Um die Schule, das Schloss oder das Rathaus zu heizen, setzt Adelsdorf schon länger auf Nahwärme. Nun soll das Nahwärmenetz in der Gemeinde ausgeweitet werden. Im März hat die Firma Naturstrom deshalb einen zweiten Infoabend abgehalten. Ende April wird sich entscheiden, wie es mit dem Vorhaben weitergeht, berichtet Wolfgang Mößlein, geschäftsleitender Beamter im Rathaus Adelsdorf.

Im Adelsdorfer Oberdorf, das die Bahnhofstraße und das gesamte Gebiet östlich davon umfasst, stehen Tiefbauarbeiten in den Straßen an. Die Arbeiten sind laut Mößlein in acht Bauabschnitte über acht Jahre verteilt. "Wenn die Straßen ohnehin aufgegraben sind, könnten Nahwärmeleitungen gleichzeitig mitverlegt werden", sagt Mößlein.

Doch zuerst einmal muss geprüft werden, ob bei den Bürgern überhaupt Interesse für ein Nahwärmenetz besteht, erklärt Tobias Huter, Projektentwickler Kommunale Energiekonzepte bei der Firma Naturstrom. Um das Interesse der Adelsdorfer abzufragen, können die Bürger bis zum 30. April einen unverbindlichen Fragebogen zum Energiebedarf der Haushalte abgeben. Anschließend werden die Fragebögen ausgewertet und gemeinsam mit der Gemeinde Adelsdorf über die weitere Planung entschieden.


20 Fragebögen nach erstem Infoabend abgegeben

"Wir können Ende April sagen, wie groß das Interesse am Nahwärmenetz ist, um weiter zu planen", sagt Huter. Nach dem ersten Informationsabend im Juli seien rund 20 Fragebögen zusammengekommen. Nach dem zweiten Abend vor wenigen Wochen noch einige weitere. Eine bestimmte Anzahl, die erreicht werden muss, habe man sich nicht gesteckt. Huter betont jedoch: "Nur für eine Straße wäre es schwierig zu realisieren."

In Adelsdorf will man sich nicht an einer bestimmten Anzahl orientieren. Ob das Vorhaben realisierbar ist, könne nicht allein an der Anzahl der Haushalte, sondern an der benötigten Energiemenge gemessen werden, erklärt Wolfgang Mößlein. Das Manko: In dem Gebiet, in dem das potenzielle Nahwärmenetz verlegt werden soll, steht bis jetzt kein Gebäude mit sehr hohem Energiebedarf, wie beispielsweise eine Schule. "Dem Nahwärmenetz fehlt ein großer Verbraucher", erklärt Mößlein. Einen solchen, sogar mehrere, gibt es im bestehenden Nahwärmenetz.


Bestehende Netz erweitern

In Adelsdorf wird bis jetzt unter anderem das Rathaus, die Schule, die Aischgrundhalle, das Schloss und eine Apotheke von Nahwärme versorgt. "Dass die Versorgung gut funktioniert, zeigt unser bestehendes Adelsdorfer Nahwärmenetz", betonte Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) während der zweiten Veranstaltung in der Aischgrundhalle.

Die Energie Gesellschaft Adelsdorf ist der Betreiber des bisherigen Nahwärmenetzes. Dieses bestehende Netz könnte mit dem neuen Nahwärmenetz erweitert werden, berichtet Wolfgang Mößlein. Ob die Hackschnitzelanlage ausgebaut wird oder später einmal eine zweite Energiezentrale dazu kommt, wird sich erst später zeigen. "Das ökonomische Risiko ist geringer, wenn die bisherige Heizzentrale genutzt wird", sagt der Geschäftsführer. Er rechnet für das neue Netz mit Investitionen im sieben-stelligen Bereich.


Strabs macht Probleme

Wie Wolfgang Mößlein berichtet, war ursprünglich geplant, mit den Kanalarbeiten ab 2019 zu Beginnen. Voraussichtlich könne dies aber erst ab 2020 in Angriff genommen werden. Das Problem sei die aktuelle Debatte um die Straßenausbaubeitragssatzung, kurz Strabs. Solange dies nicht geklärt ist, werde sich auch die Kanalsanierung verzögern, vermutet Mößlein. Und damit verbunden vielleicht auch das Nahwärmenetz, das erweitert werden soll.

Nahwärmeversorgung durch erneuerbare Energien
Nahwärme Der Begriff Nahwärme bezeichnet die Wärmeversorgung eines kleineren Gebiets durch eine Energiezentrale, die sich in der Nähe der angeschlossenen Haushalte befindet. Mit Hilfe von Wärmeerzeugern (zum Beispiel einer Hackschnitzelheizung) auf Basis Erneuerbarer Energien wird Wasser erwärmt und über ein verzweigtes Rohrleitungsnetz - das Nahwärmenetz - zu den Wärmeabnehmerinnen und -abnehmern transportiert.
Beispiel Seit Ende 2016 versorgt Naturstrom in Hallerndorf das Bestandsgebiet und ein Neubaugebiet mit regenerativer
Nahwärme mit Hilfe von Pellets, Holzhackschnitzeln und einer Solarthermieanlage. red