Er ist für die Kinder, die in Dörfles beziehungsweise Lautertal in die Schule gehen, mehr als ein Busfahrer, er ist er eine Institution: Egon Eichhorn. Seit nunmehr 25 Jahren bringt er die Kinder und Jugendlichen sicher von Lautertal nach Dörfles-Esbach und umgekehrt. Ganze Generationen kennen ihren "Egon" und haben zu ihm ein besonderes, fast schon familiäres Verhältnis aufgebaut. Auch die Anwohner an der Strecke, die Egon Eichhorn in "guten Zeiten" bis zu zehn Mal am Tag gefahren ist, schätzen den immer freundlichen Busfahrer, der nicht selten grüßend die Hand hebt, wenn er jemanden im Garten sieht. So meinte auch Klaus Ross aus der Zentstraße in Lautertal, wo Egon Eichhorn Tag für Tag vorbeifährt: "Der Egon passt in die Welt."

Mit dem Fahren wird aber bald Schluss sein. Am 17. Juli nimmt Eichhorn das letzte Mal hinter dem Steuer seines über 18 Meter langen Gelenkbusses Platz. Wenn er diesen dann am Nachmittag auf den Parkplatz seines Arbeitgebers, der Firma Gevers, Coburg, abstellt, geht eine 25-jährige Ära als Schulbusfahrer und ein 30-jähriges Wirken bei dem Coburger Unternehmen zu Ende. "Ich habe noch ein paar Tage Urlaub und ab dem 1. August bin ich dann hochoffiziell Rentner", erzählt der 64-jährige. Ein wenig Wehmut kommt schon auf, wenn er an die Zeit zurückdenkt, in der er dafür gesorgt hat, dass die Kinder sicher zur Schule hin- und zurückkommen. "Schwierigkeiten mit den Schülerinnen und Schülern hatte ich eigentlich nie", sagt der Busfahrer, für den der Beruf seine Berufung ist. Und wenn es im Bus mal laut wird? "Na und", meint Egon Eichhorn, "wir waren doch auch nicht anders."

"Ein einziges Mal in den ganzen Jahren war es nicht auszuhalten", erinnert er sich an seine Zeit im Schulbus. "Da habe ich den Bus einfach abgestellt, ein paar mahnende Worte gesprochen und es ging weiter." Seinen Schützlingen spricht er insgesamt ein großes Lob aus und stellt fest, dass die Disziplin in den letzten Jahren zugenommen habe. Dies habe aber auch damit zu tun, dass ihn die Schulbusbegleiterin Susanne Schaal unterstützt.

Eichhorn kennt ganze Familien. Denn er fährt Kinder, deren Eltern auch schon bei ihm im Bus saßen. Es freue ihn immer, wenn ein Schulkind auf ihn zukomme und erzähle: "Du Egon, meinen Papa hast du auch schon in die Schule gefahren." Meistens hätten die Kinder ein freundliches "Guten Morgen", oder "Morgen, Egon" auf den Lippen. Das freue ihn. "Motiviert unwahrscheinlich", betont er.

Auch später prominente Fahrgäste gehörten zu seiner Klientel. So kam auch Landrat Sebastian Straubel in den Genuss, von Egon Eichhorn zur Schule gebracht zu werden. In manchen Jahren kamen über 60000 Kilometer zusammen, die der zukünftige Rentner mit seinem markanten Fahrzeug zurücklegte. Nicht ohne einen gewissen Stolz berichtet er, dass das Ganze unfallfrei vonstatten gegangen sei. "Nur einmal ist mir eine Autofahrerin in die Seite gefahren, wofür ich aber nichts konnte", erzählt Egon Eichhorn. Es habe keine Verletzten gegeben.

Aus der Ruhe bringen lässt er sich nicht, wenn er seinen Gelenkbus durch die Straßen von Lautertal und Dörfles steuert. "Manchmal wird es schon eng, aber steckengeblieben bin ich noch nicht", beschreibt Egon Eichhorn die Verkehrssituationen. "Schwierigkeiten mit den Anwohnern hatte ich nie, ganz im Gegenteil", erzählt er weiter. Es werde Rücksicht auf ihn und sein langes Gefährt genommen. "Die Menschen wissen, dass ich in manchen Bereichen etwas mehr Platz als andere Verkehrsteilnehmer brauche."

Zum Busfahren kam der gebürtige Schalkauer in der DDR während seiner Dienstzeit bei der Nationalen Volksarmee. Bevor er als Schulbusfahrer "Karriere" machte und bleibende Eindrücke in Lautertal und Dörfles hinterließ, war er auf der Strecke von Coburg nach Fürth in Mittelfranken eingesetzt. Fünf Jahre lang hat er Mitarbeiter des Versandhauses Quelle aus dem hiesigen Raum an ihren Arbeitsplatz gefahren.

Die Angst, dass es ihm als Rentner langeweilig werden könnte, hat Egon Eichhorn nicht. "Ich habe in meiner Geburtsstadt einen schönen Garten und kann mich nun voll und ganz meinen Hobby, meinen Gänsen, widmen", sagt er mit der ihn auszeichnenden Gelassenheit.