"Drei Kreuze", sagte Marga Hein, wird sie machen, wenn diese Aktion endlich vorbei ist und die neuen Glocken in der Kirche ihren Dienst tun. Gestern war noch mal ein langer Tag für die Mesnerin, schließlich rückten schon gegen 7 Uhr die Arbeiter an, um die vier neuen Bronzeglocken in den Turm zu heben.
Im Turm selbst hat sich in den vergangenen Wochen einiges getan. Es sind nicht nur die alten Glocken verschwunden, es hat auch die Mannschaft der Firma Seiler aus Scherneck den Dachstuhl verstärkt und ausgebessert. Das war auch dringend nötig, erklärte Pierre Klinnert, der beim Architekturbüro Martin Schmidt (Coburg) für die Bauarbeiten zuständig ist: "Ein Balken war ziemlich beschädigt, weil es wohl irgendwann einmal einen Wasserschaden gab."
Die größte Herausforderung war nach Aussage Klinnerts die große Kirchenglocke: Die ist mit gut 1600 Kilo Gewicht (ohne Klöppel und Joch) nicht nur ein Schwergewicht, sondern war auch zu breit für den Zugang zur Kirchturmspitze. Deshalb wurde der Sandstein aufgestemmt, damit die Glocke durch das Fenster ins Innere gezogen werden konnte. Anfang der Woche, erklärte der Architekt, soll das Loch wieder zugemauert werden. Den Zeitplan sah er gestern gelassen: "Ich bin guter Dinge, dass wir wie versprochen bis Fronleichnam fertig werden."


90 000 Euro Spenden gesammelt

Während gut 20 Meter über ihr die Glocken- und Holzspezialisten ihrer Arbeit nachgingen, fegte Marga Hein schon mal schnell "ihre" Kirche durch. 22 Jahre ist die Mesnerin inzwischen im Dienst, aber so ereignisreiche Wochen wie zuletzt hat sie noch nie erlebt. Nur auf die Landeskirche darf man die Mesnerin nicht ansprechen. Dass die 560 Mitglieder starke evangelische Kirchengemeinde die Finanzierung der neuen Glocken quasi im Alleingang stemmen muss, kann und will Marga Hein nicht verstehen: "Die Orgel und die Glocken gehören doch zu einer richtigen Kirche." Um die bislang eingegangene Spendensumme von rund 90 000 Euro noch ein bisschen aufzustocken, hat die Mesnerin zuletzt einen Haufen Socken gestrickt und nach dem Pfingstgottesdienst verkauft. "Wieder ein paar Euro mehr", sagte Hein zufrieden.


Das war ein dicker Brocken

Die Firma "Bayreuther Turmuhren" gehört zu den wenigen fränkischen Unternehmen, die sich mit dem Einbau von Kirchenglocken auskennen. Meistens hat Reinhard Maier dabei damit zu tun, alte Glocken aus- und nach einer Dachsanierung wieder einzubauen. "Neue Glocken - und dann auch noch so schwere - haben wir auch nicht alle Tage", sagte der Glockenfachmann, nachdem auch die kleinste Glocke sicher im Dachstuhl angekommen war.
Drunten am Boden verfolgten gut zwei Dutzend Gleußener das spannende Geschehen live. Ein Thema der Gespräche war der Rostschaden an der größten Kirchenglocke. Alte Gleußener, da war man sich in der Runde der Zuschauer sicher, können sich noch daran erinnern, dass gegen Ende des Zweiten Weltkrieges amerikanische Soldaten mit ihren Gewehren auf die Kirchturmspitze schossen.


So geht es weiter mit den neuen Glocken

Der Plan steht. Am Fronleichnamstag sollen die neuen Glocken der Kirche erstmals läuten. Das hat Pfarrer Michael Bergner gestern bestätigt: "Die paar Tage schaffen wir nun auch noch."
Bergner ließ sich den Moment, an dem die große Glocke durchs Fenster gehoben wurde, natürlich nicht entgehen. Die Maßarbeit, die die Firma "Bayreuther Turmuhren" dabei leistete, beeindruckte den Pfarrer: "Da habe ich echt noch mal die Luft angehalten. Schön, dass alles gut gegangen ist." Die paar Schiefer, die direkt oberhalb des Einstiegsfensters kaputt waren, stammten noch vom Abtransport der alten Kirchenglocken.
Bis nächste Woche ist aber noch einiges zu tun. So muss der Glockenstuhl erst noch um das Geläut herum zusammengebaut werden. Der ist auch neu, genauso wie das Joch, das jede Glocke einzeln hält. "Die sind nicht mehr aus Stahl, sondern aus Eichenholz", erklärte der Pfarrer. In Kombination mit dem Glockenstuhl sollen das freischwingende Geläut einen schöneren Klang bekommen. Ob das auch wirklich der Fall ist, wird nächste Woche sogar ein Glockensachverständiger der Landeskirche bei einem persönlichen Besuch in Gleußen überprüfen.
In der Woche nach Fronleichnam wird dann das Gerüst an der Kirche vorübergehend abgebaut. Danach steht dann die bis September anberaumte Sanierung der Außenfassade. Die schlägt noch einmal mit rund 100 000 Euro zu Buche. Der Einbau der neuen Glocken wird die Kirchengemeinde rund 150 000 Euro kosten.