Matthias Straub hat einen spannenden Monat hinter sich. Seit der zweiten Mai-Woche probt Coburgs Schauspieldirektor auf der Freiluft-Bühne des Landestheaters rund um den Herzog-Alfred-Brunnen im Hofgarten - Wochen, in denen es um raffinierte Intrigen und spektakuläre Fechtszenen ging. Wochen, in denen sich die Dialoge, die Schauspieldramaturg Fabian Appelshäuser nach dem Roman von Alexandre Dumas geschrieben hat, in lebendige Theaterszenen verwandelt haben. Wochen aber auch, in denen es für Matthias Straub als Regisseur immer wieder auch im Zahlen ging - nicht nur um die leidigen Abstandsregeln in Corona-Zeiten.Vielmehr ging es auch um das bange Hoffen auf möglichst gegenläufig sich entwickelnde Zahlen: um hoffentlich steigende Temperaturen und sinkende Inzidenzwerte.

Bei oftmals widrigen Witterungsbedingungen hatte die Darsteller- und Komparsenschar nicht nur mit oftmals kühler Witterung und reichlich Niederschlägen zu tun, sondern auch mit (nicht durch das Corona-Virus bedingten) Krankheitsfällen im Ensemble zu kämpfen.

In wenigen Wochen aber hat sich aus vielen Puzzleteilen ein buntes Mantel- und Degen-Abenteuerstück zusammengefügt. Wie er die Probenzeit unter Corona-Bedingungen und bei April-Wetter im Mai erlebt hat, verrät Matthias Straub im Interview.

Die Proben für "Die drei Musketiere" finden unter freiem Himmel und manchmal auch bei trockenem Wetter unter freiem Himmel statt. Wie sieht das Hygiene-Konzept für diese Probenarbeit unter Freiluft-Bedingungen aus? Gibt es Unterschiede zum Probenbetrieb in geschlossenen Räumen?

Matthias Straub: Ihre Formulierung "bei trockenem Wetter" lässt mich doch etwas schmunzeln, da der diesjährige Wonnemonat uns bisher sehr wenig Sonne geschenkt hat. Trotzdem müssen wir unter freiem Himmel proben, weil wir die Dimensionen der Freilichtbühne auf unseren Probebühnen nicht abbilden können. Und die Wege und Arrangements auf der Bühne müssen die Schauspieler plus alle Beteiligte der Statisterie trainieren und verinnerlichen. Vorteil der großen Fläche ist, dass wir die Abstandsregeln ohne Probleme einhalten können. Und weil das ganze Team von Inspizienz, Assistenz, Soufflage und Regie sich auf der Tribüne verteilen kann, dürfen wir sogar die Masken abnehmen. Das ist aber schon der einzige Unterschied zu den Proben auf der Probebühne. Der Lohn fürs freie Atmen ist aber, immer mal wieder nass zu werden.

Wie haben Sie die Probenzeit zu den "Drei Musketieren" erlebt - immer in der Ungewissheit, ob der angestrebte Premierentermin auch eingehalten werden kann beim Blick auf die Inzidenzwerte?

Angefangen hat alles wie die klassische Freilicht-Sommer-Komödien-Probenzeit - sehr unbeschwert, mit Leichtigkeit und viel Spaß. Doch plötzlich zogen düstere Wolken auf am Horizont des Vergnügens: die Inzidenzzahlen wollten und wollten nicht runter, die Temperaturen wollten und wollten nicht rauf, im Ensemble gab's immer mal Krankheitsfälle, die anfangs noch gut zu kompensieren waren, gegen Ende wird es nun aber doch noch ein Zitterpartie, die Schauspieler stürzen sich ins Gefecht mit unseren wackeren Kampfstatisten, was immens viel Arbeit bedeutet, und manch einer ging auch schon mit blauen Flecken oder anderen Blessuren nach hause. Im Moment drücken wir uns selbst die Daumen, dass alles gut wird - und wir das Theaterwunder einer stattfindenden und hoffentlich sogar erfolgreichen Premiere erleben dürfen.

Was ist aus Sicht des Regisseurs die größte Herausforderung bei dieser Inszenierung?

