Müll zurücklassen geht gar nicht. Oder einfach neue Spuren legen. "Da haben wir auch schon Mitfahrer verwarnt", sagt Yvonne Michel energisch. Die 39-Jährige fährt leidenschaftlich gern Mountainbike und meist in einer Gruppe des Vereins Run & Bike-Team Coburg. "Wir fahren nach den Trailrules", betont Yvonne Michel. "Und wir haben auch schon Leute verwarnt, wenn sie sich nicht dran halten!"

Aufgestellt hat diese Trailrules die Deutsche Initiative Mountainbike (DIMB). Der Verband hat nach eigenen Angaben rund 60 000 Mitglieder und versteht sich als Interessenvertretung der Mountainbiker. Gleichzeitig bemüht sie sich - laut Homepage - "um einen Interessensausgleich zwischen uns Sportlern, dem Forst und dem Naturschutz". In ihren Verhaltensrichtlinien heißt es unter anderem "Fahre nur auf Wegen!" und "Hinterlasse keine Spuren". Damit sind Bremsspuren gemeint, passend zu der Regel, immer so zu fahren, dass man sein Rad unter Kontrolle hat. Respekt vor anderen, Rücksichtnahme auf Tiere, egal, ob Wild- oder Weidetiere, gehören ebenfalls zu den Regeln, genauso wie die Forderung, die Tour sorgfältig zu planen und möglichst an der eigenen Haustür zu starten.

Doch an die Trailrules halten sich nicht alle Biker, wie auch Yvonne Michel weiß und worüber Christoph Schießer sich manchmal nur ärgern kann. Er ist der Revierleiter im Callenberger Forst, der der Stiftung der Sachsen-Coburg und Gotha'schen Familie gehört. Im Callenberger Forst befindet sich das "Loch", ein kleiner Bereich mit Senken und engen Kurven, wo sich Biker gerne tummeln.

Wenn es nur dabei bliebe, könnte Christoph Schießer damit leben. Aber es wurde auch schon mal ein Trail angelegt, der vom Loch den Hang hinunter zu einem Wirtschaftsweg führte. Das kann, will und muss Schießer nicht dulden. Es habe sich auch schon einmal ein schlimmer Unfall ereignet, bei dem ein Radfahrer am Ende des Trails gegen einen Baum prallte, erzählt er. Schießer kam zufällig dazu und konnte dank seiner Ortskenntnis die Rettungskräfte an die Unfallstelle lotsen. "Die haben sofort einen Hubschrauber gerufen. Der wurde direkt in die Neurochirurgie gebracht", berichtet Schießer.


Auf geeigneten Wegen erlaubt

Das bayerische Naturschutzgesetz besagt, dass jeder den Wald zu Erholungszwecken betreten darf. Reiten und Radfahren ist auf geeigneten Wegen erlaubt - aber ein eigenmächtig gespurter Trail ist kein geeigneter Weg. "Wir lehnen das prinzipiell ab", betont Schießer. "Ich untersage das jedem. Es gibt auch keine Duldung."

Lediglich das Loch habe er "den Kindern" zugestanden, sagt Schießer. "Ich will ja auch keinen Spaß verderben." Aber für ihn sind Grenzen erreicht, wenn auf weiter Fläche Müll liegen bleibt oder Bäumchen gefällt werden, um zusätzliche Hindernisse zu errichten. "Das ist Sachbeschädigung", betont der Revierleiter.

Alles Dinge, die sich aus Sicht von Yvonne Michel von selbst verbieten: "Ich kann ja auch keine Schanzen bei jemandem in den Garten stellen", sagt sie. Aber andererseits fände sie es gut, wenn es gerade für Jugendliche solche Strecken gäbe "zum Hochpedalieren und Runterschreddern".
Einen solchen Hang hat die Stadt Coburg in Wüstenahorn angelegt, in der Nähe des Bolzplatzes an der Scheuerfelder Straße: Seit gut fünf Jahren gibt es dort die Dirtbike-Bahn. Weitere ausgewiesene Strecken werde es auf städtischem Grund nicht geben, stellt Bernhard Ledermann klar, der Leiter des Grünflächenamts. "Wenn man Strecken ausweisen würde, hätte man eine erhöhte Verkehrssicherungspflicht. Dann habe ich auch einen erhöhten Kontrollaufwand."

Bei normalen Waldwegen gilt: Wer hier unterwegs ist, muss mit waldtypischen Bedingungen rechnen. So steht es sinngemäß im Deutschen Waldgesetz. Was das Betretungsrecht des Waldes angeht, so sind die Länder zuständig, und das führt zu unterschiedlichen Regelungen. Während in Bayern das Fahren auf "geeigneten Wegen" erlaubt ist, schreibt Baden-Württemberg eine Mindestbreite von zwei Metern vor. Im benachbartem Thüringen ist das Fahren auf "befestigten Wegen" grundsätzlich erlaubt, auf den übrigen Forststraßen und -wegen brauchen Mountainbiker die Zustimmung des Waldbesitzers.

Saisoneröffnung
Schnuppertag Der Verein Run & Bike veranstaltet am Samstag, 14. April, einen Schnupper- und Aktionstag für alle Interessierten des Bergradelns. Treffpunkt ist um 13 Uhr an der Sporthalle der HUK-Coburg in der Willi-Hussong-Straße. Neben einem Geschicklichkeitsparcours, bei dem das Mountainbiken spielerisch vermittelt wird, werden geführte Touren ins Coburger Land in verschiedenen Schwierigkeitsgraden angeboten. Geschulte Mitglieder des Run and Bike-Team Coburg führen und begleiten die Touren. Informationen über die Aktivitäten der Mountainbike-Abteilung runden das Programm ab. Wer mitfahren möchte, muss ein funktionstüchtiges Mountainbike, der Witterung angepasste Kleidung und natürlich einen Fahrradhelm dabei haben. Die Umkleiden und Duschen der Sporthalle können genutzt werden.

Ausfahrt Das Run & Bike-Team Coburg informiert über seine Ausfahrten auf seiner Facebookseite. Am Sonntag, 8. April, 10 Uhr, startet zum Beispiel eine Mountainbike-Tour über rund 20 km an der Schule Seßlach.

Einsteigertour Der ADFC Coburg bietet am Sonntag, 22. April, eine etwa vierstündige Mountainbiketour für Einsteiger an. Treffpunkt ist um 10 Uhr der Marktplatz in Coburg. Auch der ADFC Coburg informiert über aktuelle Angebote auf seiner Facebookseite.