Die Fußball-Bundesliga biegt auf die Zielgerade ein und selten war das Rennen um die internationalen Plätze so umkämpft wie in dieser Saison. Auch die bisherige Überraschungsmannschaft der Saison, Eintracht Frankfurt, hat als Tabellensechster noch beste Aussichten auf das Abenteuer "Europa". Maßgeblich an dieser Entwicklung beteiligt ist auch ein gebürtiger Einberger: Marius Wolf. Der 22-Jährige hat sich längst zu einer festen Größe in der Bundesliga etabliert und kämpft dazu mit seiner Eintracht am 18. April gegen Schalke 04 um den Einzug in das Finale des DFB-Pokals. Dabei kommt es auch zum Treffen mit dem Coburger Cedric Teuchert, der im Gegensatz zu Wolf noch auf Durchbruch wartet.

Herr Wolf, in zehn Tagen steigt das DFB-Pokalhalbfinale zwischen Eintracht Frankfurt und Schalke 04, bei denen mit Cedric Teuchert, ein weiterer gebürtiger Coburger aktiv ist. Sie waren beide für Juniorenteams des 1. FC Nürnberg im Einsatz. Haben Sie Kontakt zu ihm und wie beurteilen Sie generell seine Entwicklung?

Marius Wolf: Klar habe ich ab und zu Kontakt zu Cedric, wir schreiben über WhatsApp. Ich habe ihm natürlich auch viel Glück gewünscht bei Schalke. Ich denke, es ist ein guter Schritt für ihn. Ich hoffe, er haut sich rein, gibt Gas und kann sich dort so weiterentwickeln, wie er sich das wünscht. Natürlich wünsche ich ihm für das DFB-Pokalspiel gegen uns nicht so viel Glück wie mir (lacht).

Kürzlich haben Sie ihren Vertrag bis 2020 bei der Eintracht verlängert, die letzten 21 Bundesliga-Partien haben Sie allesamt von Anfang an bestritten, dazu läuft auch für die Mannschaft alles nach Plan. Haben Sie überhaupt einen Grund zum Klagen?

Es gibt keinen Grund zum Klagen. Wir schauen von Spiel zu Spiel, wollen gewinnen. Und man sieht es auch auf dem Platz, dass sich jeder reinhaut.

Trainer Niko Kovac hielt von Anfang an große Stücke auf Sie. Wie wichtig war sein Vertrauen für Ihre Entwicklung in den vergangenen Monaten, insbesondere in Hinblick auf frühere Stationen von Ihnen, als dieses Vertrauen nicht immer in diesem Maße gegeben war?
Das Vertrauen vom Trainer ist natürlich wichtig, weil man sich so weiterentwickeln und verbessern kann. Ich denke, man sieht es bei jedem einzelnen Spieler, dass er sich weiterentwickeln möchte und auch kann, weil hier gut gearbeitet wird. Und das bringt uns weiter.

Im DFB-Pokal-Viertelfinale im Februar gegen Mainz gab es eine Schrecksekunde, als Sie auf ihre vorbelastete Schulter (Anm. d. Red.: Wolf verletzte sich im DFB-Pokal-Halbfinale 2017 schwer und musste mehrere Monate pausieren) fielen. Was ging Ihnen in diesem Moment durch den Kopf?
Die Schulter war kurz draußen und ist dann wieder reingesprungen. Ich hatte natürlich schon ein wenig Befürchtungen, dass wieder was passiert ist, aber zum Glück hat sich herausgestellt, dass nichts Schlimmeres ist.

Sie sind als absoluter Dauerläufer bekannt. Fredi Bobic sagte im Winter-Trainingslager über Sie "Er ist immer unterwegs, hoch und runter, den kriegst du nicht tot". Was kriegt einen Marius Wolf "tot"? Vielleicht Ihr Hund Amou (Anm. d. Red.: französische Bulldogge)?
Der Hund auf jeden Fall, das ist manchmal anstrengend, aber er ist auch viel bei meinen Eltern, die mich hier unterstützen. Ich versuche immer 100 Prozent zu geben, so lange wie möglich zu laufen. Natürlich bin ich am Ende von einem Spiel sehr kaputt, aber das gehört dazu.

Mit Kevin-Prince Boateng harmonieren Sie nicht nur auf dem Rasen, sondern auch außerhalb des Stadions. Was zeichnet Ihre Freundschaft aus?
Kevin-Prince Boateng ist in der kurzen Zeit ein sehr guter Freund von mir geworden. Er hat mir viel geholfen, viel gezeigt und auch viele Ratschläge gegeben, die vor allem für einen jungen Spieler sehr wichtig sind. Das ist natürlich wichtig und hat mich persönlich auch weitergebracht.

Sie waren mit Boateng unter anderem in Mailand zu Besuch und trafen dort auch auf Neymar. Wie war diese Begegnung für Sie und was fasziniert Sie am brasilianischen Superstar?
Natürlich war es beeindruckend, solch einen Superstar zu treffen. Sonst kennt man solche Spieler nur aus dem Fernsehen, wenn man Champions League schaut. Man schaut sich bei solchen Spielern auch Kleinigkeiten ab und hat natürlich selbst den Traum, irgendwann genauso hoch zu spielen.

Nach ihren starken Leistungen in den vergangenen Wochen werden Sie von allen Seiten mit guten Kritiken überschüttet. Wie gehen Sie mit Lob um?

Ich versuche, weiter hart an mir zu arbeiten. Ich weiß auch, wie die Zeit ist, wenn es mal nicht so positiv läuft, wie beispielsweise in Hannover. Ich versuche, weiter Gas zu geben, lass mich davon nicht beeinträchtigen oder verunsichern.

Letzte Frage: Welche Schlagzeile würden Sie lieber lesen: "Eintracht zieht in die Europa League ein" oder "Marius Wolf steht vor Nationalmannschaftsdebüt"?
Natürlich erst mal, dass wir mit der Eintracht so weit wie möglich oben stehen. Für mich persönlich schauen wir mal, was am Ende der Saison kommt.