Als westlichste Gemeinde des Landkreises liegt Vestenbergsgreuth etwas abseits. Höchstadt und Neustadt, die Bundesstraße und die Autobahn sind ein Stück weg. "Ländlicher Raum" sagt man immer so schön.

Der größte Arbeitgeber, die Martin Bauer Group (Maba) steht seit Langem zu seinem Standort und expandiert seit Jahren. Und auch die Kommune setzt ein deutliches Zeichen: eines des Selbstbewusstseins, gegen Abwanderung, für einen blühenden Ort. Bürgermeister Helmut Lottes (CSU/UB) bringt es auf eine kurze Formel: "Baulärm ist Wachstumsmusik."


Damit die Kinder da bleiben

Gleich gegenüber der Maba wird gebaut. 2013 wurde die Grundschule saniert. Die Gemeinde stemmte sich damals dagegen, dass alle Klassen nach Lonnerstadt abwandern. Geblieben ist eine Verbundklasse aus erster und zweiter Klasse mit rund 25 Schülern. Dass zumindest die kleinen Schulkinder in ihrem Heimatort zur Schule gehen können, das sei enorm wichtig, so Lottes. "Heutzutage sieht man ja keine Kinder mehr in den Dörfern." Die Kleinen werden in Krippen, Kindergärten und Verbandsschulen gebracht, verbringen den Tag in weiterführenden Schulen. Da sei es doch gut, wenn wenigstens die Erst- und Zweitklässler im Ort zusammen bleiben können.

Ein paar Schritte weiter feierte man am Freitag Richtfest für den zweiten Schritt zur "neuen Mitte": die neue Mehrzweckhalle. Hauptsächlich für Schulsport, aber auch für Vereine und andere kulturelle Zwecke soll sie genutzt werden. Fertigstellung sei für Februar/März geplant, sagt Erich Popp, Architekt aus Herzogenaurach.

Funktionell wartet die Halle dann mit einer fest installierten, ein Meter hohen Bühne auf. Licht- und Tontechnik soll fest integriert sein. Es wird eine Cateringküche geben. Die bodentiefe Fensterfront nach Westen soll verdunkelbar werden.


Verglasung setzt optische Reize

Optisch setze man Reize mit der großen gläsernen Fassade, dem sichtbaren Dachstuhl, einer Verglasung im Giebel und der Zuschauergalerie, so der Architekt. Die Halle hat eine Grundfläche von 12 auf 24 Meter. Dazu kommen rund 400 Quadratmeter an Umkleiden, Geräteräumen, Galerie und Küche.

Ob man die Halle auch für private Feiern wie runde Geburtstage oder Hochzeiten vermieten werde, das müsse noch besprochen werden, so Lottes. Schließlich wolle man der örtlichen Gastronomie keine Konkurrenz machen.

Der Außenbereich vor der Halle wird umgestaltet. Es habe ihm ein wenig Kopfzerbrechen bereitet, dass die Kerwasburschen ja ihr Zelt unterbringen wollen, sagt Frieder Müller-Maatsch, Landschaftsarchitekt aus Burghaslach. Doch es sei ihm gelungen. "Ziel ist, den Platz so attraktiv zu gestalten, dass er von allen Bevölkerungsschichten genutzt werden kann. Auch aus den Ortsteilen."
Der dritte Schritt zur "neuen Mitte" wird ein Seniorentreff im Trakt zwischen Schule und Turnhalle. Ein "Haus der Begegnung", wie Lottes sagt. Der Grundgedanke: Warum sollten ältere Menschen im Ort und den umliegenden Dörfern getrennt voneinander zu Hause sitzen?

Es soll ein Essensangebot geben sowie Möglichkeiten für Spiele und Sport, zum Ratschen aber auch zum Ausruhen. "Es ist gedacht für die Generation bevor eine Betreuung notwendig wird", sagt Lottes. Es werde aber eventuell eine Kraft angestellt, die die Organisation in die Hand nimmt. 2019 ist geplanter Baubeginn.

Was das Konzept angeht, sei die Gemeinde "in ein bayernweites Programm geschlüpft", so der Bürgermeister. Man bekomme - finanziert vom Freistaat - eine spezielle Beratung für Kleinkommunen.

Rund 1,5 Millionen Euro wird der Seniorentreff kosten. Rund 60 Prozent dafür kommen aus der Städtebauförderung, so Lottes. Insgesamt schlagen Schulsanierung (1,2 Millionen Euro), Seniorentreff (1,5 Millionen), Halle (2,5 Millionen) und neue Außenanlagen (800 000 Euro) mit sechs Millionen Euro zu Buche. Rechnet man die Förderung heraus, bleiben drei Millionen Euro Kosten für die Gemeinde, die in der glücklichen Lage sei, dies aus Rücklagen finanzieren zu können, so Lottes.
Nicht wenig für Vestenbergsgreuth. "Wenn man es nur wirtschaftlich betrachtet, dann sind wir unwirtschaftlich", sagt Lottes. Aber Wirtschaftlichkeit alleine kann einen lebendigen Zusammenhalt in der Gemeinde eben nicht am Laufen halten.