Peter Arnold hat eine Vision: Er will jedes der sieben Bistümer in Bayern besuchen. Das wäre an sich kein so großes Unterfangen, wenn - ja wenn sich der Wachenrother dieses Ziel nicht mit einer großen Gruppe von Radfahrern gesetzt hätte.
Arnolds Vision wird sich schon bald erfüllt haben. Nur noch das Bistum Augsburg fehlt in seiner Statistik und genau das ist demnächst das Ziel der Radwallfahrer. An Christi Himmelfahrt, Donnerstag, 17. Mai, geht es wieder auf die dreitägige Fahrt. Am Sonntag, 20. Mai, wollen die Wallfahrer wieder daheim in Wachenroth eintreffen. Die Radwallfahrt des letzten Jahres war für den "harten Kern" der Gruppe ein Jubiläum: Sie waren zum zehnten Mal unterwegs und wie beim ersten Mal war wieder Altötting das Ziel. Um die 40 bis 50 Radfahrer auf die große Reise und - das ist überhaupt das Wichtigste - wieder heil nach Hause zu bringen, bedarf es vieler Vorbereitungen.
Nach einer Pfarrgemeinderatssitzung im Jahr 2001 hatten Richard Simmet und Peter Arnold die Idee mit der Radwallfahrt. Eine Buswallfahrt gab es in der Pfarrei schon lange. Ende der 90er Jahre nahmen die Wachenrother dann auch eine Fußwallfahrt nach Schlüsselau auf. Aber mit dem Fahrrad - so 300 Kilometer und mehr - das war etwas völlig Neues, das es in der ganzen Umgebung noch nicht gab. Schon im Herbst 2001 starteten vier Mann zu einer Probetour nach Altötting. "Wir haben einen Weg gebraucht", erinnert sich Arnold. Im Mai 2002 machten sich dann gut 30 Radfahrer auf den Weg zur "schwarzen Muttergottes von Ötting", wie das Gnadenbild im Volksmund genannt wird. "Das hat gleich das erste Mal so gut geklappt, dass wir uns überlegt haben, was wir weiter machen."

Klostertour


2003 wurde dann eine "Klostertour" organisiert. Sie führte über Plankstetten, Weltenburg, Regensburg nach Niederaltaich, immer die dortigen Klöster im Blick. Unvergesslich geblieben sei die Messe im byzantinischen Ritus, der die Wachenrother im Kloster Niederaltaich beiwohnen durften. Unvergesslich aber auch die Fahrt auf einem Holzkahn durch den Donaudurchbruch. Im dritten Jahr gab es eine Dom-Tour , die über Mainz, Köln bis nach Aachen ging. Eine Apostel-Tour führte die Wallfahrer nach Würzburg zum Grab der Frankenapostel Kilian, Kolonan und Totnan in der Gruft der Neumünsterkirche, dann weiter nach Fulda zum Grab des heiligen Bonifatius. Und so ging es auch die nächsten Jahre weiter.
Nur einmal weilten die Wachenrother "im Ausland", im österreichischen Melk, und einmal in den neuen Bundesländern mit Endstation Erfurt. Der Muttergottes von Altötting haben sich die Wachenrother offensichtlich versprochen. Jede fünfte Radwallfahrt soll in den bayerischen Marienwallfahrtsort gehen. "Jede Wallfahrt war auf ihre Weise schön. Bis jetzt haben wir auch alle wieder gut nach Hause gebracht", sagt Peter Arnold rückblickend. Selbst als sich eine Teilnehmerin einen Bruch zugezogen hatte, habe man sie wieder mit zurück gebracht. Die Wallfahrer werden immer von einem großen Bus und einem kleinen mit Fahrradanhänger begleitet. Auch zwei Ärzte radeln alljährlich mit. An markanten Orten treffen Wallfahrer und Bus zusammen. Dann wird gerastet und Brotzeit gemacht. Im Bus führen die Wachenrother alles mit, was sie für drei Tage brauchen. Deshalb können die Radler völlig unbeschwert fahren. Koffer, Kleider und Verpflegung sind an Bord. Nicht garantieren können die Organisatoren allerdings für gutes Wetter. "Wir haben von Kälte, Hitze, über Regen und Gewitter schon alles gehabt."
Auch ein "Highlight" gibt es bei jeder Fahrt. In Maria Brünnlein beispielsweise hat die Wachenrother der Bamberger Alterzbischof Karl Braun besucht. Natürlich fahren auch die Musikinstrumente mit. Sofern man nicht zu müde ist, wird schon mal am Abend Musik gemacht. Ansonsten bei festlichen Einzügen oder bei der Abendandacht. Trotz aller Sportlichkeit sind sich die Wachenrother bewusst, dass sie als Wallfahrer unterwegs sind. Sie treten ihre Reise immer mit dem Segen des Ortsgeistlichen Pater Stefan an und halten auch unterwegs des öfteren, um zu beten.
Durchschnittlich 300 bis 320 Kilometer fahren sie an den drei Tagen, das bedeutet eine Tagesstrecke von 100 bis 110 Kilometern. Heimwärts geht es die ganze Strecke mit dem Bus. Unterwegs wird in Hotels übernachtet, die die Organisatoren natürlich ebenso im Voraus gebucht haben wie das Buffet zum Abendessen. Darauf freuen sich die hungrigen Radler jedes Mal ganz toll und auf Kalorienzählen kann nach so einem Tag locker verzichtet werden.
"Wir fahren nach Möglichkeit auf Rad- und Feldwegen oder verkehrsarmen Straßen", erklärt Arnold. Zwei Männer sorgen für die Verkehrssicherheit. Nur einmal hatte die Gruppe einen Konflikt mit der Polizei. An einer Schleuse am Rhein-Main-Donau-Kanal hatten sie sich zur Rast niedergelassen. Ganz einfach deshalb, weil an Schleusen immer auch ein Zufahrtsweg ist, der vom Bus befahren werden kann. "Da kam die Wasserschutzpolizei und hat uns des Geländes verwiesen." Als Begründung wurde angeführt, es handle sich um eine Fläche des Freistaates Bayern und die Rast sei nicht angemeldet.