Vier Wochen ist es her, dass der Himmel seine Schleusen öffnete und ein Wolkenbruch über Herzogenaurach niederging. Vor allem die Innenstadt war an besagtem 11. August betroffen, mehrere Straßen standen unter Wasser. Wie zum Beispiel an der Schütt, die sich in einen kleinen Fluss verwandelte. Noch kräftiger wütete der Starkregen in der Flughafenstraße, hier schoss das Wasser den Berg hinab.

Eine gute halbe Stunde hat's gedauert, irgendwann ab halb sechs Uhr abends. Um 18.12 Uhr war der ganze Spuk vorbei. Aber noch nicht für die Feuerwehr und weitere Helfer - 132 Einsätze wurden protokolliert. Bis in die Nacht arbeiteten 150 Aktive aus 20 freiwilligen Feuerwehren und das Technische Hilfswerk.

So schnell der Spuk begonnen hatte, so schnell war er vorbei. Im Rathaus hat man das Jahrhundertereignis auf- und ein paar Schreiben von Bewohnern abgearbeitet. Relativ wenige sind es gewesen, sagte Bauamtsleiterin Silke Stadter, nur eine Handvoll. Hinzu kamen ein paar mehr Telefonate.

Von den einen wurde die Stadt verantwortlich gemacht, dass die Keller vollliefen. Andere wiederum waren angesichts der gewaltigen Naturkräfte eher hilflos. "Sind denn die Kanäle wirklich groß genug?", lautete eine wiederholt gestellte besorgte Frage.

Sie sind es. Amtsleiterin Stadter gibt, gemeinsam mit ihren technischen Angestellten Johann Geinzer und Markus Himmler Auskunft. Auch wenn das am Tag des Unwetters keiner so recht glauben mochte: "Unsere Kanäle sind vorbildlich", sagt Silke Stadter. Die Stadt habe alle Vorgaben des Generalentwässerungsplans erfüllt. Andere Gemeinden seien da viele Jahre hinterher. Auf ein funktionierendes Kanalsystem mit entsprechend viel und großen Stauräumen hatte schon Stadters Vorgänger Gerhard Merkel größten Wert gelegt.

Die in Betrieb befindlichen Anlagegüter kosteten zusammengerechnet 105 Millionen Euro, sagt der kaufmännische Leiter der Stadtentwässerung, Sören Bischof. Dazu zählen alle Kanäle und die Kläranlage, aber auch Regenüberlaufbecken, Pumpwerke und Schächte. Der Zeitwert liegt noch viel höher.

"Der Stauraum ist wichtig", sagen die Techniker. 60 Sonderbauwerke hat die Stadt errichtet, dazu kommen 5500 Schächte. Geräumige Regenüberlaufbecken, entweder als unterirdische Bauwerke oder als Becken in der Natur, gehören dazu. Eines der größten liegt unterhalb der Grünanlage am Postplatz. Mit einem Volumen von 1039 Kubikmetern ist es so groß wie eine kleine Halle. Noch geräumiger ist das Becken bei Schaeffler - Ebenfalls unter der Erde gelegen, fasst es 1500 Kubikmeter. Damit hat es locker die Größe eines 50-Meter-Schwimmbeckens.

"Da hast du keine Chance mehr"

Und weshalb standen die Straßen dann an diesem 11. August trotzdem unter Wasser? In der Flughafenstraße waren es bestimmt 14 Zentimeter, berichtet Johann Geinzer. Fast dreieinhalb Jahrzehnte ist er schon in Diensten der Stadt, doch "so etwas habe ich noch nie gesehen". Innerhalb dieser halben Stunde schüttete es etwa 50 Liter auf den Quadratmeter. Zum Vergleich: Kürzlich hat es an einem Sonntag den ganzen Tag ununterbrochen geregnet. Da kamen gut 30 Liter zusammen, allerdings auf die lange Zeit verteilt. "Das hat der Kanal problemlos geschafft", sagt Geinzer. Das so genannte einjährige Regenereignis liegt bei 30 Litern in 18 Stunden - kein Problem.

Aber 50 Liter in 30 bis 40 Minuten sind eine ganz andere Größenordnung. "Da hast du keine Chance mehr", sagen Geinzer und Himmler unisono. "Das Wasser sucht sich seinen Weg." Man bräuchte da schon unterirdische Flüsse, um die Wassermassen aufnehmen zu können. Wobei auch diese dann nichts nutzen würden, da die Sinkkästen hoffnungslos überfordert sind. Das Wasser schießt, wie es vor vier Wochen gewesen ist, einfach drüber hinweg.

Einer, der die Hochwasser der letzten Jahrzehnte kennt und schon manche erlebt hat, ist Ulrich Wirth aus der Schütt. Nicht immer war der Starkregen die Ursache, oft trat in der Vergangenheit auch die Aurach über die Ufer. Markierungen an seinem Gebäude erinnern an diese Ereignisse. Die größte Flut war im Juli 1941.

Auch Wirth weiß natürlich, dass bei solchen Wolkenbrüchen wie jetzt am 11. August 2020 der Kanal überlastet ist. "Keine Kanalisation kann so einen Starkregen bewältigen", sagt er. Dennoch kritisiert er die Aussage von Bürgermeister German Hacker zwei Tage nach der Flut im FT, dass das Entwässerungssystem gut funktioniert habe. "Das kann es gar nicht", meint Wirth. Geärgert hat er sich auch. Und zwar darüber, dass man nicht die Straße gesperrt habe. Da seien manche Autofahrer aus Spaß an der Freude durchgerauscht. Wäre das nicht gewesen, "wäre wohl kein Tropfen Wasser ins Haus gelaufen."

Die Experten im Rathaus verweisen noch auf einen anderen wichtigen Punkt. Wenn Keller volllaufen, seien oftmals die Bürger selbst mit verantwortlich. Denn es gebe die Pflicht, einen entsprechenden Rückstauschutz vorzusehen. Manchmal sei der nicht ausreichend ausgelegt. Da könne man aber gut nachrüsten, sagt Himmler. Die Installationsfirmen kennen sich da aus.