In Erlangen stieß eine Sammlung für hilfsbedürftige Menschen in der Ukraine Anfang März auf äußerst reges Interesse. Der Ansturm an Spendenwilligen auf das Gelände des Gasthauses "Drei Linden" in der Alterlanger Straße war so riesig, dass das THW kurzerhand sogar zwei weitere Zelten herankarren musste, um die Massen an Hilfsgütern unterzubringen. “Wir hätten selbst nie geglaubt, dass die Spendenaktion so ein Ausmaß annimmt", erklärte Mitorganisatorin Vivien Krapp unlängst. Nun kursieren gleichwohl böse Gerüchte gegen die Organisatoren der Kampagne.

Die ungeheuerliche Unterstellung: Die Ukraine-Helfer sollen statt der Sachspenden angeblich Waffen ins Kriegsgebiet transportiert haben, wie inFranken.de bereits berichtete. "Das ist einfach absurd", betont Falk Stirkat. Der Erlanger Arzt und Autor hat die Spendensammlung in Kooperation mit der Familie Krapp vom Schnitzellokal "Drei Linden" auf die Beine gestellt. "Das ist schon traurig zu hören, was da für Sachen betrieben werden", sagt auch Juniorwirt Marco Krapp. "Uns hat die Aktion eine Woche Arbeit gekostet. Wir haben uns dafür tagelang den Arsch aufgerissen." Unverständnis lösen bei ihm allerdings nicht nur die abstrusen Vorwürfe aus, die derzeit in den sozialen Medien herumgeistern - für Kopfschütteln sorgen auch manche der abgegebenen Sachspenden. 

Erlangen: "Panzerfaust"-Wasserpistole bei Spendensammlung für Ukraine abgegeben

"Was da zum Teil dabei war", berichtet Krapp inFranken.de. "Jemand hat zum Beispiel eine Wasserpistole in Form einer Panzerfaust abgegeben. Das ist echt makaber. Ich weiß nicht, ob man so was in ein Kriegsgebiet schicken muss", gibt der Sohn des "Drei Linden"-Inhabers zu bedenken. "Die Pistole ist gleich in die Restmülltonne geflogen." Allzu viel hätten die teils bis zu 120 Helfer vor Ort allerdings nicht aussortieren können. Der Grund: "Das Meiste war bereits in Säcken und Kisten verpackt", erklärt der fränkische Schnitzelwirt. 

Neben der Wasserpistole in Panzerfaust-Optik lassen auch andere Spendengegenstände an den ernsthaften Absichten mancher Spender berechtigte Zweifel aufkommen. "Unter den Artikeln waren auch Sachen dabei, bei denen man sich fragt: Sagt mal, räumt ihr euren Keller aus?" So sei unter anderem auch eine ausrangierte Haarbürste abgegeben, in der sich noch ganze Haarbüschel der Vorbesitzerin befanden. "Die Bürste war vor lauter Haaren gar nicht zu sehen", sagt Krapp. 

Inwieweit ein angebrochenes Haarfärbemittel oder eine Babytragetasche voller Hundehaare den Hilfsbedürftigen in der Ukraine in ihrer akuten Not helfen soll, ist ebenfalls unklar. "Das ist einfach nicht menschenwürdig, was da teilweise abgegeben wurde", hält der Erlanger Gastronom kopfschüttelnd fest. Eine ältere Frau habe im Wirtshaus sogar angerufen und auf die Haushaltsauflösung ihrer kürzlich verstorbenen Mutter hingewiesen. "Für Sperrmüll sind wir dann aber doch nicht zuständig", betont Krapp energisch. 

"Mit einem Brautkleid kann man den Menschen in der Ukraine nicht helfen"

Auch ein getragenes Brautkleid habe sich unter den Spendengegenständen befunden. "Wir wollen den Leuten dort unten mit Sachen helfen, die für sie sinnvoll und überlebenswichtig sind", stellt Krapp klar. "Mit einem Brautkleid kann man den Menschen in der Ukraine nicht helfen." 

"Dass jemand auf diese Weise seinen Hausrat entsorgt, kommt bei solchen Aktionen wohl leider immer mal vor", konstatiert Falk Stirkat, der Hauptorganisator der Erlanger Spendensammlung. Er berichtet etwa von fragwürdigen Sachspenden wie Dessous, Strapsen, benutzten Unterhosen oder gar Sexspielzeug. Das Fazit des Ukraine-Helfers: "Das ist einfach pietätlos."

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