Die Initiative Rodachtal möchte ihr Potenzial im Bereich Tourismus stärker ausschöpfen. Das ist seit vier Monaten die Aufgabe von Anna Hertwig vom Erfurter Planungsbüro IPU. Im Gespräch mit dem Tageblatt erzählt sie, wo sie noch Verbesserungsmöglichkeiten sieht und was aus ihrer Sicht den Reiz des Rodachtals ausmacht.

Frau Hertwig, wie lief denn Ihr Einstieg in den Job? Anna Hertwig: Gut! Ich bin sehr positiv überrascht von dem Engagement, das hier an jeder Ecke herrscht. Und davon, dass hier alle vorwärts kommen wollen. Ein großer Dank geht an die Kollegen in der Geschäftsstelle, die mich so freundlich aufgenommen haben. Auch die Bürgermeister und Touristinformationen waren super hilfreich. Man muss nirgendwo betteln, sondern kriegt sofort die Hand gereicht.

Wie sieht Ihr Alltag aus? Mein Alltag ist bunt gemischt. Da ist alles dabei, von Strategieentwicklung und Meetings bis zu ganz grundsätzlichen Dingen. Auch Facebook-Betreuung, Korrekturlesen von Texten oder eine Bildauswahl treffen gehören dazu.

Hatten Sie seit Ihrem ersten Tag schon Gelegenheit, sich im Rodachtal ausgiebig umzuschauen? Ja, aber dadurch, dass ich gar nicht so weit weg wohne, war mir das Rodachtal sowieso nicht ganz unbekannt. Ich war zum Beispiel schon einmal im Zweiländermuseum. Das ist aber schon eine Weile her gewesen, da war eine Auffrischung notwendig. Die sogenannten Hauptleuchttürme der Region habe ich mittlerweile alle abgegrast. An Ostern waren wir auf der Veste Heldburg und haben das Burgenmuseum angeschaut. Die Familie muss da immer herhalten und mitkommen. (lacht)

Was sind für Sie die Hauptattraktionen des Rodachtals? Die Hauptattraktion ist auf jeden Fall die Gesamtkulisse, mit der Naturnähe, dem grünen Band und der allgemeinen Ausrichtung auf Aktivität und Gesundheit. Da sind die Radwege, die Wanderwege und die Thermen natürlich ein großes Hauptkerngebiet. Die Thermen arbeiten auch super miteinander. Das ist etwas, was ich aus anderen Regionen gar nicht kenne: Dort wird die Konkurrenz vor Ort als Gegner gesehen. Das harmoniert im Rodachtal unwahrscheinlich gut. Der absolute Leuchtturm ist die Veste Heldburg mit dem Burgenmuseum, wo Geschichte und Kultur zusammengefasst werden.

Sind die Veste Heldburg und das Museum trotzdem noch zu unbekannt? Das Burgenmuseum ist ja 2016 erst neu entstanden. Man muss den Sachen auch Zeit geben. Nach der Entstehung und Einrichtung ist vor allem wichtig, dass wir den Gästen auch erzählen, dass es das Burgenmuseum gibt. Kommunikation und Vermarktung sind jetzt sehr wichtig. Ich bin froh, dass es in der Region generell ein Marketingbudget gibt. Damit kann ich zwar keine internationalen Kampagnen fahren, aber dennoch ist es genug, um strukturiert und gezielte Akzente zu setzen.

Wo haben Sie noch Verbesserungspotenzial entdeckt? Ich glaube, es ist normal, dass man Arbeitsabläufe an seine eigenen Strukturen anpasst. Online-Marketing ist zum Beispiel mein Schwerpunkt, der in der nächsten Zeit auch verstärkt genutzt werden wird. Das ist mein persönlicher Einfluss. Online kann man sehr gezielt arbeiten und bestimmte Sachen einfach ein bisschen mehr fördern, wie zum Beispiel Veranstaltungen. Das ist ein Detail, das ich gefunden habe, das man in der Zukunft einfach optimieren muss.

Es gibt in der Region ja noch andere Organisationen, die den Tourismus weiter voranbringen wollen. Zum Beispiel der Verein Tourismusregion Coburg-Rennsteig. Kommt man sich da in die Quere? Nein. Ich muss sagen, das geht Hand in Hand. Wir sind ein Teil der Coburg-Rennsteig-Region mit relativ gefestigten Strukturen. Wir sind ein sehr guter Partner, weil wir die Manpower haben, um aktive Zuarbeit zu leisten. Nicht jede Region im Gebiet von Coburg-Rennsteig ist da so gut aufgestellt. Von daher hatten wir schon viele Meetings, verzahnen uns immer mehr und arbeiten auf Augenhöhe mit kompetenten Leuten. Das funktioniert super.

Sie arbeiten von Erfurt aus. Warum sitzen Sie nicht in der Geschäftsstelle in Ummerstadt? Unser Planungsbüro IPU sitzt in Erfurt und hier laufen neben der Initiative Rodachtal noch weitere Projekte. Wir betreuen mehrere Destinationen, vor allem im Bereich Regionalentwicklung. Die Initiative ist eines meiner Großprojekte. Ich bin daher relativ viel auf Terminen im Rodachtal unterwegs und treffe mich in der Geschäftsstelle Ummerstadt regelmäßig zum Austausch mit dem Kollegenteam, das vor Ort die Aktivitäten und Projekte betreut und umsetzt.

Wie würden Sie einem Touristen das Rodachtal in wenigen Sätzen schmackhaft machen? Das Rodachtal ist ideal für jemanden, der raus, aber trotzdem nicht weit fahren möchte. Es liegt absolut zentral in Deutschland, nahe an der Autobahn und trotzdem bekommt man vom Trubel nichts mit, weil man einfach mitten in der Natur ist. Dann sind da noch die Besonderheiten, die kulturell gewachsen sind: Die ganze Grenzgeschichte ist total interessant. Zum Beispiel, dass die Dörfer quasi über die Grenze hinweg trotzdem miteinander kommuniziert haben. Da gibt es so viele wahnsinnig spannende Geschichten zu erzählen.

Das Gespräch führte Jann Weckel.