Stein für Stein hat Josef Geier seinen Keller, der früher traditionell direkt an das Bauernhaus angebaut wurde, abgetragen und in der Vertiefung eines ehemaligen Weihers wieder aufgebaut. "Anno 1898" steht verblichen über der inneren Tür eingemeißelt. Die äußere Tür, die zu den Treppen führt, ist beim Umbau eine neue geworden.

Das Schloss sowie der Originalschlüssel sind allerdings noch die ursprünglichen - über 100 Jahre alt. Früher haben einige der Nachbarn noch ihre Fässer mit in dem Keller gelagert und es gab regelmäßige Treffen, erzählt er. Heute hat nur noch er sein Bier aus Stiebarlimbach dort gelagert, die Treffen sind weniger geworden, aber es gibt sie noch.

Das rund 150-Seelen-Dorf Klebheim im Kreis Erlangen-Höchstadt ist schnell einmal abgelaufen. Josef Geier, der uns von seinem Garten aus angesprochen hat, erzählt, er sei "ja eigentlich von drüben". Drüben, damit meint er den Ort Krausenbechhofen, gut fünf Kilometer weiter nordwestlich gelegen.

Große sprachliche Unterschiede

Andernorts sind fünf Kilometer so gut wie keine Distanz. Doch hier gebe es sogar Unterschiede im Dialekt. Im Aischgrund, seiner Heimat, da nenne man die Kartoffeln "Erpfel". Ein paar Felder und Wege weiter hat sich hingegen ein anderes Wort durchgesetzt. "Meine Frau sagt dann immer zu mir: ,Bei uns heißt das Potaken'", sagt er. Es klingt schelmisch, als würde er seine Frau manchmal absichtlich damit ärgern wollen.

FT-Seiten aus dem Jahr 1985

Josef Geier lädt auf die Terrasse ein, um nicht weiter über den Gartenzaun hinweg sprechen zu müssen. Ehefrau Lisa ist erst etwas skeptisch zwecks der zwei jungen Leute von der Presse, holt dann aber einen roten Ordner aus dem Haus. In diesem sammelt sie seit Jahrzehnten Zeitungsausschnitte über den Heimatort. Sogar FT-Seiten von 1985 sind dabei.

Die Zeltkirchweih des Traditionsvereins, den Josef Geier mitgegründet hat, ist oft Thema. In den Artikeln auf den altersbedingt vergilbten Seiten ist unter anderem erklärt, dass der Name des Dorfes auf den lehmigen Boden zurückzuführen sei, also ein im wahrsten Sinne klebriger Boden ist.

Ein Enkelkinder-Paradies

In den über vierzig Jahren, in denen sie nun schon im Ort wohnen, hat Josef Geier vieles selbst auf diesem seinem Boden gebaut: Gemüsebeete, ein Baumhaus mit Innenbeleuchtung, eine Matschgrube, sogar einen Pool. Sichtlich stolz führt er durch den großen Garten. Besonders für die vier Enkelkinder werde ein Besuch immer wieder zum Erlebnis. "Für unsere Enkel haben wir alles gebaut, was wir selbst gerne als Kinder gehabt hätten", sagt Lisa Geier.

Während sich Fotograf Niklas das von Josef Geier frisch gezapfte, unfiltrierte Bier schmecken lässt, gerät der Mann ins Schwärmen, erzählt begeistert eine Geschichte nach der anderen. Von der Sülze, die er für die Kolleginnen seiner Frau bei der jährlichen Wanderung eigens drei Tage vorher zubereitet. Von Erinnerungen an Feste, den Aufbau des Grillplatzes direkt vor dem Keller. "Du findest ja kein Ende", wirft Lisa Geier ein und wirft uns ein entschuldigendes Lachen entgegen. Doch bei so viel Lebensfreude braucht es keine Entschuldigung.

Zeit, um an den Ortseingang Klebheims zu blicken: Hier fällt ein Haushaltswarenstand auf einem Hof ins Auge, wie es ihn sonst auf Wochenmärkten gibt. Klaus Herbst kommt aus dem Haus, sobald wir den Hof betreten.

Das Geschäft gebe es seit drei Generationen, der Stand gehöre seiner Frau. Während der letzten Wochen habe coronabedingt kein Verkauf auf den Märkten stattfinden dürfen, sagt er, deswegen stehe der Wagen vorerst im Ort. Doch zum Wochenende dürfe er wieder starten. "Am Freitag geht es nach Schwäbisch Hall."

Neubauten sind gefragter Wohnraum

Albert Ruhmann erkennt uns im benachbarten Buch schon an dem großen Sommerserienpfeil, als wir uns einer Baustelle nähern. Dort ist er unter der gleißenden Mittagssonne in ein Gespräch mit dem Bauherren vertieft. Ruhmann ist ein "Architekt, der nicht aufhört", denn mit seinen 70 Jahren müsste er schon so langsam im Ruhestand sein, sagt er. Doch manche Bebauungspläne ziehen sich, einmal angefangen, eben über mehrere Jahre hinweg. Außerdem, und das glaubt man Albert Ruhmann sofort, übt er seinen Beruf auch jetzt immer noch voller Energie aus.

Die Neubauten fänden schnell Bewohner in dem kleinen Ort, in dem es keinen Bäcker und keinen Metzger gibt und in dem auch die letzte Gastwirtschaft schon vor Jahren geschlossen hat. Doch Ruhmann kann es verstehen, dass es Menschen hierherzieht, schließlich ist er hier geboren - und geblieben. Er begleitet uns noch ein paar Meter, bevor sich unsere Wege trennen.

Am Dienstag berichtet Niklas Schmitt aus Königsberg auf inFranken.de.