Es war ein gutes Storchenjahr für Herzogenaurach. Dieses Fazit zieht, da die Störche sich aufmachen, ins Winterquartier zu fliegen oder bereits unterwegs sind, die städtische Umweltbeauftragte Monika Preinl. Knapp 50 Exemplare dieser geschützten Großvögel haben sich in den vergangenen Monaten in der Stadt aufgehalten. Deutlich mehr als in den vergangenen Jahren.

Zehn Paare haben sich niedergelassen. Sie nahmen entweder einen der bekannten Horste oder wählten sich neue Standorte aus. Die von der Stadt extra montierten Nester auf dem Dach der Carl-Platz-Schule wurden jedoch nicht angenommen. Hingegen ließ sich der Schlossstorch auch dieses Jahr nicht vertreiben - allem Lärm und den Beschwerlichkeiten der Großbaustelle Rathausneubau zum Trotz.

Zehn Paare versuchten zu brüten, acht von ihnen gelang das auch. Sie haben Jungen großgezogen, zwischen zwei und fünf pro Wurf. Die zahlenmäßig stärkste Kinderstube brachte der Horst auf dem Kamin der ehemaligen Tuchfabrik Wirth an der Schütt hervor. Hier erblickten fünf Junge das Licht der Welt und wuchsen zu gesunden Störchen auf.

Toter Storch im Garten

Allerdings ist von diesem Standort auch der einzige schwerwiegende Zwischenfall zu vermelden: Eines Tages lag ein toter Storch im Anwesen der Familie Wirth. Es handelte sich offenbar um das männliche Alttier. Die Stadt hat den Vogel dann an das Veterinäramt Erlangen weitergeleitet, das das Tier auf Seuchenverdacht untersuchen ließ. "Bei dem tot aufgefundenen Storch in Herzogenaurach waren keine Hinweise auf einen Unfall als Todesursache erkennbar", wurde vom Landratsamt mitgeteilt. Das Veterinäramt hatte die Untersuchung des Tierkörpers am Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) veranlasst, um eine anzeigepflichtige Tierseuche auszuschließen, wie zum Beispiel die Aviäre Influenza (Geflügelpest). "Erfreulicherweise liegt zwischenzeitlich ein negativer Befund vom LGL vor", hieß es wenige Tage nach dem Zwischenfall.

Vor knapp zwei Wochen gab es, wie Monika Preinl mitteilte, einen weiteren Zwischenfall. Dieser fand ein Happy End. Ein junger Storch schaffte es offenbar nicht, von seinem Platz nahe der Steinernen Brücke am Erdboden zu starten. Er wurde von einem Auto erfasst. Monika Preinl begleitete das verletzte Jungtier gemeinsam mit dem Bauhof in den Tiergarten nach Nürnberg. Dort wird Adebar junior derzeit aufgepäppelt.

Jungstorch wurde beringt

Er hatte sich nur leicht verletzt. "Die haben ihn sogar geröntgt", erinnert sich Preinl. Nach dem Winter soll der junge Storch in eine Auswilderungsstation bei Schwaig gebracht werden.

Gut vorstellbar, dass er dann wieder nach Herzogenaurach fliegen wird, vielleicht ja sogar als einer der frühesten Gäste des kommenden Jahres. Das Tier wurde beringt, so dass man das nachvollziehen könnte.

Nach und nach machen sich die Störche seit einiger Zeit gen Süden auf, in die Winterquartiere nach Afrika oder Spanien. Zuerst fliegen die Jungstörche weg, später folgen die Alten. Sofern sie nicht sogar hier überwintern.

Der Horst auf dem Wirth-Kamin ist leerer geworden, die drei Jungen sind schon weg. Doch zwei Altstörche tummeln sich dort noch ab und an, sagt Ulrich Wirth. Nach dem Tod von Meister Adebar senior ist die Mutter von mehreren Männchen umworben worden, berichtet Wirth. Es seien so viele Federn geflogen, dass sich ein Häuptling einen Schmuck hätte daraus basteln können, schmunzelt er. Ein Kavalier hat sich offenbar durchgesetzt. Man wird im kommenden Frühjahr sehen, welchen Partner die Dame Storch mitbringt.