Hätte die Play-off-Partie zwischen den TKS 49ers Stahnsdorf und dem FC Bayern München II (76:78) am Freitagabend drei Sekunden früher geendet, wäre der BBC Coburg jetzt noch mittendrin im Kampf um den Meistertitel in der ProB Süd. Stattdessen hat die "Corona-Saison" für das Team von Trainer Valentino Lott ein abruptes Ende gefunden. BBC-Geschäftsführer Wolfgang Gremmelmaier blickt im Tageblatt-Interview auf die ereignisreichen vergangenen Monate zurück, bewertet die Kooperation mit Brose Bamberg und nennt den seiner Meinung wichtigsten Mann im Verein.

Herr Gremmelmaier, mit welcher Schulnote bewerten Sie die abgelaufene ProB-Spielzeit des BBC Coburg?

Wolfgang Gremmelmaier: Mit einer 2+. Wir haben uns über die gesamte Saison hinweg permanent verbessert. Das hat sich auch in den Ergebnissen der Rückrunde widergespiegelt. Alle Mannschaften, die wir in der Hinrunde nicht besiegen konnten, haben wir in der Rückrunde geschlagen. Die Bestnote wurde letztlich nur durch das frühe Ausscheiden in den Play-offs verhindert.

Sie haben sich mit den anderen Verantwortlichen bewusst dazu entschieden, auf Importspieler zu verzichten und vornehmlich auf junge deutsche Spieler zu setzen. Fühlen Sie sich nach der Saison bestätigt?

Ich fühle mich komplett bestätigt. Wir haben mit dieser jungen Mannschaft sehr schönen Basketball gespielt. Ich habe von Anfang an davor gewarnt, dass es Schwankungen geben wird, die Mannschaft sich aber im Verlauf der Saison stabilisieren wird. Genauso ist es gekommen. Wir haben ohne Ausländer die beste ProB-Saison in unsere Vereinsgeschichte gespielt.

Jung war nicht nur die Mannschaft, sondern auch der neue Cheftrainer Valentino Lott. Einen solch erfahrenen Coach wie Ulf Schabacker zu ersetzen, ist für einen 29-Jährigen kein leichtes Erbe ...

Das war in der Tat ein Sprung ins kalte Wasser für Valentino, mit nicht einmal 30 Jahren als Cheftrainer einer ProB-Mannschaft zu agieren. Das war eine mutige Entscheidung, sowohl von ihm als auch von uns. Denn normalerweise befolge ich immer die alte Regel: Ein erfahrener Trainer für eine junge Mannschaft oder ein junger Trainer für eine alte Mannschaft, da kann die Mannschaft dann viel korrigieren. Wir hatten nun einen jungen Trainer für eine junge Mannschaft. Er hat sicher eine Lernphase durchgemacht, die Aufgabe aber insgesamt gut gemeistert.

Während Lott noch einen Vertrag besitzt, läuft der Kontrakt seiner Assistenztrainerin Jessica Miller aus. Wie ist die Tendenz hier?

Wir werden uns die nächsten Tage mit ihr zusammensetzen. Jessi hat ja jetzt familiären Zuwachs bekommen, da muss man mal schauen, wie sie das organisiert.

Organisiert werden musste in der Corona-Saison auch die Kooperation mit dem neunfachen deutschen Meister Brose Bamberg. Wie gut hat die Zusammenarbeit funktioniert?

Angesichts der Corona-Einschränkungen hat die Kooperation sehr gut funktioniert. Dass es nicht immer komplett reibungslos gelaufen ist, lag an den Corona-Beschränkungen, die von der Liga auferlegt werden, da kann Brose Bamberg nichts dafür. Beide Parteien haben aus dieser Pandemie-Situation das Beste gemacht.

Die Zusammenarbeit wurde vorerst nur auf eine Spielzeit angelegt. Wird die Kooperation verlängert?

