Günter Dippold bringt es in seinem Vorwort zu einem Büchlein von Manfred Welker über Wirtshäuser und Brauereien in Herzogenaurach auf den Punkt: "Trink ich Bier, so verderb ich. Trink ich Wasser, so sterb ich. Ist doch besser, Bier getrunken und zehnmal verdorben, als Wasser getrunken und einmal gestorben." Freilich hat der Bezirksheimatpfleger von Oberfranken das nicht selber erfunden, es handelt sich vielmehr um Verse, die von 1792 aus Bamberg überliefert sind. Jener Stadt, deren Region weltweit die größte Ansammlung an kleinen Brauereien hat. Eine Region, in der Bier "eine große Bedeutung besaß und in verschiedener Hinsicht ein Lebenselexier war".

Aber es passt zu dem, was Manfred Welker in "Gaststätten und Brauereien in Herzogenaurach" zusammengetragen hat. Da geht es um die große Bedeutung des Brauwesens auch an der Aurach, was in der Stadtordnung schon 1382 thematisiert worden ist. Mehrere Brauereien sorgten dafür, "dass in Herzogenaurach der Gerstensaft niemals ausging", schreibt der Kreisheimatpfleger und Historiker. Zudem stellten im Kommunbrauhaus zahlreiche Gastwirtschaften ihr eigenes Bier her. Welker: "Sie zeugen von einer gepflegten Wirtshauskultur."
Die 53 Seiten starke Veröffentlichung gehört zu den Schriften zur Heimatpflege im Landkreis Erlangen-Höchstadt (Band acht) und trägt den Untertitel "Gewerbsrechte für 6 Bierbrauereien, nemlich 1 Commun- und 5 Privat-Brauereien". Unterstützt wurde Welker von Gotthard Lohmaier, der sich mit der Geschichte von Vereins- und Volkshaus beschäftigt hat. Auch dort waren ja Wirtschaften beherbergt, mit Sälen als Versammlungsstätten für die Genossenschaften oder auch die Arbeiter der Schuhfabriken.


Größter Saal: Bayerischer Hof

Die Autoren schwärmen geradezu von den vielfältigen Möglichkeiten der Nahversorgung. Denn viele Wirtshäuser hatten ihre Säle, die vor allem von den Vereinen genutzt wurden. "Die haben das belebt", sagt Welker. "Wenn man heute einen Saal braucht, muss man suchen." Die Säle wurden vielfältig genutzt, vom Faschingsball bis zur politischen Veranstaltung. Lange Zeit befand sich der größte Saal der Stadt im Bayerischen Hof, bis dann ein Kino daraus gemacht wurde.

Wirtshäuser gab es deren viele in der Stadt, oft waren sie aneinander gereiht oder fanden sich gegenüber. Das traf besonders auf die Hauptstraße zu, die ja eine lebhaft genutzte Durchgangsstraße war. Dort waren die so genannten Fuhrmanns-Gaststätten angesiedelt, die genügend Platz hatten für Gäste und Pferdegespanne. Und jede Siedlung hatte ihre eigene Versammlungsstätte, jeder Stadtteil seine Kirchweih. Die Kalchgrüber Kerwa droben beim Gambrinus zum Beispiel, oder auch die Kilianikerwa drunten in der Stadt. "Es war sehr viel lebendiger", berichtet Welker.

Der Autor startet mit einem Ausflug in die Anfänge des Brauwesens in Herzogenaurach und nennt das Bamberger Reinheitsgebot von 1489, das älter ist als das offizielle bayerische. Er geht in die Zeit nach dem 30-jährigen Krieg und untersucht die Bierkeller, bevor er die Struktur des Brauwesens beleuchtet. Alle Informationen sind sind sorgfältig belegt und ergänzt durch persönliche Erinnerungen von Zeitzeugen, wie zum Beispiel von Welkers Vater. Coautor Lohmaier bestätigt: "In diesem Büchlein ist alles selbst erforscht."


Das Kommunbrauhaus vorneweg

So gibt es umfassende Erklärungen zu jeder einzelnen Wirtschaft, die Welker aufzählt. Beginnend mit dem Kommunbrauhaus, das ja die Braustätte vieler Privatbürger war, zieht er von Osten in die Stadt, um die Gastwirtschaften und eigenständigen Brauereien beim Namen zu nennen und alte Ansichten zu zeigen. Der Bayerische Hof als erste Station, von 1875 bis 1922 Gesellschaftslokal der Turnerschaft, und die Brauerei Fröhlich in der Hauptstraße, im Jahr 1750 vom Bäckerhaus in eine Bierbrauerei umgewandelt, als nächste Etappe. 1973 wurde dieses stattliche Fachwerkhaus durch einen Neubau ersetzt.

So geht es weiter durch die Innenstadt: Der Walfisch natürlich, und die berühmten Gasthäuser Schwarzer Bär und Weißes Ross, die Mitte der 60-er Jahre der Sparkasse Platz machten. Es folgen Roter Ochse, Brauerei Glaß, Weißer Hahn, altes Rathaus, die Krone und viele mehr. Wie auch die Brauerei Heller, die noch heute besteht. Und die Brauerei Zimmerer, die später Polster hieß, am westlichen Ende der Hauptstraße. Hierzu schreibt Welker: "Das markante Bauwerk war ein beliebtes Gesellschaftslokal, wozu in besonderem Maße eine eigene Brauerei und die Kegelbahn beitrugen."

Name Gaststätten und Brauereien in Herzogenaurach - Gewerbsrechte für 6 Bierbrauereien, nemlich 1 Commun- und 5 Privat-Brauereien

Verkauf Bücher.Medien & mehr, Ellwanger und Autor (manfredwelker@web.de) für 6,50 Euro



Bildnachweis: Alle historischen Aufnahmen entstammen dem Postkartenbuch des Herzogenauracher Heimatvereins