Die größte Herausforderung ist das Unberechenbare, sowohl in der Planung als auch im Probenfortschritt, weil das Wetter immer querschießen kann, oder Corona die Planung zerstört, oder oder oder. Man kann außerdem sagen, dass mehr als ein Drittel der Probenzeit für die Kampfchoreografien draufgeht. Aber der zeitliche Anteil der Kämpfe bei der Vorstellung selbst ist am Ende sehr gering. Die Gefechte sind so komplex und simultan von unserem Kampftrainer Jean Loup Fourure gearbeitet, dass sie wie ein Wirbelwind vorbeirauschen und man den Aufwand, den die Choreografien gekostet haben, höchstens erahnt. Aber genauso soll es ja bei guter Unterhaltung sein: leicht und spielerisch muss es daherkommen, ohne dass man die Arbeit, die darinsteckt, sieht oder spürt.

Was hat den Ausschlag gegeben für die Wahl dieses Stoffes nach dem Roman von Alexandre Dumas?

Am Ende einfach der Titel! Das ist ein Volltreffer, weil ihn jeder kennt, alle können sich ein Bild davon machen, worum es geht, und trotzdem hat keiner eine konkrete Ahnung davon, was ihn im Hofgarten erwartet. Das ist das Schöne daran. Denn schließlich hat uns unser Dramaturg Fabian Appelshäuser eine ganz eigene Version für die Sommerfestspiele und unserem Ensemble die Figuren auf den Leib geschrieben. Unsere Schauspielerin Marina Schmitz sagte im Vorfeld schon leicht pikiert: "Ich will auch fechten!" Und nun - hat Anna von Österreich am Ende ein Duell mit Lady de Winter. Ausgang offen!!!

Im Jahr 2019 fanden die ersten Hofgarten-Festspiele statt. Was hat sich aus Sicht der Akteure verändert jenseits der Corona-Auflagen?

Wir werden größer! Da in diesem Jahr das Musiktheater verstärkt den Spielplan im Hofgarten mitgestaltet, gab es erweiterte Anforderungen an Bühne und Backstage-Infrastruktur. Wir benötigten mehr Platz zum Unterstellen und zum Aufenthalt der Beteiligten bei spontanen Wetterumschwüngen. Und da wir bei der Anzahl der Beteiligten nicht kleiner werden wollten, nötigt uns Corona mehr Fläche bei den Aufenthalts-, Masken- und Umkleideräumen ab. Unser technischer Leiter Daniel Kaiser hat aber wieder mal in enger Zusammenarbeit mit dem Grünflächen- und dem Ordnungsamt ganze Arbeit geleistet, und so entsteht im Hofgarten auch in diesem Sommer wieder ein komplettes Theater - mit allem drum und dran.

Angesetzt ist eine Spieldauer von mehr als zwei Stunden. Wie sehen die Regelungen für die Pause aus?

Für das leibliche Wohl wird bestens gesorgt sein, denn auch in diesem Sommer wird Martina Beck von ihrem Pavillon aus das Publikum vor und nach der Vorstellung sowie in der Pause mit Essen und Getränken beglücken. Sie hat dafür ein ausgefeiltes Einbahnstraßensystem rund um den Bühnentrakt entwickelt. Auch soll sich das Publikum schon vor Beginn der Vorstellung eingeladen fühlen, weshalb es außerhalb der Tribüne die Möglichkeit geben wird, sich ein Gläschen von was auch immer zu genehmigen. Darum gibt es mehrere Ausgabestellen für Getränke, so dass man das "Gesamterlebnis Freilichttheater" von Anfang bis Ende voll genießen kann.

Mit welchem Slogan würden Sie als Werbetexter "Die drei Musketiere" auf die Bühne schicken?

"Ein junger Wildfang vom Lande trifft auf drei waghalsige Kerle, die mit der Zunge genauso schlagfertig sind wie mit dem Degen. Das Abenteuer treibt sie in die Arme schneidiger Damen, während ein zwielichtiger Geistlicher seine Garde plus Hauptmann dafür benutzt, eine hemmungslose Intrige zu starten." Zu lang? Dann einfach: "Einer für alle und alle für einen!"

Rund um "Die drei Musketiere" im Coburger Hofgarten

Theater-Tipp "Die drei Musketiere" - von Fabian Appelshäuser nach Alexandre Dumas - Premiere: Samstag, 5. Juni, 19.30 Uhr, Freilichtbühne im Hofgarten

Hygiene-Regeln Besucher müssen beim Einlass einen gültigen Schnelltest bereit halten (negativer Antigen-Schnelltest maximal 24 Stunden alt, negative PCR-Test höchsten 48 Stunden alt vor Veranstaltungsbeginn, Impfnachweis 14 Tage nach der abschließenden Impfung; Nachweis zur Genesung, mindestens 28 Tage und maximal sechs Monate alt). - Weitere Details zu den gültigen Hygiene-Regeln unter www.landestheater-coburg.de/hygiene