Wir werden zu diesem Thema in den nächsten Wochen Gespräche führen. Von unserer Seite auf jeden Fall gerne und wenn Brose Bamberg das auch so sieht, werden wir die Kooperation fortführen. Vor allem im Bereich der jungen Nachwuchsspieler, die aus der JBBL und NBBL kommen. Da wird von Bamberg im Moment mit einigen sehr interessanten Talenten gesprochen.

Die zweite neu geschlossene Kooperation, mit den Regnitztal Baskets, kam aufgrund der abgebrochenen Regionalliga-Saison kaum zum Tragen. Ein großer Wermutstropfen?

Ja, aber da können weder Regnitztal noch wir etwas dafür. Das ist einfach der Pandemie geschuldet. Für die Spieler ist es einfach sehr schade. Denn die Idee dieser Partnerschaft ist es ja, den jungen Akteuren die Möglichkeit zu geben, in der Regionalliga viel zu spielen und zusätzlich in der ProB weitere Erfahrungen zu sammeln. Da die Regionalliga-Saison komplett ausgefallen ist, waren die Spieler nur bei uns im Kader und haben über die Saison gesehen teilweise sehr wenig Spielzeit bekommen. Dass viele junge Spieler in den unteren Klassen quasi überhaupt keinen Sport treiben können, ist für die Entwicklung natürlich nicht gut. Aber das gilt ja nicht nur für den Basketball, sondern für alle Sportarten.

Außer Kapitän Chris Wolf hat aktuell noch kein Spieler einen Vertrag für die kommende Saison. Mit welchen Spielern genießen Vertragsgespräche oberste Priorität?

In der Regel werden ja beim Basketball nur Ein-Jahres-Verträge abgeschlossen. Wir werden in den nächsten Tagen mit Consti Ebert, Leon Bulic, Sven Lorber, Timo Dippold, Adrian Bergmann, Lucas Wobst und Jannis Sonnefeld Gespräche führen. Mit diesen Spielern wollen wir auf jeden Fall weiterarbeiten. Wie es bei den Brose-Spielern Elias Baggette, Mateo Seric und Moritz Plescher weitergeht, wissen wir momentan noch nicht. Aber im Großen und Ganzen wollen wir den Stamm dieser Mannschaft halten und mit jungen ehrgeizigen Nachwuchsspielern ergänzen.

Welcher Spieler hat Sie besonders positiv überrascht?

Von der Entwicklung hat mich am meisten Elias Baggette überrascht. Er hat sich stark in den Vordergrund gespielt. Wie er sich auf dem Spielfeld präsentiert, rotzfrech und kalt wie Hundeschnauze, gefällt mir. Wer mir auch sehr gut gefallen hat, ist Leon Bulic. Er hat sich im Lauf der Saison mehr und mehr stabilisiert. Ich möchte damit aber keinen anderen Spieler abwerten. Alle Spieler haben unsere Erwartungen erfüllt. Mateo Seric oder Moritz Plescher haben bei uns immer topmotiviert gespielt. Und was unsere Stammspieler, die schon in der Vorsaison für uns spielten, leisten können, wussten wir ja.

Vom der personellen zur wirtschaftlichen Situation: Wie ist der BBC Coburg finanziell durch die Corona-Saison komplett ohne Zuschauer gekommen?

Mit einem blauen Auge würde ich sagen. Natürlich gehen uns die Einnahmen der Zuschauer und aus dem Catering ab. Wir werden zu kämpfen haben, die Saison mit einem Nullergebnis abzuschließen, sollten das aber zumindest fast hinbekommen. Insgesamt sind wir also wirtschaftlich gesehen einigermaßen gut durch die Corona-Saison gekommen.

Gibt es bereits feste Zusagen von Sponsoren für die kommende Runde?

Von unserem Hauptsponsor Brose haben wir eine feste Zusage, dieser geht unseren Weg in der nächsten Saison komplett mit. Wir sind natürlich sehr dankbar, dass wir einen solchen Hauptsponsor haben, der auch in schwierigen Zeiten zu seinen Partnern hält. Von anderen größeren Sponsoren haben wir bereits positive Signale, aber noch keine konkreten Verhandlungen geführt.

