Tierarzt Joachim Lessing hat einen neuen Schützling bekommen. Im Stadtteil Ketschendorf wurde ein Waldkauzästling aufgefunden, der schon sehr abgemagert war und Hilfe benötigte. Wenn es um Wildtiere geht, dann ist der Coburger Tierarzt Joachim Lessing die "erste Adresse" in der Vestestadt. Allein im vergangenen Jahr hat er über das Tierheim Coburg und seiner Praxis annähernd 300 Wildtiere aufgezogen, gepflegt und wieder ausgewildert.

Am Dienstag hatten Passanten den kleinen Wildkauz auf einem Stein sitzend in der Parkstraße entdeckt und Joachim Lessing verständigt. Julian Hauschild, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Greifvogelstation in Neu- und Neershof hatte sich auf den Weg gemacht und nach Rücksprache mit dem Tierarzt den Vogel in die Praxis gebracht. "Er war abgemagert und sehr dünn", beschrieb Lessing die Eulenart. Zuvor war versucht worden den kleinen Kauz auf einen Baumast zu setzen. Dort konnte er sich aufgrund seiner körperlichen Schwäche jedoch nicht halten. Höhlenbrüter, wie der Waldkauz, verlassen oft ihr Nest bevor sie fliegenden können und stürzen dann einfach ab. Dies ist auch dem kleinen Schützling von Lessing passiert.

Coburger Tierarzt: So soll der Wildkauz in die Freiheit gelangen

Nun hat er bei Joachim Lessing eine neue, jedoch nur vorübergehende neue Heimat gefunden. Zweimal am Tag muss ich der Tierarzt nun Zeit nehmen, um den Kauz zu füttern, damit er wieder zu Kräften kommt. Zwei Mäuse hat er gleich nach seiner Ankunft in der Praxis vertilgt und sie sich schmecken lassen. Bei einer erneuten Nachschau am Donnerstagabend vor Ort hat Lessing vier weitere Kauze hoch oben in den Bäumen entdeckt. Sie waren deutlich kräftiger und konnten schon die Flügel schwingen. Sie saßen in den Baumwipfeln und warteten nur darauf, von ihren Eltern gefüttert zu werden, erzählte der Tierarzt.

Ziel ist es, den Kauz in einer Voliere am Wohnhaus des Tierarztes unterzubringen und dann so langsam an die Freiheit zu gewöhnen. "Die Wildflugmethode ist ideal dafür geeignet", erklärte Lessing. In der Foliere bekommt er Mäuse und Eintagsküken und kann hier geschützt selbstständig fressen. Wenn der Kauz fliegen kann, wird die Türe geöffnet und er kann dann tagsüber die Gegend erkunden. Abends, so zeigte es die Erfahrung, kommen die "Bewohner" gerne zum Fressen in die Foliere zurück. Mit den Tagen lernen die Tiere dann auch außerhalb etwas fressbares zu jagen und plötzlich finden sie selbst ihre Freiheit wieder. Diese Methode hat auch mit jungen Turmfalken schon wunderbar funktioniert, berichtete Joachim Lessing.

Tierarzt Joachim Lessing: Darauf gilt es bei Wildtieren zu achten

Einen wichtigen Hinweis gibt Joachim Lessing noch allen Spaziergängern mit auf den Weg. "Sollten Sie in der Natur solch einen kleinen Kerl auf dem Boden finden, versuchen Sie erstmal ihn in der Nähe auf einen erhöhten Ast zu setzen, damit er in Sicherheit ist. Er wird dort mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter von den Eltern betreut. Zur Sicherheit schauen Sie einfach am nächsten Tag noch einmal nach". Wer sich nicht sicher ist, kann gerne mit dem Tierarzt telefonisch Kontakt aufnehmen.

Wenn Spaziergänger andere Wildtiere wie Feldhase oder Rehkitz auffinden, so sollten sie diese auf jeden Fall an der Stelle liegen lassen, empfiehlt Joachim Lessing. Die Mutter legt sie in der Wiese einfach ab, kümmert sich aber um ihren Nachwuchs. Aufgefundene Vögel können mit der Hand angefasst werden, da Vögel keinen starken Geruchssinn besitzen. Säugetiere sollten, so Lessing, keinesfalls mit der bloßen Hand angefasst werden, da sonst das Muttertier sie nicht mehr annimmt.