Sarah Hübner und Stephanie Christian schauen sich streng in der großen Spiegelwand an, während sie ihre Beine anheben und wieder senken. Ihre Rücken sind durchgestreckt, die Finger gespitzt. An einem Barren wärmen sie sich für ihren Ballettunterricht in der Ballettschule Höps-Reuter auf.

Mit sieben Jahren hat Sarah das Tanzen für sich entdeckt, Stephanie tanzt seit sie fünf Jahre ist. Einen anderen Sport zu betreiben, können sich die Mädchen nicht vorstellen, auch keine andere Tanzart. Den beiden gefällt vor allem die Disziplin, die beim Balletttanzen dazu gehört. "Man hat immer den Drang, besser zu werden", findet Stephanie. Bei anderen Tanzarten sei man in den Bewegungen viel freier. "Beim Ballett muss alles perfekt aussehen", sagt Sarah mit strahlenden Augen.


Bis zu vier Mal Training pro Woche

Zwei Mal in der Woche trainiert Stephanie in der Ballettschule in Höchstadt. Samstags fährt sie zusätzlich nach Fürth zum Jugendtanzensemble "Tanzerei". Sarah investiert ebenfalls viel Zeit in den Ballettsport, der mittlerweile mehr als ein Hobby ist. Bis zu vier Mal in der Woche trainiert sie dafür.

Sarah möchte ihre Leidenschaft zu ihrem Lebensinhalt machen. Deshalb hat sie sich für die Staatliche Akademie des Tanzes in Mannheim beworben - und das schwierige Auswahlverfahren geschafft. Ab dem nächsten Schuljahr wird sie für die sogenannten "Vorstudiumjahre" in Mannheim bei einer Gastfamilie leben und dort zur Schule gehen. Nachmittags steht dann Ballettunterricht in der Akademie an.

Für die junge Etzelskirchenerin ist das ein großer Schritt. "Ich habe bestimmt Heimweh. Aber ich will das unbedingt", sagt die 14-Jährige entschlossen. Für ihre Zukunft hat sie eine genaue Vorstellung: Tanzen gehört auf jeden Fall dazu. Nach dem Abitur kann sie an der Akademie noch ein Bachelor- und Masterstudium absolvieren.

Auch für Stephanie steht fest, dass Tanzen immer zu ihrem Leben gehören wird. "Wenn ich länger nicht getanzt habe, werde ich unruhig und muss mich bewegen", erklärt die Schülerin. Vielleicht will sie ihre Leidenschaft einmal zu ihrem Beruf machen.


Lernen auf den Autofahrten

Der Spagat zwischen Hobby und Schule mache den beiden Mädchen keine großen Probleme. Oft würden sie auf den Autofahrten nach Führt lernen, bis jetzt mache ihnen der Lernstoff wenig Probleme. Dass das Hobby der beiden Mädchen nicht nur ein netter Zeitvertreib ist, sondern viel Disziplin, Training und Zeit fordert, sehen nicht alle in ihrem Umfeld so. Schon öfter habe sie sich Sprüche wie "Ballett kann jeder" anhören müssen, erzählt Stephanie. "Aber da höre ich einfach nicht hin", sagt sie.

Nicht nur mit solchen Behauptungen wird der Ballettsport in Zusammenhang gebracht. Immer wieder wird über magere Primaballerinas berichtet, die für ihren Erfolg hungern. So sei es zumindest im Profibereich.

In der Höchstadter Ballettschule steht der Spaß am Tanzen im Vordergrund, nicht eine bestimmte Kleidergröße. "Die Unterschiede zwischen Profi- und Hobbybereich sind groß", betonen Nina Reuter und Viktoria Vogt-Höps, Tanzlehrerinnen und Leiterinnen der Tanzschule. Dass Ballerinas dünn sein müssen, habe auch praktische Gründe. Für die männlichen Tänzer ist es einfacher, leichtgewichtige Körper zu heben. Das Tanzen auf Spitzenschuhen falle mit weniger Gewicht einfacher. Beim Modern Dance sei mittlerweile ein Wandel zu bemerken, hier seien auch sportliche Typen gefragt, erklärt Vogt-Höps.

Dabei ist eine ausgewogene Ernährung wichtig für den hochintensiven Sport: "Ich achte darauf, dass ich mich gesund ernähre, damit ich mehr Kraft habe", sagt die 14-jährige Sarah. Als sie sich in Mannheim beworben hatte, sei auch ein Arzt vor Ort gewesen, der die Gelenke der Tänzer gemessen hat. Hüfte und Rückgrat wurden geprüft, die Mädchen gewogen. "Es ist schon aufgefallen, dass nur dünne Mädchen genommen wurden", berichtet Sarah.