Glyphosat, Nitrat, Phosphat - Reizworte für die Landwirtschaft gibt es derzeit mehr als genug, wenn es um das Thema des sauberen Trinkwassers geht. Der praktische Umgang mit dem Pflanzenschutz, die aktuellen gesetzlichen Vorgaben sowie Informationen aus der Praxis standen bei den Pflanzenbautagen des Coburger Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) auf der Tagesordnung. "Die drei Pflanzenbautagen wurden gut angenommen. Wir hatten rund 350 Besucher", berichtete Adolf Ruff vom AELF.
Ruff gab zunächst einen Rückblick auf das Jahr 2017 mit seinen teilweise extremen Witterungsverhältnissen. Das Fazit von Ruff, Fachberater aus dem Bereich "Bildung und Beratung" in Coburg: "2017 war wieder eines der wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, die Jahrestemperaturen stiegen in den vergangenen Jahren kontinuierlich an." Den Klimawandel müsse man demnach als Realität ansehen. Wetterextreme wie Starkregen und Unwetter, aber auch längere Trockenphasen, habe es vermehrt gegeben. Aber, das betonte Ruff auch: Die Landwirtschaft könne der Bodenerosion durch Mulchsaat, den Anbau von Zwischenfrüchten und konservativer Bodenbearbeitung entgegen wirken.
Beim letzten Pflanzenbautag des Jahres in der Gaststätte "Goldene Rose" informierte Reinhard Ostermeier vom Fachzentrum für Pflanzenbau über die Glyphosat-Problematik. Dort gehe es nicht mehr um Forschungsergebnisse und wissenschaftliche Erkenntnisse, sagte Ostermeier: "Es ist eine politische Kontroverse im Gange." Der Referent wies darauf hin, dass die Anwendung von Unkrautmitteln auf Wegen, Straßenrändern oder Böschungen nicht zulässig sei. Besonders die Hangauflagen, riet Ostermeier, seien zu beachten. Auch wenn Mittel als "nicht bienengefährlich" eingestuft seien, empfahl der Referent, die Anwendungen bei bereits blühenden Rapsflächen vorsorglich in die Abendstunden außer des Bienenfluges zu verlegen.
Hauptthema war die neu geltende Düngeverordnung. Ziel dieser ist es, Grundwasser und Oberflächengewässer zu schützen und die Qualität dort zu verbessern, wo es Probleme mit erhöhten Nitrat- oder Phosphatwerten gibt. Alexander Kavka (bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft) erläuterte die Kernpunkte der neuen Düngeverordnung. Er verwies auf die erweiterten Sperrfristen in den Wintermonaten, in denen keine Düngung erlaubt ist. Seit diesem Jahr müssen Landwirte vor jeder Düngemaßnahme eine schriftliche Nährstoffberechnung erstellen. Dort müssen viele Punkte (Vorfrucht, Bodenart, Ertragserwartung, Bodenuntersuchung, Menge und Art der eingesetzten organischen Dünger) berücksichtigt werden. Dass diese Vorschrift samt einem dazugehörigen Computerprogramm erst recht kurzfristig den Landwirten präsentiert wurde, blieb nicht ohne Kritik. So hätte sich Martin Flohrschütz (Coburger Kreisobmann beim Bayerischen Bauerverband) mehr Zeit zur Vorbereitung auf die neuen Richtlinien gewünscht. Gleich mehrere Landwirte monierten grundsätzlich die zunehmende Bürokratie und Reglementierung bei der Flächenbewirtschaftung.
Anton Weig (Amt für Landwirtschaft Coburg) stellte die ersten Versuchsergebnisse zum Anbau der Becherplanze (Silphie) im Coburger Land vor. Diese gilt als Alternative zum Silomais. Weig informierte auch über den pfluglosen Umbruch von Kleegrasbeständen mit verschiedenen Bodenbearbeitungsgeräten und den Anbau von Zwischenfrüchten.


Wie war denn das Wetter aus Sicht der Landwirtschaft?

Frühjahr: Es war anfangs relativ kalt und trocken, ab Juni fielen dann ungewöhnlich große Regenmengen, was zu Ernte- und Qualitätseinbußen beim Getreide führte.

Herbst: Diese Jahreszeit war viel zu nass. Die Bestellung der Kulturen entwickelte sich für die Landwirte oft zu einer großen Herausforderung, aufgrund vernässter Flächen war sie mancherorts auch gar nicht mehr möglich.