Wo würde jemand auf die Suche gehen, der im Coburger Land nach einem Axolotl sucht? Vernünftigerweise in Sonnefeld. Dort lebt der sehr außergewöhnliche mexikanische Schwanzlurch nämlich - zusammen mit hunderttausenden von Fischen in tausenden Aquarien der Firma EFS. Das Unternehmen gehört zu den größten Partnern des Zoofachhandels in Europa, wenn es um alles geht, das in Aquarien lebt.

EFS, das wurde Landrat Michael Busch (SPD) und seinem Wirtschaftsförderer Martin Schmitz bei ihrem Besuch schnell klar, gehört zu den wenig bekannten aber besonders erfolgreichen Unternehmen im Landkreis. Dabei wäre es fast gar nicht hier gelandet. "Wir haben uns zuerst im Raum Sonneberg umgesehen", sagt EFS-Gründer Bernd Schmölzing. Als es für das rasch wachsende Unternehmen am Gründungsort Marktgraitz im Jahr 2000 zu eng wurde, fiel die Entscheidung dann doch auf ein freies Produktionsgebäude am Rand von Sonnefeld. "Damals war das eigentlich zu groß, jetzt müssen wir schon wieder anbauen", sagt Herbert Geßlein, der bei EFS die Finanzplanung im Auge hat.

Dass nicht nur die Geschäftsleitung stolz ist auf das Erreichte, sondern auch die über 50 Mitarbeiter mit Begeisterung am Erfolg des in der Region doch recht außergewöhnlichen Unternehmens bauen, wird beim Rundgang durch die Hallen deutlich.

Schutz vor Krankheiten

Aquarien über Aquarien stapeln sich hier. Jedes voller Fische, die das Herz von Aquaristen höher schlagen lassen, und jedes für sich abgeschlossen bewässert, jedes mit seinem eigenen Netz. "Es darf im Fall, dass mal eine Krankheit eingeschleppt wird, nicht passieren, dass die von einem ins andere Becken kommt", betont Bernd Schmölzing. Ausgeschlossen ist nichts. Die Fische kommen aus aller Welt - die meisten aus Zuchtanlagen in Israel. "Am Mittwoch landen in Frankfurt die Fischbomber", sagt Herbert Geßlein lachend. Dann stehen auch die Sprinter aus Sonnefeld am extra für die Abfertigung von Tiertransporten eingerichteten Terminal. "Wir nehmen neue Lieferungen an und verschicken selbst wieder andere", erklärt Geßlein.

Aquarienfreunde kennen EFS längst nicht nur als Großhändler von Zierfischen. "Unsere Aquarien sind inzwischen sehr gut nachgefragt", sagt Bernd Schmölzing. Es schwingt ein bisschen Stolz mit. Zu Recht, denn nachgefragt sind die EFS-Produkte, weil sich die Firma einen Ruf in Sachen Qualität erarbeitet hat. "Das hat auch lange gedauert, dafür sind wir heute die einzigen, die fünf Jahre Garantie geben", erklärt Schmölzing. In der Fertigungshalle stehen Glasplatten von sechs Metern Länge und über drei Metern Breite. Es wundert nicht mehr, wenn Schmölzing nebenbei erwähnt, dass EFS auch der einzige Hersteller weit und breit ist, der solche großen Teile mit 600 Kilo Gewicht verarbeiten kann.

Zusammen mit den Unterschränken entstehen Aquarienkombis in ganz unterschiedlichen Formen und Ausführungen. Auch Einzelstücke nach eigenen Vorgaben des Kunden sind kein Problem. Das gilt ebenso für Präsentations- und Verkaufswände der Aquaristik in Zoofachgeschäften. Eine der neuesten Kreationen heißt "Das Boot" (oder MS EFS), weil es in dieser Form gebaut ist - ein Modell, das Landrat Busch sehr beeindruckte: "Wenn ich mir eins zulegen würde, dann so eins."

Bernd Schmölzing kennt auch kein anderes Unternehmen seiner Art, das ein eigenes Labor betreibt, in dem beispielsweise Tierarzneimittel getestet und Fische auf Krankheiten und Parasitenbefall untersucht werden können. Bei EFS werden Mitarbeiter aus dem Fachhandel in Sachen Tiergesundheit in Seminaren geschult.

Eigener Weg

"Wir gehen unseren eigenen Weg" lautet ein Wahlspruch in der Imagebroschüre von EFS. Das gilt auch für die jetzt geplante Erweiterung, die im Herbst zur Hausmesse fertig sein soll. "Das wird eine Meerwasseranlage mit über 1000 Aquarien", sagt Schmölzing. Die Branche, meint er, werde ihn für verrückt erklären. Meerwasser, das rentiere sich nicht, sei die allgemeine Ansicht. "Das haben sie auch gesagt, als wir die Kaltwasserhalle gebaut haben", sagt Schmölzing. Kaltwasser, das heißt Fische für den Gartenteich. Der Wettbewerb sah da kein Potenzial. Bei EFS, entwickelte sich gerade dieses Angebot zum Wachstumszweig. Und "verrückt" nennen sich die EFSler längst selbst. Wer, wenn nicht Verrückte, taucht mit Blaulicht, Megaphon und Uniform als "Algenpolizei" im Fachhandel auf und berät Kunden bei Algenproblemen?

Eigene Stromerzeugung

Aquarien brauchen viel Wasser und Energie. Zumindest was den Strom angeht, konnte EFS sparen. Die eigene Photovoltaik-Anlage liefert bis 75 000 Kilowattstunden im Jahr, die zu 80 Prozent selbst verbraucht werden. Schon jetzt sind die fünf Sprinter, in denen die Fische in Spezialbehältern transportiert werden, so ausgelastet, dass Herbert Geßlein ausgerechnet hat "Wir fahren alle 90 Tage einmal um die Welt." Wenn der Erweiterungsbau steht, soll es noch mehr werden.