Alles ist dunkel. Alessio Fochesato steht am Rand der Manege, mit einem Schlag fällt das Scheinwerferlicht auf den kleinen Mann im Anzug. Doch die eigentliche Attraktion befindet sich noch hinter den Kulissen. Mit rasanter Geschwindigkeit saust sie schließlich hinter dem Vorhang hervor, aus dem Dunkeln in den Schatten des Mannes bis ins Licht und landet auf seinem Arm. Es ist ein Ara, ein wunderschöner, farbenprächtiger Papageienvogel, der den Zuschauern in diesem Moment den Atem raubt.

Einer schöner als der andere, kreisen sie über den Köpfen des sprachlosen Publikums. Pressesprecherin Susanne Matzenau sollte Recht behalten: "Das ist Gänsehautfeeling pur, da kann man gar nicht anders." Eine Reise um die Welt, wie es das Motto der "Evolution"-Show ist, braucht eben immer auch einen Hauch von Dschungelatmosphäre.

International ist aber nicht nur das Programm, sondern auch seine Darsteller: Clowns, Akrobaten, Tänzer, Artisten aus 14 Nationen sind für die Vielfalt der Show verantwortlich. So sorgen besonders die "Flying Zunigas" aus Argentinien und Brasilien für Nervenkitzel direkt unter der Zeltkuppel. Am Trapez klettern, fliegen und wirbeln die Artisten in nahezu perfektem Timing durch die Lüfte, nahtlos gehen die Griffe ineinander über.

Und der Brasilianer "Crazy Wilson"? Der lässt sich im Todesrad von der Fliehkraft mitreißen und scheint zugleich die Gesetze der Schwerkraft zu durchbrechen. Mit einem Salto mortale auf den Außenseiten seines rotierenden Rades bringt er das Publikum noch vor der Pause zu "Standing Ovations".

"Lachen, Träumen, Staunen - das macht einen guten Zirkus aus, in dem man auch mit offenen Augen träumen kann", versichert Susanne Matzenau. Tatsächlich: Da stolzieren kraftvolle Hengste in Weiß und Schwarz, da brüllen 26 Tiger und Löwen, liegen ihrem Dompteur Martin Lacey Junior trotz aller Eigenwilligkeit zu Füßen, da klatschen massige Seelöwen mit ihren Flossen und balancieren mit paradoxer Eleganz den Ball auf ihrer Schnauze.

Frech drehen die Lamas ihre Runden und irgendwie trotzig türmen sich die Elefanten mit ihren wunderschönen Artistinnen im glitzernden Kostüm auf. Prachtvoll geschmückt sind die Dickhäuter mit einer Krone. Sie sind die Wappentiere des Circus, versinnbildlichen die 111 Jahre alte Manege wie kein anderes der über 200 Tiere - oder 400 Akteure. Doch jeder einzelne Stein des Mosaiks trägt dazu bei, dass man lacht, dass man träumt, dass man staunt.