Die Coburger Kommunalpolitik ist vom Wechsel an der Spitze des Regiomed-Konzerns überrascht worden. Am Donnerstag war bekannt geworden, dass Hauptgeschäftsführer Joachim Bovelet gebeten hat, seinen Dienstvertrag früher zu beenden. Nachfolger wird der derzeitige Vorstandsvorsitzende des Klinikums Augsburg, Alexander Schmidtke.

Schmidtke wird Anfang 2020 von Augsburg nach Coburg wechseln.

Petra Schneider, Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion, hat von der bevorstehenden Änderung an der Spitze des länderübergreifenden Klinikverbundes "nachts was im Internet gelesen". Sie hätte sich eine Information am Donnerstag gewünscht, zumal am Nachmittag der Coburger Stadtrat getagt hat. Diese Information hätte auch in nichtöffentlicher Sitzung gegeben werden können, findet Schneider.

Bei der morgendlichen Zeitungslektüre hat CSU-Fraktionsvorsitzender Jürgen Oehm den Wechsel erfahren, wie er auf Tageblatt-Anfrage erzählte. Bislang war Oehm davon ausgegangen, dass Joachim Bovelet den Klinikverbund noch vier Jahre als Hauptgeschäftsführer leiten wird.

Ganz anders übrigens die Informationspolitik im Landkreis: Dort hatte Landrat Michael Busch (SPD) bereits im Laufe des Donnerstags alle Fraktionsvorsitzenden ganz offiziell über die Personalie informiert.

Nachfolger Alexander Schmidtke war in den Jahren 1990 bis 1998 Pflegedienstleiter im Bezirksklinikum Kutzenberg. Es folgten Leitungspositionen im Uniklinikum Erlangen und in Fulda. Seit 2009 ist er in Augsburg. Aus einer am Freitag verbreiteten Pressemitteilung von Regiomed geht hervor, das "eine geordnete Übergabe zum nächstmöglichen Zeitpunkt erfolgen wird". Gleichzeitig wurde auch der Dienstvertrag mit dem kaufmännischen Regiomed-Geschäftsführer Thomas Hergt vorzeitig verlängert, "um die Kontinuität in der Geschäftspolitik deutlich zu machen".

Wie die "Augsburger Allgemeine Zeitung" meldete, läuft der Vertrag von Alexander Schmidtke Ende 2019 in Augsburg aus. Der Gesundheitsmanager war 2010 aus Fulda nach Augsburg gekommen. Er führte das Zentralklinikum aus den roten Zahlen und "beendete damit eine jahrzehntelange Phase von Verlusten. Den angehäuften Schuldenberg müssen die Träger des Krankenhauses, Stadt und Landkreis Augsburg, auch in den nächsten Jahren noch zurückzahlen. Der Sparkurs, den Schmidtke im Auftrag der Träger fuhr, hatte ihm von den Chefärzten des Hauses immer wieder Kritik eingebracht".

Ab Anfang 2019 geht die Trägerschaft des Klinikums Augsburg auf den Freistaat Bayern über. Augsburg wird dann Standort eines Universitätsklinikums. Nach den Richtlinien des Freistaats muss der neue Vorstandschef des Klinikums ein Mediziner sein. Schmidtke ist Diplom-Kaufmann. Er leitete die Sanierung des Hauses ein, die insgesamt etwa 560 Millionen Euro kosten wird. Ein ähnliches Projekt steht dem künftigen Regiomed-Hauptgeschäftsführer in Coburg bevor: Die Sanierung des Klinikums Coburg an der Ketschendorfer Straße oder aber der Neubau eines Gesundheitscampus auf dem Gelände der früheren Bundesgrenzschutz-Kaserne im Norden der Stadt. Dieses Projekt hat Joachim Bovelt initiiert.