Johanna Fendl zeigt auf einen Wagen mit Möbelstücken. "Darauf befindet sich ein ganzes Schlafzimmer", sagt sie. "Auf zwei Quadratmetern - da bin ich schon ein bisschen stolz." Ihre Augen leuchten und auf ihrem Gesicht macht sich ein spitzbübisches Grinsen breit.

Johanna Fendl ist zuständig für die Sammlungsqualifikation in der Alten Schäferei. Gemeinsam mit Museumsleiterin Dr. Chris Loos führt sie durch eine Fabrikhalle in Grub am Forst, das sogenannte Zwischenlager.

Die eine Ausstellung ist vorbei, die nächste beginnt. Auch die Ausstellungsstücke wechseln natürlich. Aber wohin kommen eigentlich die, die gerade nicht gezeigt werden? Wir haben einen Blick hinter die Kulissen der Objektlager der Alten Schäferei - Gerätemuseum des Coburger Lands geworfen.

Bevor es so weit war, dass Johanna Fendl das Schlafzimmer auf den Metallwagen packen konnte, mussten die Möbel aber zunächst in der Anlieferungszone "warten", erklärt sie. Warten darauf, dass sie von Johanna Fendl "abgearbeitet" werden. Das heißt: Sie sichtet, bewertet und fotografiert die aus den aufgelösten Außenlagern umgelagerten Objekte, die im Zwischenlager ankommen. Außerdem gleicht Johanna Fendl sie mit dem Bestand in der Datenbank ab, dokumentiert und sortiert sie danach, welcher Bestimmung sie zugeführt werden sollen: "Manches ist so arg beschädigt, dass es aussortiert werden muss", spricht Johanna Fendl das große Problem, den Holzwurm, an. Wieder anderes wird anderen Museen und Institutionen angeboten. Und dann sind da natürlich noch die Objekte, die für die im Museum verbleibende Sammlung fachgerecht eingelagert werden - soweit dies unter den jetzigen Lagerbedingungen möglich ist. Diese müssen eben zunächst gesichtet, fotografiert, bewertet und in der Datenbank aktualisiert beziehungsweise ergänzt werden.

Auch Bärenfell gibt es hier

Circa 60000 Objekte befinden sich in den drei Lagern des Gerätemuseums, das getragen wird vom Zweckverband "Museen im Coburger Land". Während in den beiden Fabrikhallen in Grub am Forst mittlerweile Möbel, alte landwirtschaftliche Geräte, Wagen und Kutschen, Handwerks- und Haushaltsgeräte, Spielzeug, Arbeitsgeräte aller Art, aber beispielsweise auch Holzskier lagern, sieht man in dem Textildepot in Großgarnstadt Metallregale, die von unten bis oben mit grauen Kartons bestückt sind. "Hier bewahren wir Textilien auf", erklärt Johanna Fendl. Fein säuberlich sind die Kartons beschriftet mit den Gegenständen darin: "Trachten, Arbeits- und Alltagskleidung, Festtagskleidung, Sonntagskleidung, Haushaltstextilien, Fahnen, Bärenfell, Berufsbekleidung".

Steter Kampf gegen Schädlinge

Mit der Behandlung und Bearbeitung der Materialien hier ist es allerdings nicht getan. Vielmehr erfolgt durch ein regelmäßiges Monitoring eine präventive Schädlingsbekämpfung. So muss beispielsweise das Mottenpapier, das zwischen den einzelnen Textilien liegt, regelmäßig gewechselt werden. Bei etwa 7000 Textilstücken ist das schon ein nicht zu unterschätzender Aufwand.

Viel zu tun gibt es auch im dritten Lager, dem größten Objektlager in einer Scheune auf dem Schlossgelände in Ahorn. Alte Traktoren, Dreschmaschinen und weitere Großgeräte, Arbeitsgeräte jeglicher Art, historische Möbel, Fahrräder aus früherer Zeit, hölzerne Wagenräder und vieles mehr findet sich da. "Hier kommen wir nur unter erschwerten Bedingungen an die Objekte ran", nennt Johanna Fendl eines der Probleme der jetzigen Einlagerungsmöglichkeiten.

Vorfreude auf das neue Depot

"Ein Depot ist die Grundlage für ein Museum", ergänzt Museumsleiterin Dr. Chris Loos. Nur mit einem Depot, in dem die Ausstellungsstücke vernünftig gelagert werden können - ohne Luftfeuchtigkeitsprobleme, ohne Staub und vor allem so, dass man leicht an die Objekte herankommt -, lasse sich ein Museum gut betreiben. "Es geht ja nicht nur darum, die Objekte irgendwo einzustellen, sondern auch darum, diese so lagern zu können, dass sie nicht beschädigt werden beziehungsweise wir auch drankommen, um sie für Ausstellungen wieder aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken", erklärt Johanna Fendl. In den Fabrikhallen und Scheunen nähmen die Objekte oftmals durch Luftfeuchtigkeit, eingenistete Tiere wie Marder, oder - auch schon vorgekommen - durch eindringendes Wasser Schaden.

Deshalb freuen sich beide darauf, dass die Gemeinde Ahorn ein neues Museumsdepot bauen will, wo der Zweckverband die historischen Ausstellungsstücke entsprechend lagern und Johanna Fendl dann so akribisch, wie sie es jetzt schon tut, die Objekte untersuchen und aufbereiten kann.