Der Traum lebt! Aber: "Wir sind keine Träumer". Stefan Apfel ist alles andere als ein "Traumtänzer" - der Vorstandssprecher des Handball-Erstligisten HSC 2000 Coburg ist viel mehr ein Mann der klaren Worte und spricht im Tageblatt-Doppel-Interview ebenso wie HSC-Geschäftsführer Jan Gorr Tacheles.

Schließlich könnten ja alle im Verein die Tabelle lesen. Jedem sei die schwierige Situation, in der sich der Aufsteiger derzeit befindet, ganz klar bewusst. Trotzdem lässt der Ex-Torwart ein Hintertürchen auf und will damit vor der entscheidenden Saisonphase sicher auch noch einmal wachrütteln: "Es sind immerhin noch 13 Spiele. Man weiß nie, was da noch passieren wird." Aufgeben kommt für ihn und seine "Gelb-Schwarzen" also nicht in Frage.

Und passiert ist in den vergangenen Monaten viel in der "Handball-verrückten Vestestadt" - und das trotz Corona und obwohl die vielen treuen Fans längst nicht mehr hautnah an ihrer Mannschaft dran sein dürfen. Die Pandemie ist all gegenwärtig und macht allen zu schaffen - doch auch bei diesem verflixten Dauerthema zeigen die Verantwortlichen des Tabellen-Schlusslichtes Kampfgeist: "Wir sind eine starke Einheit und werden der Situation trotzen", so Geschäftsführer Jan Gorr. Die beiden Hauptverantwortlichen des Coburger Erstligisten standen unserer Zeitung Rede und Antwort:

Herr Apfel, plant der HSC Coburg bereits für die 2. Liga oder glimmt noch ein Fünkchen Hoffnung, den Klassenerhalt in der 1. Liga zu schaffen?

Stefan Apfel: Natürlich planen wir in unserer jetzigen sportlichen Situation zweigleisig und es gibt ja eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass wir nächstes Jahr in der 2. Liga antreten werden. Wir können die Tabelle lesen und sind keine Träumer. Wir wissen, wie schwierig unsere Ausgangssituation ist. Allerdings sind wir auch alle Sportler beim HSC und hoffen natürlich auch weiterhin auf den Klassenerhalt. Es sind immerhin noch 13 Spiele für uns zu absolvieren und man weiß nie, was da noch passieren wird.

Herr Gorr, unabhängig von der Ligazugehörigkeit ist die Personalplanung noch nicht abgeschlossen. Auf welchen Positionen muss weiter ergänzt werden? Es fehlt ja unter anderem noch ein Torwart für die nächste Saison, oder?

Jan Gorr: Das ist richtig. Wir hoffen sehr darauf, dass unser Eigengewächs Fabian Apfel auch weiterhin Leistungssport betreiben kann und auch nächste Saison einer unserer drei Torhüter sein wird. Unabhängig davon fehlt uns aber natürlich noch ein weiterer Keeper in unserem Kader, der den Abgang von Konstantin Poltrum kompensiert. Hier haben wir in den letzten Wochen viele Gespräche geführt und einige interessante Kandidaten unter die Lupe genommen. Deswegen werden wir hoffentlich in den nächsten Wochen Vollzug melden können. Ansonsten wäre es aus unserer Sicht wünschenswert, wenn wir nach dem Abgang von Pouya noch einen wurfstarken Rückraumspieler verpflichten könnten.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass die neue Saison mit Zuschauern in der HUK-Arena stattfinden kann?

Stefan Apfel: Wir hoffen, wie alle anderen Sportler auch, dass es in der nächsten Saison wieder möglich sein wird, vor Zuschauern zu spielen. Auch wenn man sich leider ein wenig an die jetzige Situation gewöhnt hat, fehlt ohne Zuschauer das Salz in der Suppe, und wer weiß, wie die jetzige Saison mit Zuschauern gelaufen wäre.

Würde der HSC eine weitere Corona-Serie überstehen können oder wäre die Fortsetzung der Pandemie gleichbedeutend mit dem Aus für höherklassigen Handball in der Vestestadt?

Jan Gorr: Wenn ich mir die vielen Unwägbarkeiten anschaue, mit denen wir tagein, tagaus zu kämpfen haben, kann ich es mir aktuell kaum vorstellen, dass die Vereine noch so ein Jahr durchleben können. Aber die Pandemie hat uns schon mehrmals vor neue Herausforderungen gestellt und sie wird uns auch noch eine ganze Zeit begleiten. Von daher versuchen wir zusammen mit unseren Mitarbeitern, unseren Sponsoren und unseren Fans auch weiter eine starke Einheit zu bilden und der Situation zu trotzen. Bis heute können wir auf jeden Fall stolz darauf sein, wie wir diese schlimme Zeit gemeinsam durchleben.

Sind die versprochenen, finanziellen Corona-Hilfen vom Bund inzwischen in Coburg angekommen und konnten alle Profis immer pünktlich bezahlt werden?

Stefan Apfel: Wir sind froh, dass wir in der schwierigen Zeit mit unserem Personal durchgehend einen Gehaltsverzicht vereinbaren konnten und durch die extra vom Bund für Profisportvereine entwickelte Corona-Hilfe zumindest ein wenig Unterstützung erhalten haben. Somit fällt es uns etwas leichter, unseren Verpflichtungen auch weiterhin verlässlich und pünktlich nachzukommen.