Er war der Usain Bolt der 50-er Jahre und einstmals schnellster Mann der Welt: Heinz Fütterer. Er dominierte damals die Leichtathletik, wurde 1954 Sportler des Jahres und wird heute selbst mit 86 Jahren seinem Spitznamen "Weißer Blitz" noch immer gerecht. Im Vorfeld des 120. Geburtstages des Firmengründers Rudolf Dassler (am kommenden Sonntag) stattete er nun seinem ehemaligen Ausrüster Puma in Herzogenaurach einen Besuch ab. So berichtet Agathe Zakarian in einer Pressemitteilung des Unternehmens.
Puma-Urgestein Helmut Fischer führte die Sportlegende durch die Unternehmenszentrale und den Neubau. Höhepunkt für den ehemaligen Weltklassesprinter war natürlich der Besuch in der Archivwerkstatt des Sportunternehmens. Unter den Exponaten aus den verschiedenen Jahrzehnten konnte Fütterer einige Spikes aus seiner eigenen Zeit als Ausnahmeathlet begutachten.


Ein bisschen Golf gespielt

"Meine Spikes habe ich aber leider nie so sauber gekriegt", sagt er lachend. Im Rahmen eines Zeitzeugeninterviews ließ er dann nochmal seine größten Erfolge und seine enge Bindung zur Marke Revue passieren. Fütterer beweist, dass man sich selbst noch im hohen Alter sehr sportlich sein kann. So ließ es sich der passionierte Golfer nicht nehmen, auf der firmeneigenen Golf-Testfläche verschiedene Schläger zu testen.
Bei einem persönlichen Gespräch zeigte sich Vorstandschef Bjoern Gulden, selbst ehemaliger Profi-Sportler, von der Lebensgeschichte und den zahlreichen Erfolgen Fütterers beeindruckt: Fütterer gewann in seiner Karriere 536 Rennen, davon 150 allein im Jahr 1954. Fütterer war der erste Superstar, den das noch junge Unternehmen Anfang der 50-er Jahre verpflichten konnte. Den Kontakt hatte sein damaliger Trainer hergestellt und wenig später folgte der direkte Austausch zu Firmengründer Rudolf Dassler, der vom Ausnahmetalent des jungen Heinz von Anfang an überzeugt war, wie es in der Pressemitteilung weiter heißt.


Spikes aus Känguruleder

Der damals 19-jährige Junge aus dem baden-württembergischen Dorf Elchesheim-Illingen, der seine ersten Rennschuhe in einer Umtauschzentrale heimlich gegen ein Kleid seiner Schwester getauscht hatte, bekam damals von Rudolf Dassler zwei nagelneue Spikes aus glattem, schwarzem Känguruleder, die ihn noch schneller machten. 1953 sorgte der junge Athlet in Paris für die erste Sensation. Seinen Spitznamen erhielt er, als er gegen vier farbige Athleten über die 60-Meter antrat und den Lauf am Ende gewann.
Die französische Sportzeitung "L'Équipe" berichtete damals: "Der Deutsche zuckte durch die Halle wie der weiße Blitz". Ein Jahr später - nur zwei Wochen nach der legendären Fußball-Weltmeisterschaft 1954 - wurde Fütterer selbst zum "Helden von Bern": Er wurde Doppel-Europameister über 100 und 200 Meter und lief mit 20,9 Sekunden neuen Europarekord. Diese Erfolge verschafften ihm zu seinem eigenen Erstaunen den Titel "Sportler des Jahres 1954" noch vor dem frischgebackenen Fußball-Weltmeister Fritz Walter und Springreiter Hans-Günther Winkler.


Weltrekord gegen Jesse Owens

Zum "schnellsten Mann der Welt" wurde Fütterer im Oktober 1954 im japanischen Yokohama, als er den 100-Meter-Weltrekord des Amerikaners Jesse Owens mit 10,2 Sekunden einstellte. Sein sportliches Vorbild hatte er somit in der Königsdisziplin geschlagen.


Armin war der Pate

Sein ganzes Leben hat der Sprinter der Raubkatze aus Herzogenaurach die Treue gehalten, wird weiter berichtet. Er sah Rudolf Dassler als seinen "väterlichen Freund" an und dessen Sohn Armin wurde sogar Pate seines Sohnes. Nach dem Ende seiner sportlichen Karriere arbeitete er dann 27 Jahre bei Puma, zunächst als Vertriebsmitarbeiter und später im Bereich Sportmarketing Leichtathletik. Umso größer war daher für ihn die Freude, seinen alten Freunden aus Herzogenaurach einen Besuch abzustatten. red