Die grünen Schiebeläden leuchten schon von weitem von der weißen Hausfassade des neuen BRK-Wohnheims Etzelskirchen entgegen. Die moderne Architektur des Gebäudes, vom Herzogenauracher Architekten Stefan Quandt mit zehn Wohneinheiten konzipiert, fügt sich harmonisch in die Landschaft der Umgebung ein. Am Stadtrand von Höchstadt entstand diesmal jedoch kein normales Mehrfamilienhaus, sondern ein zukunftsweisendes Projekt. Ein eigenes Wohnheim für angehende Pflegekräfte des Seniorenheims in der Ezzilostraße.

"Vom ersten Spatenstich bis zur heutigen Einweihung hat es weniger als ein Jahr gebraucht", berichtet stolz Hans-Peter Lechner von der VR-Bank Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach. Der Vorsitzende des BRK-Kreisverbandes Erlangen-Höchstadt und CSU-Bundestagsabgeordnete Stefan Müller betonte in seiner Begrüßungsrede, dass es sich hier um ein Vorzeigeobjekt besonderer Art handele. Es genüge nicht, neue Pflegeheime zu errichten, wenn Pflegekräfte nicht in ausreichender Anzahl zur Verfügung stehen. "Durch die zunehmend ältere Bevölkerung müssen wir heute in die Zukunft investieren. Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum, damit wir vor allem jungen Menschen, die häufig aus ärmeren Gegenden Europas und Afrikas kommen, eine langfristige Perspektive zum Bleiben bieten können, wenn sie sich für den Pflegeberuf entscheiden."

Im Anschluss an die bewegenden Worte des evangelischen Pfarrers Hans-Friedrich Schäfer erhielt das neue Wohnheim auf der Dachterrasse des Gebäudes, vor der herbstlichen Kulisse des nahen Waldes, den Segen von Pfarrer Kilian Kammer erteilt.

Bürgermeister Gerald Brehm (JL), der im April 2019 unbürokratisch und schnell auf das Ansinnen des BRK-Kreisverbandes eingegangen war, ein Heim dieser Art zu bauen, lobte in seiner Rede die gute Zusammenarbeit mit allen am Projekt beteiligten. "Wir haben hier eine Möglichkeit erhalten, einen der wichtigsten Berufe überhaupt, den Pflegeberuf, zu würdigen." An die beiden anwesenden Pflegekräfte gerichtet, betonte er: "Wir hoffen, ein kleines Stück dazu beitragen zu können, dass ihr euch bei uns wohlfühlen werdet."

Kurze Wege, günstige Miete

Ayla B. aus Bosnien und Marko R. aus Kroatien konnten bereits Mitte September eine der zehn Wohnungen beziehen und teilen sich eine möblierte Einheit aus drei Zimmern mit Küchen-/ Aufenthaltsbereich und Bad. "Wir haben jetzt kurze Wege zur Arbeit in das nahe gelegene BRK-Pflegeheim und benötigen kein Auto", freut sich Ayla. Eine Wohnung in der WG kostet neun Euro pro Quadratmeter, und das sei in der Gegend ein besonderes Angebot.

Preiswerte Wohnungen liegen häufig nicht an den Hauptrouten des öffentlichen Nahverkehrs, und das sei besonders im Zwei-Schicht-System ein Problem, erklärten Beate Ulonska, BRK-Kreisgeschäftsführerin, und ihr Stellvertreter Jan Pyschny. Das Hauptproblem liege darin, ausreichend Pflegekräfte für Etzels-kirchen zu gewinnen. Lehrlinge erhalten bereits im ersten Jahr ihrer dreijährigen Ausbildung 1200 Euro Ausbildungsvergütung. Aber ohne verfügbare Wohnungen gäbe es trotz der 2000-Euro-Willkommensprämie und der Anhebung der Gehälter im Pflegeberuf nur wenig Nachfrage.

Eine Dachterrasse für alle

Ulonska bedankte sich beim Bürgermeister für die schnelle Verwirklichung ihrer Idee. "Trotz schwieriger Phasen und Corona sind alle am Projekt beteiligten gesund geblieben." Sie wünschte den neuen Bewohnern einen angenehmen Aufenthalt im Wohnheim, auch wenn die Wohneinheiten keinen eigenen Balkon besitzen. Von der gemeinsam nutzbaren Dachterrasse aus habe man einen wunderbaren Blick in die Natur des Aischgrundes. Bis Ende Februar sollen alle zehn Wohneinheiten bezogen werden.