Selbstbewusst fährt Tanja Gumbrecht das Löschfahrzeug vom Feuerwehrhaus zur nächsten Kreuzung in der Ortsmitte. Christine Stumpf stellt das Warnschild an den Straßenrand. Sechs Mitglieder der Bucher Feuerwehrdamen sind heute gekommen zur Übung: "Brand eines Nebengebäudes". Sie arbeiten Hand in Hand. Sie üben.
"Der Ernstfall ist nochmal was anderes", sagt Christine Stumpf. Vor wenigen Wochen war es bei ihr das erste Mal: In Gremsdorf hatte am Vormittag ein Auto Feuer gefangen. "Du hörst die Sirene, siehst dich kurz um und denkst: Im Moment gibt es nichts Wichtigeres als den Einsatz. Jetzt bist du gefordert." Schnell machte sie sich an jenem Vormittag auf den Weg zum Feuerwehrhaus. "Der Wagen war schon fast voll, gerade noch ein Platz war für mich frei, und da bin ich eingestiegen."

Mit ihrer Aufregung war sie nicht allein, erinnert sie sich. "Die anderen Feuerwehrleute in dem Fahrzeug waren auch aufgeregt, das konnte man spüren. Aber bestimmt nicht so sehr wie ich." Die Männer im Auto redeten während der kurzen Fahrt auf Christine ein: "Wir sagen dir schon, was du machen musst." Das sei sehr beruhigend für sie gewesen - "zu wissen, dass man nicht alleine dasteht".

"Saugleitung kuppeln!" Thomas Ruhmann ist der Kommandant der Bucher Feuerwehr. Er leitet die Frauengruppe - sie besteht aus elf Mitgliedern - bei der Übung an. Schnell bringen die Damen die Schlauchstücke aus dem Feuerwehrauto. Auf dem Boden drehen sie Stück um Stück ineinander.


Seit einem Jahr dabei



Christine Stumpf, Tanja Gumbrecht und Bettina Schierreich sind seit rund einem Jahr bei der Feuerwehr aktiv. Zuvor haben sie bei geselligen Anlässen geholfen, beim Johannisfeuer zum Beispiel. Bettina ging es bei ihrem ersten Einsatz ähnlich wie Christine: "Da rutscht dir das Herz in die Hose", weiß sie noch. Obwohl die Aufregung gar nicht nötig gewesen wäre. Denn bei ihrem "ersten Mal" war es eine Gemeinschaftsübung mit anderen Wehren, die aber nicht als solche angekündigt war, sondern als richtiger Einsatz. Tanja Gumbrecht hat noch keine Erfahrung im Ernstfall. Wenn sie daran denkt, wird ihr mulmig zumute: "Ich hab' echt Angst davor", sagt sie. Und fügt hinzu, dass es nicht die Ölspur ist, die ihr Sorgen macht. Vielmehr stellt sie sich vor, dass sie Menschen, vielleicht schwerst verletzt und in größter Not, antreffen könnte.

"Saugleitung hoch!" Thomas Ruhmann gibt seinen Damen die nächste Anweisung. Die Saugleitung mit den drei C-Rohren steht. Einmal im Monat trifft sich die Gruppe zur Übung. Ruhmann ist stolz auf die Feuerwehrdamen. Nicht nur, weil es so viele sind, sondern weil sie bei Einsätzen tagsüber die Feuerwehrmänner ersetzen, die berufsbedingt nicht vor Ort sein können. Christian Kasper, damals Gruppenführer, hat die Damengruppe 1999 unter der Amtszeit von Kommandant Heribert Hahn gegründet. Insgesamt hat die Bucher Wehr 54 Aktive, neben den elf Frauen sind auch noch drei Feuerwehr-Anwärter - sie sind zwischen 14 und 18 Jahren alt - mitgezählt. Ruhmann ist seit 22 Jahren Feuerwehrmann. "Aufregung ist im Ernstfall immer dabei", weiß er aus eigener Erfahrung.

Monika Pfann ist schon seit der Gründung in der Damengruppe. Monikas Motivation ist einfach: die Gemeinschaft und das Helfen. Sie erinnert sich: "Mein erster Einsatz war ein Fehlalarm - und der hat mich viel Überwindung gekostet. Aber danach wurde es besser." Hauptsächlich zur Beseitigung von Ölspuren ist Monika bislang ausgerückt. "Saugleitung zu Wasser!" Thomas Ruhmann gibt die letzte Anweisung zum Aufbau der Saugleitung. Zum Glück ist es nur eine Übung.