Von China nach Nepal, von Tibet bis Feuerland, nach Alaska sowie nach Patagonien, Chile, Ecuador, Mexiko, Kanada, Island und Grönland als abschließende Krönung hat ihn seine Liebe zum Bergsteigen geführt. Nach Extremtouren in aller Welt wurde Hans Gaschbauer nun endgültig "sesshaft". Aktiv ist der 91-Jährige trotzdem noch: Aktuell bereitet er seinen 201. Vortrag für die Rehaklinik in Herzogenaurach mit dem Titel "Traumland Kanada". "Hoffen wir, dass Corona diesen Vortrag bald zulässt", meint Gaschbauer skeptisch.

Wie es bei ihm mit dem Bergsteigen anfing erzählt er gerne: "Am 10. Juli 1967 rief mich Karl Helepard an und lud mich auf Empfehlung von Richard Langenberger ein, bei der Elbrus-Besteigung im Kaukasus teilzunehmen." Hierzu seien natürlich gute Kondition und Ausdauer Voraussetzung gewesen. "Und die hatte ich."

Der erste Berg führte Hans Gaschbauer in den Kaukasus

Den 5.641 Meter hohen Ostgipfel erreichten sie mit dem Bergführer am 24. August 1967. "Das war mein erster 5000er Gipfel", strahlt er. Ein späterer Höhepunkt war für ihn die Erstbesteigung des 6.310 Meter hohen Anematischin, dem heiligen Berg der Nomaden in Westtibet, zusammen mit Sigi Hupfauer. "Hier ging mein großer Wunsch in Erfüllung, einmal bei einer Erstbesteigung dabei zu sein und den Gipfel zu erreichen", sagt er stolz.

Die Gipfelbesteigungen alleine seien jedoch nie sein Ziel gewesen. "Für mich war der Weg das Ziel. Menschen und Kinder unterwegs zu treffen, das war mir wichtig." Und seine Frau, die bereits vor drei Jahren gestorben ist, hat diese Lebensweise ihres Mannes klaglos akzeptiert. "Ich war oft sechs Wochen weg und danach erzählte ich ihr alles haarklein", schmunzelt er. "Ich bin ja trotzdem noch mit ihr in den Urlaub gefahren", fügt er an.

Der Chef unterstützt seine Reisen

Zu dieser Zeit war Gaschbauer im Puma-Fuhrpark beschäftigt. Sein damaliger Chef Armin Dassler akzeptierte seine Aktionen immer und hat ihn dabei finanziell unterstützt. Dafür hat Gaschbauer die Fahrdienste am Wochenende übernommen.

Besonders stolz ist er, dass er den damaligen Bürgermeister Hans Ort auf den 3.798 Meter hohen Großglockner, den höchsten Berg Österreichs, führen durfte.

Trittsicher und schwindelfrei musste man für die Besteigung des 3.899 Meter hohen Ortler sein. Den 4055 Meter hohen Piz Bernina erklomm er über den Bianco Grad, die "Himmelsleiter für Bergsteiger".

Auf den Mount Everest kam er zwar nicht, stattdessen war er dreimal im Mount-Everest-Gebiet und hat den nur mit einer Wolkenhaube gekrönten Gipfel erblickt. Das war sein größter Erfolg, denn viele Bergsteiger sehen nichts, weil der Gipfel tagelang von dicken Wolken verhangen ist.

Nun sind seine Wege nicht mehr so lang und die Berge nicht mehr so hoch. Bereits mit 70 Jahren hat er den letzten 6.000er bestiegen. An Pfingsten war Gaschbauer auf dem Höhenweg im Kleinwalsertal unterwegs und da wurde ihm doch klar, dass er kürzer treten müsse. "Aber auch heute - am 6. Februar 2021 werde ich 92 Jahre - bin ich immer noch in Bewegung."

Mit 92 Jahren noch in Bewegung

Mit seinem Seniorenmobil - Autos darf er, seit er 90 Jahre alt ist, nicht mehr fahren - geht es zum Einkaufen, denn er versorgt sich noch immer selber. Im Wald wandert er gerne bis zur Kapelle von Obermembach. Auch seinem Hobby dem Eisstockschießen geht er noch nach, dort ist er jeden Dienstag und Donnerstag mit Eifer dabei.

Zwei Töchter hat der 91-Jährige: Eine lebt in Herzogenaurach und die zweite in Nürnberg. "Aber bemuttern lass ich mich nicht! Ich koche und putze selbst", betont er. "Ich trink' schon immer wenig Alkohol und hab mei' Lebtag net geraucht", fügt er noch an. Gaschbauer achtet außerdem auch auf gesunde Ernährung, isst viel Obst und Gemüse. "Mir geht es immer noch gut und ich könnt net klagen" erklärt er.

Kontakte zu seinen Bergkameraden pflegt er noch, aber ohne Computer geht das nur in eingeschränktem Maße. "Ich gehe so lang ich kann. Meine Frau besuche ich oft auf dem Friedhof und bringe ihr Blumen."

Beteiligung an der Erdbebenhilfe

Auf seinen kleinen Alpengarten mit Alpenrosen und Edelweiß ist er sehr stolz. Den hegt und pflegt er intensiv. "Die Edelweiß hab ich mitgebracht", sagt er.

Genauso stolz ist er auch auf seine Beteiligung bei der Erdbebenhilfe für Nepal im Jahr 2006. "Ich spendete damals bei meinen Vorträgen die gesamten Einnahmen. Es kam ein stattlicher Betrag von 30 000 Euro zusammen", freut er sich noch heute - ebenso wie über die vergangenen Jahre auf den Gipfeln: "Gott sei's gedankt, dass ich auf meine Bergerlebnisse zurückblicken kann!"