Nach dem Feierabend ein kühles Radler zur Erfrischung trinken oder am Wochenende auf der Grillparty mit Freunden anstoßen: Zur Zeit trinken die Verbraucher so viel Bier, dass manchen Brauereien die Bierkästen samt Pfandflaschen ausgehen.

Neben Hitze und längst verpuffter WM-Stimmung kommt auf die Höchstadter Brauereien noch eine Reihe an Festen zu, die sie versorgen wollen. "Man merkt auch, dass privat mehr gekauft wird", sagt Michael Ackermann, Geschäftsführer des Brauhaus Höchstadt.

Beim Brauhaus muss man sich um knappes Leergut noch keine Sorgen machen, sagt Ackermann. Erst im Januar habe er 3000 neue Kisten gekauft und einige alte entsorgt. Zwischen 25 000 und 30 000 Kisten sind beim Brauhaus im Umlauf.

Zur Zeit fülle man täglich kleinere Mengen ab, damit sich erst gar nicht so viel Leergut ansammelt, sagt Ackermann. Gerade kleinere Brauereien seien flexibler, können ihre Produkte nach Bedarf abfüllen und so besser mit dem Leergut haushalten. Bei den großen Brauereien sei dies nicht so leicht möglich.

Dennoch appelliert der Braumeister an die Kunden, Leergut schnellstmöglich zurückzubringen. Wenn beispielsweise drei Kästen gekauft werden, könne man zwei leere schon abgeben, während die Flaschen im vollen Kasten noch getrunken werden.


Geld in Leergut investieren

Bei der Neuhauser Brauerei Löwenbräu sei es bis jetzt noch nicht zu Engpässen mit Leergut gekommen, sagt Benno Wirth, Inhaber der Löwenbräu. Man habe gut vorgesorgt und Geld in Leergut investiert. "Man muss abschätzen können, was man braucht und das einkalkulieren", sagt der Braumeister. Rund tausend Kästen habe er im Moment noch auf Lager, die aber bald zum Einsatz kommen.

"Leergut ist immer ein schwieriges Thema, vor allem bei dieser extremen Hitze", sagt Timo Baier von der Brauerei Friedel in Zentbechhofen. Regelmäßig kaufe man Leergut dazu. Rund 15 000 Kästen der Brauerei gebe es.


Pfand ist zu niedrig

Bei einem sind sich alle Brauer einig: Das Pfand muss erhöht werden. Nur so können die Kunden dazu bewegt werden, ihr Leergut auch wieder abzugeben. Das findet auch Joachim Lehmann, Senior-Geschäftsführer bei Frör Kunststofftechnik in Erlangen.

Von der Firma Frör beziehen unter anderem das Brauhaus Höchstadt und Löwenbräu in Neuhaus ihre Kästen. Im Unternehmen hat man sich auf die enorme Anfrage der Brauereien eingestellt, es wird auf Hochtouren gearbeitet. "Es zeigt sich schon seit über einem halben Jahr, dass die Brauereien mehr kaufen", sagt Lehmann.

Lehmann nennt noch einen Grund, der für das knappe Leergut verantwortlich ist: Viele große Einkaufsmärkte würden Getränkekisten aller Brauereien annehmen. Auch solche, die sie gar nicht selbst im Sortiment haben. Von dort kämen viele Kisten nicht wieder zu den Brauereien zurück. "Der Kasten ist dafür konzipiert, dass er zu den Brauereien zurück kommt", sagt der Geschäftsführer.

Für die Kunden solcher großen Märkte sei das ein Service. Eine Flasche, die sie im Urlaub in Hamburg gekauft haben, können sie zuhause wieder abgeben. Die Märkte selbst würden damit keinen Gewinn machen. "Der Brauer ist letztlich derjenige, der auf den Kosten sitzen bleibt", sagt Lehmann.

Massig von Leergut umgeben ist Armin Dittrich, Marktleiter des Getränkemarkts Kistner in Höchstadt. In seinem Getränkemarkt nehmen die Mitarbeiter nur die Getränkekisten an, die dort auch verkauft werden.Noch habe man mit fehlendem Leergut keine Probleme.

"Jetzt wird mehr gekauft als abgegeben, weil die Leute bei dem Wetter auf Vorrat kaufen", sagt Dittrich. Sonst seien die Mengen von gekauften und abgegeben Kästen ungefähr gleich. Ungefähr 13 000 Kisten Leergut kommen bei dem Getränkemarkt in einer Woche zusammen.


Das Pfandsystem

Bier Der typische Bierkasten, in den 20 Flaschen passen, kostet 3,10 Euro Pfand. Ein Kasten mit 20 Bügelflaschen kostet 4,50 Euro Pfand. Eine Flasche kostet acht Cent Pfand, mit Bügelverschluss 15 Cent.

Ausnahmen Manche kleinere Brauereien erheben für ihr Leergut andere Pfandbeträge. fr