Die Rudolf-Steiner-Schule im Coburger Stadtteil Beiersdorf hat am Montag 18 Schülerinnen und Schüler aus der zwölften Jahrgangsstufe nach ihrem Erfolg beim Waldorf-Abschluss verabschiedet. Sechs der jungen Leute haben bei der Realschule Neustadt bei Coburg in einer externen Prüfung außerdem den Realschulabschluss erworben. Ein Teil der bisherigen Zwölftklässer wird seinen Weg an der Rudolf-Steiner-Schule noch bis zum Abitur fortsetzen.

"Wir wurden zu einem unschlagbaren Team", sagten Nora Andiel und Lea Fischer im Rückblick auf zwölf gemeinsame Jahre. Freilich gestanden sie auch, dass Mädchen und Buben in den ersten Jahren noch durchaus gefremdelt hatten. Elternsprecher Dieter Bätz meinte, mit dem erfolgreichen Abschluss sei ihm und vielen anderen Eltern sicherlich ein Stein vom Herzen gefallen. Latente Vorbehalte gegen die Waldorfpädagogik, auf die er vor zwölf Jahren noch gestoßen sei, seien nicht bestätigt worden. Im Gegenteil: "Es ist dem Schulleiter Hans-Joachim Döhner sogar gelungen, den Kindern die Freude an der Mathematik beizubringen." Die Klassengemeinschaft und die Lehrer seien
wichtige Begleiter auf der Rudolf-Steiner-Schule gewesen.


Viele Wege stehen offen

"Das Abschlusszeugnis einer bayerischen Realschule öffnet viele Wege", sagte Realschuldirektorin Sabine Hoffrichter. Sie warb für eine kritische Reflexion der Prüfungsergebnisse: "Aus welchen Fächern haben Sie gelernt? Was können Sie gut? Was können Sie besonders gut?" Hoffrichter lobte die offene und unkomplizierte Zusammenarbeit mit den Kollegen der Rudolf-Steiner-Schule.

Mit einem freundlichen Augenzwinkern ließ Klassenbetreuer Thomas Fuchs die Ereignisse in den vergangenen Jahren Revue passieren. Der vermeintliche Graben zwischen den Geschlechtern sei zunächst durch einige Überläufer immer flacher geworden. Eine gute Idee sei auch der sogenannte Psycho-Waldorf-Sitzkreis gewesen. Lehrer Fuchs: "Man/frau sitzt meist ruhig und meist gesittet nebeneinander, und man/frau lässt ausreden, hört einander zu ..." Und ausgerechnet William Shakespeares Frühwerk "Der Widerspenstigen Zähmung" sei Unterrichtsstoff in der Oberstufe gewesen. "Also genau jenes Stück, in dem der Kampf der Geschlechter bis zu einem nicht alle wirklich überzeugenden Ende geführt wird", sagte Fuchs. "War das Zufall? Ein Wink des Schicksals? Oder doch die Rache des Deutschlehrers?"

Fuchs mahnte auch Tugenden an, die jenseits der herkömmlichen schulischen Leistungsfeststellung liegen. "Vielleicht kommen Sie für sich zu dem Ergebnis, dass gar nicht die Eins im Fach X Ihre größte
Leistung darstellt, sondern tröstende und mutige Worte für einen Ihrer Mitschüler in heikler Situation oder treue, ganz wortlose Dienste über Wochen." Ilse Beyer betreute die Abschlussschüler in ihren
Grundschuljahren und ließ diese Zeit in Lichtbildern Revue passieren.

Musikalische Akzente setzten der Chor der sechsten uns siebten Klassen unter der Leitung von Katja Heußel. Weiter wirkten mit Saskia Fruntke, Lukas Konstantin Trumpp, Adrian Schneider und Nils Schneider.

Den Waldorf-Abschluss gab es für Antonia Ambrosius, Nora Andiel, Simone Bauer, Lea Fischer, Saskia Fruntke, Noah Gemmer, Paul Göbell, Konrad Grehl, Wilhelm Grehl, Leonore Grehl, Jonathan Leimeister, Friederike Löchte, Emilia Peschla, Lukas Konstantin Trumpp, Adrian Schneider, Kilian Suffa, Konrad Wolf und Judith Ziesmer. Zusätzlich erwarben das Zeugnis der Mittleren Reife (Realschulabschluss): Nora Andiel, Saskia Fruntke, Konrad Grehl, Leonore Grehl, Lukas Konstantin Trumpp und Judith Ziesmer.