bestellen. Darauf setzen wir Hoffnung", so der Hobbykoch.

Zum einen sollten hierbei Stückartikel wie Seife oder Zahnbürsten versendet werden - mit Versandkartons, die die Betreiber seit Monaten sammelten. Zum anderen werde ein "Click-and-Collect"-Service angeboten, womit die Produkte fertig zusammengestellt im Laden abgeholt werden können.

"Wenn der Online-Shop nicht laufen sollte, wollen wir uns in acht Wochen ernsthafte Gedanken machen, ob wir einen oder beide Läden schließen. Bei uns ist es jetzt kurz vor knapp und es sind die letzten Hoffnungen, dass der Aufruf "ZeroHero" bei der Kundschaft noch einmal ins Bewusstsein ruft und sie wieder mehr in den Fachhandel gehen", erklärt Linhardt. Denn in Konkurrenz mit den Supermärkten leide der Fachhandel allgemein. 

Zuspruch von Kundschaft tut gut - Hoffnung für "ZeroHero" noch nicht verloren

Nicht nur die vermehrte Online-Kaufverhalten setze den Betreibern zu. "Gerade gibt es bei unseren Produzenten massive Preiserhöhungen. Durch die Pandemie, Lieferschwierigkeiten und den Krieg kaufen wir die Artikel schon sehr hoch ein. Demnächst müssen wir die Preise nachziehen." So fair es eben ginge.

Was Linhardt und Koenig jetzt am meisten helfe, sei Aufmerksamkeit. "Auch wenn uns schon länger gibt, kennen uns viele noch nicht." Doch der Aufruf habe Wirkung gezeigt, gibt Linhardt zu verstehen: "Wir haben so viel Zuspruch Leuten bekommen, die uns gezeigt haben, dass sie hinter uns stehen. Das hat gut getan. Der Laden in Erlangen war daraufhin auch sehr gut besucht. Das hat uns optimistisch gestimmt, dass es für 'ZeroHero' zusammen mit unserer Kundschaft wieder besser wird."