In diesem Jahr jährte sich die Ankunft der Islandpferde im Biotop südlich von Niederndorf bereits zum zehnten Mal. Die knapp drei Hektar große Fläche südlich von Niederndorf befindet sich im Eigentum der Stadt Herzogenaurach. Bereits 1982 begann die Ortsgruppe Herzogenaurach des Bund Naturschutz mit ersten Pflegeaktivitäten wie der Anlage von Hecken, Obstbäumen und Tümpeln, die seitdem die Lebensraumvielfalt des Biotops prägen. Am gestrigen Sonntag kam die Karawane aus Bräuningshof, angeführt von der Reittherapeutin Sabine Fechtner, dem andalusischen Riesenesel Enrico und vier Pferden in Begleitung am Biotop an.

Elke und Horst Eisenack fieberte der Karawane entgegen, die knapp vier Stunden unterwegs war. Das Ehepaar, das viel Zeit mit der Pflege des Areals verbringt, gehört zu den Initiatoren des Biotops. Seit mehr als 20 Jahren arbeiten Landschaftspflegeverband, Bund Naturschutz und die Stadt Herzogenaurach eng zusammen, um die wertvollen Lebensräume für Tiere und Pflanzen in der landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaft des südlichen Landkreises zu erhalten. Zumeist sind es Landwirte, die mit ihren Maschinen die Wiesen mähen oder die Sträucher von Hand zurückschneiden und so ein Zuwachsen der offenen Grünlandflächen durch Hochstauden und Gehölz verhindern.

Zahlreiche Biotope sind gefährdet

Zahlreiche naturnahe Biotope in unserer Landschaft sind in ihrem Bestand gefährdet. Sie werden zum Beispiel durch Überbauung, Entwässerung, Nutzungsintensivierung oder Nährstoffeintrag durch Düngung verändert oder zerstört. Insbesondere bei Biotopen, die auf nährstoffarme Standorte angewiesen sind, ist seit Jahrzehnten ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Dazu gehören etwa Magerwiesen und Heidelandschaften. Auch naturnahe strukturreiche Waldbestände, die nicht einer intensiven forstlichen Nutzung unterliegen, werden immer seltener.

Bei der Pflege von Kulturlandschaften, aber auch für die Entwicklung von Wildnis können große Weidetiere wirksam helfen. Besonders auf großen Flächen lassen sich damit effizient und nachhaltig Naturschutzziele erreichen. So hat sich auch das Biotop bei Niederndorf über die Jahre hinweg zu einem einzigartigen Biotop mit einer reichen Tier- und Pflanzenwelt entwickelt. Dazu haben auch die Pferde beigetragen, die das Gelände beweiden und so dafür sorgen, dass die Offenlandflächen nicht überwuchert werden.

So wird auch der Einsatz von vierbeinigen Landschaftspflegern (Rinder, Pferde, Schafe oder Ziegen) auch von der Bevölkerung positiv gesehen. Haustiere sind seit jeher ein wichtiger Bestandteil unserer Kulturlandschaft: sie erzeugen einerseits den nötigen Beweidungsdruck, um eine Verbuschung der Flächen zu verhindern und schaffen andererseits ein Mosaik aus unterschiedlichen Wuchshöhen und Wachstumsbedingungen für Pflanzen. Deshalb sind sie gerade für den Einsatz auf ökologisch wertvollen Offenland-Biotopen geeignet und beeinflussen die Artenvielfalt positiv.

Pferde pflegen Natur

So gelang es dem Bund Naturschutz für das Biotop bei Niederndorf, geeignete Pferdehalter zu finden und sie mit der Zeit immer mehr für das Projekt zu begeistern. Die Größe der Fläche, die geschützte Lage sowie ihre Ausstattung mit Wasserversorgung und Unterstellmöglichkeiten waren neben der kräuterreichen Vegetation die Gründe, warum die Pferdebesitzer schließlich einwilligten, ihre Tiere in das Biotop einzustellen. Islandpferde sind im Speziellen dafür bekannt, dass sie im Gegensatz zu anderen Pferderassen neben Land-Reitgras oder Pfeifengras auch Sauergräser und Binsen fressen. Mit ihren Hufen tragen Pferde außerdem dazu bei, verfilzte Grasnarben aufzureißen und offene Bodenstellen für Pionierpflanzen zu schaffen.

Finazielle Unterstützung

Der Dank des BN und insbesondere der Ortsgruppe Herzogenaurach gilt deshalb neben allen Projektbeteiligten, vor allem der Regierung von Mittelfranken sowie dem Bezirk Mittelfranken, die dem Vorhaben von Anfang an aufgeschlossen waren und es - auf Antrag des Landschaftspflegeverbandes - als kreisweites Modellprojekt mit Fördermitteln unterstützten.

Fachlich und finanziell wurde die Ortsgruppe über Jahre durch den Landschaftspflegeverband Mittelfranken unterstützt, der über ein Förderprogramm des Bayerischen Umweltministeriums Fördermittel beantragte. Die praktischen Pflegearbeiten wurden zum Teil von BN-Aktiven, zum Teil von Landwirten ausgeführt, die die befahrbaren Flächen bearbeiteten.