Erlangen
Versteigerung

Erlangen: Komplett-Versteigerung im Himbeerpalast - Schnäppchen-Jäger aufgepasst!

Weil der alte Himbeerpalast in Erlangen zum neuen Uni-Zentrum umgewandelt werden soll, findet dort derzeit "Deutschlands größte Möbel-Versteigerung" statt. Das komplette Inventar des ehemaligen Siemens-Gebäudes muss raus - vom Bürostuhl bis zum Konzertflügel.
Im Erlanger Himbeerpalast findet derzeit "Deutschlands größte Möbel-Versteigerung" statt. Restlos.com
  • Himbeerpalast in Erlangen mit großer Versteigerung 
  • Komplett-Inventar des ehemaligen Siemens-Gebäudes wird verkauft
  • Angebot ist vielfältig: von höhenverstellbaren Schreibtischen bis hin zu Konzertflügeln
  • Gebote können online abgegeben werden
  • Auktion endet am Samstag (17. Oktober 2020) 

Große Versteigerung im Himbeerpalast in Erlangen: Im ehemaligen Siemens-Gebäude geht es derzeit zu wie im Möbelhaus. "Wir versteigern gerade über 2000 Auktionslose.  Mit 7000 Einzelpositionen veranstalten wir im Himbeerpalast derzeit Deutschlands größte Möbel-Versteigerung", sagt Fabian Altrichter, Chef der Nürnberger Industrieverwertungsgesellschaft "Restlos". Er zeigt auf die vielen Drehstühle, Rollcontainer und Schreibtische, die für die Auktion fein säuberlich in den Zimmern und auf den Fluren aufgereiht sind. 

Himbeerpalast in Erlangen: Auch zwei Konzertflügel werden versteigert

"Bei uns kommen nicht nur kostspielige Konferenztische, sondern auch einfache Büropflanzen unter den Hammer, die normalerweise einfach auf den Müll geworfen werden", erzählt Fabian Altrichter und lobt das gestiegene Umweltbewusstsein. "Es ist einfach schön, dass Unternehmen das alte Inventar heute nicht mehr einfach wegwerfen."

Die besonders wertvollen Teile kommen bei der Versteigerung selbstverständlich ebenfalls unter den Hammer. "Auf der Liste stehen zum Beispiel zwei Konzertflügel", sagt Altrichter und zeigt auf die Auktionsliste. Für den Konzertflügel mit dem wohlklingenden Namen "Grotrian-Steinweg"  gibt es bereits drei Tage vor dem Ende der Auktion am kommenden Samstag (17. Oktober 2020) über 40 Gebote. Das aktuelle Höchstgebot für das Los mit der Nummer 36 liegt bei schlappen 1.350 Euro.

Fast genauso begehrt scheinen die historischen Sitzmöbel von dem bekannten Hersteller Thonet zu sein. Für die edlen Stühle aus Nordhessen geben sich die Online-Bieter im Internet ebenfalls die sprichwörtliche Klinke in die Hand. Aktuell liegen die Preise für zehn Möbelstücke bei vergleichsweise niedrigen 200 Euro. Bis zur Bekanntgabe der Zuschläge am kommenden Samstag werden die Preise für die besonders begehrten Posten wohl noch kräftig in die Höhe steigen. 

Mitarbeiterin Franziska klebt einen Aufkleber auf ein Versteigerungsobjekt.
Restlos.com

Auktion: Hier können Sie mitbieten

Vor allem aber wird Büroeinrichtung und -ausstattung versteigert. Einen Überblick über alle Versteigerungsobjekte können Sie sich im Online-Katalog der zuständigen Versteigerungsfirma Restlos.com verschaffen. Bei den einzelnen Posten können Sie ein Gebot abgeben. Auf der Überblickseite gibt es zudem wichtige Informationen zum Kaufpreis, Abholbedingungen und Abholzeitraum.

Die Versteigerung findet übrigens nur statt, weil Siemens den Himbeerpalast vor zwei Jahren an den Freistaat Bayern verkauft hat. In dem ehemaligen Siemens-Verwaltungsgebäude mit der rötlichen Fassade soll zukünftig das Geisteswissenschaftliche Zentrum der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) entstehen. Nach dem Umbau soll der neue  Himbeerpalast als Seminar- und Bibliotheksgebäude den größten Teil der Institute der Philosophischen Fakultät aufnehmen. Neben einem neuen Sprachenzentrum und einer Cafeteria ist auch noch ein  zentrales Servicezentrum geplant. In dem neuen Uni-Palast mit knapp 30.000 Quadratmeter ist auch noch Platz für die Theologie-Studenten.

Rund 100 Millionen Euro lässt sich Bayern die Sanierung des markanten Gebäudes kosten, das zukünftig für fast 10.000 Studenten und damit für gut ein Viertel aller FAU-Studenten zur akademischen Heimat werden soll.  

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Hintergrund der rosaroten Immobilien-Rochade ist die Entstehung des neuen „Siemens Campus“ im Erlanger Süden. Durch den Bau der neuen Firmenzentrale ist der 1953 eingeweihte Industrie-Palast mit dem früheren Sitz der Siemens-Hauptverwaltung überhaupt erst frei geworden. Ursprünglich sollen bis zu 3500 Mitarbeiter in dem zwischen 1948 und 1953 errichteten Wahrzeichen der Stadt Erlangen gearbeitet haben, das im Jahr 1991 als erstes Gebäude aus der Erlanger Nachkriegszeit überhaupt den Sprung auf die Denkmalliste gemeistert hat. Den lustigen Namen hat der Himbeerpalast freilich eher scherzhaft bekommen. Schließlich versprüht die Industrie-Kathedrale kein Gefühl königlicher Dekadenz, sondern eher den himbeerroten Charme nüchterner Sachlichkeit.