Neustadt bei Coburg
Spielhallenraub

Neustadt bei Coburg: Spielhalle überfallen - vier Jahre Haft für 30 Sekunden

Ein 28-jähriger Neustädter muss für einen Spielhallen-Überfall ins Gefängnis. Die Strafe hätte auch höher ausfallen können
Im Prozess um den Spielhallen-Überfall Ende Mai in Neustadt bei Coburg ist das Urteil gefallen. Berthold Köhler

Vier Jahre Haft wegen versuchter besonders schwerer räuberischer Erpressung: So lautet das Urteil gegen den 28-Jährigen aus Neustadt bei Coburg. Das Landgericht Coburg sah es als erwiesen an, dass der rumänische Staatsbürger für den Überfall auf eine Spielhalle in Neustadt am 29. Mai dieses Jahres verantwortlich war. Bewaffnet mit einem Messer hatte der Vermummte nachts versucht, von der Angestellten Bargeld zu erbeuten. Als dies misslang, floh der Täter.

48 Monate für den erfolglosen Raub, der nur 30 Sekunden dauerte. Dieses Strafmaß verkündete Richter Dr. Christoph Gillot am Mittwochnachmittag (2. Dezember 2020). Der Staatsanwalt hatte sechs Jahre und sechs Monate gefordert. Er ging von zwei Versuchen aus: Der Täter hätte zunächst Geld aus der Kasse und dann Geld aus dem Wechselgeld-Automaten erbeuten wollen. Verteidiger Christian W. Martin plädierte auf Freispruch. Einerseits sei die Täterschaft des 28-Jährigen nicht zwingend erwiesen, andererseits habe sich der Angeklagte freiwillig zurückgezogen und vom Tatort entfernt.

Spielhallen-Überfall in Neustadt bei Coburg: Erfolgloser Raub dauert nur 30 Sekunden

Das Gericht sah die Beweise jedoch als erdrückend an. Wenn die Indizien ein so stimmiges Bild ergäben, dann müsse sich das Gericht letztlich auch nicht dumm stellen, sagte Richter Gillot. Zudem war das Gericht überzeugt, dass er nur aufgab und floh, weil er bemerkt hatte, dass die 68-jährige Angestellte den Alarmknopf gedrückt hatte.

Zur Verurteilung maßgeblich beigetragen hatte die Aussage der Zeugin, die der Täter bedroht und mit den Worten "Überfall!, Kasse auf!, Geld her!" zur Herausgabe von Wechselgeld aufgefordert hatte. Die Angestellte war sicher, den Täter erkannt zu haben. Erst eine Stunde vorher hatte der regelmäßige Kunde als Letzter die Spielhalle verlassen. Unklar blieb, warum er sich Hoffnung auf Bargeld gemacht hatte. "Unsere Kunden wissen, dass kein Bargeld in der Kasse ist und auch, dass wir nicht an Wechselgeld herankommen", hatte die Zeugin gesagt.

Gegen den Angeklagten sprachen auch die sichergestellten Kleidungsstücke, die markante Übereinstimmungen mit denen des Täters in den Video-Aufzeichnungen aus der Spielothek zeigten. Ein ebenfalls sichergestelltes Messer könnte als Tatwaffe gedient haben. Der Angeklagte selber hatte keine Aussagen gemacht.

Strafmilderung wegen Spielsucht

Am letzten Verhandlungstag gab es nochmals eine längere Unterbrechung, nachdem der Verteidiger ein Gutachten beantragt hatte, das über eine mögliche Spielsucht des Angeklagten Auskunft geben sollte.

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Dazu kam es nicht mehr. Dass er spielsüchtig war, wurde dem Rumänen vom Gericht unterstellt - und führte zu einer Strafmilderung. Das reguläre Strafmaß hätte fünf bis fünfzehn Jahre betragen. Die bereits halbjährige Untersuchungshaft, in der sich der Rumäne seit seiner Verhaftung Ende Mai befindet, wird auf das Strafmaß angerechnet.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Ob die Verteidigung in Revision gehen wird, blieb unklar.