Als der Vorhand-Volley im Netz landet, lässt Kevin Krawietz seinen Ärger raus. Der Schläger fliegt zu Boden, ein Wutschrei hallt über den Center Court am Hamburger Rothenbaum. Wenig später steht die Niederlage des Witzmannsbergers und seines Partners Andreas Mies fest.

Im Viertelfinale der Hamburg European Open verlieren die Deutschen am Donnerstagvormittag gegen Wesley Koolhof (Niederlande) und Nikola Mektic (Kroatien) verdient mit 3:6, 5:7. Die Generalprobe für die French Open, in die Krawietz/Mies in der kommenden Woche als Titelverteidiger starten, ist verpatzt.

Dabei fand das deutsche Top-Doppel gut ins Spiel. Ohne Probleme brachten Krawietz und Mies ihre ersten Aufschlagspiele durch. Dasselbe galt jedoch auch für die Kontrahenten, die im Achtelfinale die an Position 2 gesetzte Paarung Rajeev Ram / Joe Salisbury (beide USA) aus dem Turnier warf. Über den ersten Aufschlag kaum angreifbar, gingen Mektic/Koolhof mit 3:2 in Führung und erspielten sich anschließend zwei Breakbälle, welche die Deutschen abwehrten. Zwei Spiele später schlugen Koolhof/Mektic aber zu: Einen zweiten Aufschlag von Mies returnierte Koolhof vor die Füße von Krawietz - das 3:5 und damit die Vorentscheidung des ersten Durchgangs. Problemlos servierte Mektic anschließend zum 6:3-Satzgewinn aus. Lediglich drei Punkte gelangen den Deutschen in fünf Aufschlagspielen von Koolhof und Mektic.

Im zweiten Durchgang blieben der Niederländer und sein kroatischer Partner am Drücker. Das lag zum einen an ihrer konstanten Quote beim ersten Aufschlag. Aber auch an der hohen Fehlerquote der Deutschen. Nach zwei knapp neben die Linie gesetzten Überkopf-Bällen verhinderte Mies mit einer starken Vorhand zwar das schnelle Break. Doch schon im nächsten Aufschlagspiel von Krawietz erzwangen die Gegner vier weitere Breakmöglichkeiten.

Den ersten Breakball wehrte Krawietz mit einem tollen Rückhand-Winner ab, anschließend setzte Koolhof eine Rückhand knapp neben die Linie. Aber beim Stand von 30:40 vollierte Koolhof eine zu schwache Vorhand von Krawietz zum Break ins Feld. Der Niederländer selbst ließ Krawietz/Mies dann auf die schnelle Antwort hoffen. Drei starken Aufschlägen ließ Koolhof zwei Doppelfehler und einen verpatzten Volley folgen, die erste Breakchance für die Lokalmatadoren war da. Mit einem Service Winner stellte Koolhof jedoch auf 4:2.

Wenig später servierte Koolhof zum Matchgewinn, doch plötzlich wackelte der Niederlänger. Ein unerzwungener Volleyfehler, ein starker Return-Winner von Krawietz sowie Koolhofs dritter Doppelfehler ermöglichten den Deutschen vier Breakchancen. Gleich die erste nutzten sie zum 5:5, Mies schien mit starken Aufschlägen schnell das 6:5 nachlegen zu können. Doch die Deutschen machten das Spiel nicht zu, leisteten sich zwei unerzwungene Fehler und mussten über den Entscheidungspunkt gehen. Krawietz patzte, sein Schläger flog, das Spiel war gelaufen. Mit einem Ass beendete Mektic die Hoffnungen von Krawietz und Mies auf ihr erstes Halbfinale seit zehn Monaten. Mit dünnem Selbstvertrauen, aber umso mehr Druck müssen die Deutschen nun in Paris wertvolle Ranglistenpunkte verteidigen.