Auch wenn es zum heutigen Zeitpunkt reine Spekulation ist: Werden am 1. Spieltag der ProB-Saison wieder BBC-Fans in die Halle pilgern dürfen?

Ich wünsche es mir wirklich sehr. Eine weitere Saison ohne Zuschauer wird der Profisport wohl kaum noch unbeschadet überstehen. Man muss dann auch abwarten, wie viel Leute überhaupt wieder in die Hallen zurückkommen. Nach fast zwei Jahren kann auch eine gewisse Entwöhnung stattfinden. Ich hoffe, dass wir mit den entsprechenden Hygienekonzepten vor ein paar Hundert Zuschauern spielen dürfen. Unsere Halle ist ausgerichtet auf 3500 Zuschauern, mit Maske und Abstand sollte man das hinbekommen. Dazu hat die HUK-Arena eine hervorragende Lüftungsanlage und bietet somit optimale Voraussetzungen für eine Rückkehr von Zuschauern.

Immerhin konnten die Coburger Basketball-Anhänger ihr Team im Livestream auf sportdeutschland.tv verfolgen. Wie wird das Angebot angenommen?

Der Zuspruch war sehr groß. Die Zugriffszahlen lagen pro Spiel bei weit über 1000. Erfreulich war vor allem die lange Verweildauer der Zuschauer im Stream, die bei rund 40 bis 50 Minuten liegt. Das ist deutlich besser als bei Live-Angeboten anderer Sportarten. Die Sponsoren waren auch zufrieden, weil sie über die LED-Banden und Banner in der Halle die maximal mögliche Präsenz bekommen haben.

Präsent in der Halle bei den Play-off-Spielen war trotz seiner Krebserkrankung und laufender Chemotherapie Kapitän Chris Wolf. Wie geht es ihm aktuell?

Ich habe zuletzt mit ihm beim Heimspiel gegen Münster gesprochen. Da war er so heiß, dass er fast mitspielen wollte. Er hat jetzt sicher noch zwei, drei schwere Monate mit der Chemotherapie vor sich. Aber ich bin eigentlich guter Dinge. Er ist sehr optimistisch, fokussiert und einfach ein Kämpfer. Ich bin fest davon überzeugt: Er wird es schaffen.

Wie haben Sie die zahlreichen Solidaritätsbekundungen anderer Vereine und der Liga für Chris Wolf aufgenommen?

Da sieht man, dass Basketball eine große Familie ist. Die Betroffenheit und Solidarität war groß, als die Krankheit von Chris publik wurde. Ich fand das unheimlich stark. Das zeigt, dass sich die Spieler untereinander sehr schätzen.

Zum Schluss noch ein persönliches Fazit: Seit knapp drei Jahren sind Sie Geschäftsführer. Zufrieden mit der Entwicklung ?

Ich habe am 1. Juli 2018 angefangen. Da stand der sportliche Abstieg gerade fest. Wir durften damals nur in der ProB bleiben, weil andere Mannschaften verzichtet hatten. In die Saison 2018/19 sind wir mit Ulf Schabacker als neuen Trainer gegangen, sind Neunter geworden und haben die Play-offs nur ganz knapp verpasst. In der Folgesaison unter Ulf sind wir Fünfter geworden und jetzt Zweiter. Es gab es also eine kontinuierliche Aufwärtsentwicklung. Die hängt im Wesentlichen aber nicht an mir, sondern an der Person Ulf Schabacker (Anm. d. Red.: mittlerweile Sportlicher Leiter). Er hat ein unheimliches Potenzial im Recruiting und hat es geschafft, Mannschaften zusammenzustellen, die jedes Jahr ein Stück besser geworden sind. Mit der sportlichen Entwicklung bin ich also sehr zufrieden. Wirtschaftlich kann es immer besser sein. Da muss es das Ziel für die nächsten Jahre sein, stabiler zu werden.

Das Gespräch führte Maximilian Glas.