Wer sich für wenig bekannte Aspekte der Coburger Theatergeschichte interessiert, ist hier am richtigen Ort: Vorderer Floßanger 9. Auf den ersten Blick sieht dieses nicht ganz einfach zu definierende Gebäude wie eine Mischung aus Scheune und Lagerhalle aus.

Die Entstehungszeit des Fachwerkbaus lässt sich nicht ganz genau definieren, sagt Coburgs Stadtheimatpfleger Christian Boseckert. Das Standard-Werk zur Geschichte denkmalgeschützter Bauwerke in Coburg (Peter Morsbach und Otto Titz: Denkmäler in Bayern - Stadt Coburg) datiert das Gebäude auf die Zeit um 1870. Fest steht aber, dass hier seit 1900 das Theaterdekorationsmagazin untergebracht war. Wahrscheinlich wurde die ursprüngliche Scheune auch zu dieser Zeit auf die heutige Breite vergrößert.

Anbau Richtung Osten

In der Baugeschichte spiegelt sich auch der wachsende Platzbedarf des damals noch als Hoftheater bezeichneten Theaters. Denn als Anbau Richtung Osten entstand im Jahr 1911 eine Erweiterung mit gleichem Grundriss, aber etwas größerer Höhe.

Doch selbst dieser Anbau reichte dem Theater schon bald nicht mehr aus. Denn nachdem aus dem einstigen Hoftheater das Landestheater geworden war, diente seit 1919 die frühere herzogliche Reithalle am Schlossplatz als weiteres Lager für Kulissen. Nach Moosbach und Titz besaß die ursprüngliche Scheune zunächst ein einfaches Satteldach. Bei der Erweiterung in der Zeit um 1900 wurde daraus ein Pultdach, "so dass das Äußere bis heute ein basilikales Aussehen mit Mittelschiff und niedrigeren Seitenschiffen sowie drei Einfahrtstoren" besitzt.

Im Inneren aber besteht die Trennung zwischen beiden Gebäudeteilen bis heute. Zentraler Bereich für das eigentliche Kulissenlager war dabei das Mittelschiff. Nach dem Krieg wurde das Kulissenlager des Landestheaters umgebaut, erhielt einen Malersaal samt Sozialraum und Farbenlager.

Gewerbliche Nutzung

Die Theatergeschichte im Vorderen Floßanger 9 endete mit dem Neubau des Werkstätten-Gebäudes in Cortendorf, das am 15. April 1983 offiziell in Betrieb genommen wurde. Schon Jahre vorher aber hatte sich abgezeichnet, dass der historische Bau längst nicht mehr den Erfordernissen eines modernen Theaterbetriebs mit zeitgemäßen Werkstätten entsprach.

Die Stadt Coburg hatte sich deshalb 1977 an das zuständige Ministerium in München gewandt. "Die alten Einrichtungen und Anlagen des früheren Hoftheaters am Vorderen Floßanger konnten den Anforderungen schon lange nicht mehr genügen", schrieb Jürgen Oehm in der Festschrift "175 Jahre Landestheater Coburg" rückblickend im Jahr 2002. "Auch der Umbau des vorhandenen Gebäudes wäre vergebliche Liebesmühe gewesen", konstatierte Oehm als damaliger Leiter der Dienststelle Coburg des Staatlichen Hochbauamtes Bamberg.

Auch wenn das Landestheater längst den Vorderen Floßanger mit seinen Werkstätten verlassen hat: Verwendet wird das Gebäude noch immer.

So nutzt ein Heizungs- und Sanitärbetrieb seit 2004 einen Teil des Erweiterungsbaus ebenso für gewerbliche Zwecke wie zuvor an gleicher Stelle eine Schreinerei.jb

Rund um die Serie "Coburgs architektonische Mauerblümchen"

Hintergrund In unserer Serie "Coburgs architektonische Mauerblümchen" stellen wir interessante Gebäude in Coburg vor, die eine spannende Geschichte erzählen können und eigentlich mehr Aufmerksamkeit verdienen. Dabei spielt die Größe und die heutige Nutzung der jeweiligen Bauwerke keine vorrangige Rolle bei der Auswahl - der Bogen dieser Serie spannt sich von der ehemaligen Hauptpost bis zum einstigen Theaterdekorationsmagazin.red