Nach genau 100 Minuten war alles vorbei. Doch nicht die favorisierten und an Position 11 gesetzten Marcel Granollers (Spanien) und Pablo Cuevas (Uruguay) lagen sich nach drei Satzgewinnen am frühen Freitagnachmittag in den Armen, sondern der Witzmannsberger Kevin Krawietz und sein Doppelpartner Andreas Mies. "Es ist ein unglaubliches Gefühl, ich bin so happy, eine Runde weiter und in der zweiten Woche eines Grand-Slam-Turniers zu sein", sagte der 26-Jährige.

Für das deutsche Duo war bereits der Einzug in das Hauptfeld des bekanntesten Tennisturnieres der Welt ein Erfolg, an Siege gegen Grand-Slam gestählte Akteure wie den 32-jährigen Granollers (45 Grand-Slam-Teilnahmen im Doppel) und Cuevas (28) war eigentlich kaum zu denken. Doch das fränkisch-rheinische Doppel wächst in diesen Tagen in Wimbledon förmlich über sich hinaus. Nach ihrem Erstrunden-Erfolg gegen Romain Arneodo und Jamie Cerretani am Donnerstag in vier Sätzen, setzten Krawietz und Mies am Freitag in der zweiten Runde noch einen drauf. Das deutsche Doppel gewann souverän mit 6:3, 6:4 und 7:6 (7:3) und zog ins Doppel-Achtelfinale ein. "Wir haben die Gegner gut analysiert und und haben von vorneherein gewusst, dass wir uns nicht verstecken brauchen und unsere Chancen kriegen, da die zwei lieber auf Sand als auf Rasen spielen."

Auf Rasenplatz 5 knüpften Krawietz/Mies nahtlos an ihren Auftritt am Vortag an, schlugen dieses Mal sogar noch souveräner auf. Landete der erste Aufschlag im Feld des Gegners, machten die Deutschen 51 der 55 Punkte (93 Prozent) - eine beeindruckende Erfolgsquote. "Wir kamen gut rein ins Match und waren bis zum Ende fokussiert. Unsere Aufschlagsspiele haben wir sehr gut gespielt und beim Return haben wir immer wieder Chancen kreiert und dreimal das frühe Break gemacht", analysiert Krawietz.

Das einzige Break ließen Krawietz/Mies im dritten Satz zu, als sie sich beim Stand von 5:3 schon fast am Ziel wähnten. Doch im Tiebreak hatten der Witzmannsberger und sein 27-jähriger Partner wieder alles im Griff (7:3).


Ehemalige Nummer 1 der Welt

In der Runde der Letzten 16 warten (voraussichtlich am Montag) mit den beiden US-Amerikanern Jack Sock (Einzel-Weltrangliste: Platz 15, Doppel: 25) und Mike Bryan (Doppel: 8) zwei echte Schwergewichte der Tenniswelt. Letzterer bildet mit Zwillingsbruder Bob eines der erfolgreichsten Doppel der Tennisgeschichte. "Bryan/Bryan war immer ein Doppel, zu dem man aufgeschaut hat", erzählt Krawietz.

Über 450 Wochen stand Bryan auf Platz 1 der Doppel-Weltrangliste. 16 Grand-Slam-Turniere (dreimal Wimbledon 2006, 2011, 2013) gewann der US-Amerikaner, dazu wurde er 2012 Olympiasieger im Doppel. Mit 40 Jahren ist Mike Bryan heute immer noch der achtbeste Doppelspieler der Welt. Da sich Stammpartner und Bruder Bob gerade von einer Hüftverletzung erholt, ist er aktuell mit dem 15 Jahre jüngeren Sock, der 2014 Wimbledon im Doppel gewann, auf der Tour unterwegs. "Das sind zwei sehr gute Spieler, aber wir haben jetzt auch zwei sehr gute Matches abgeliefert, also hoffe ich, dass wir die bisschen ärgern können", sagt Krawietz.

Im Gegensatz zu Doppelspezialist Bryan konzentriert sich Landsmann Sock in erster Linie aufs Einzel. Im November 2017 stand er in der Weltrangliste auf Platz 8. In dieser Saison läuft es bislang noch nicht nach Plan für den US-Amerikaner. Sinnbildlich war sein Wimbledon-Aus im Einzel in der ersten Runde gegen den krassen Außenseiter Matteo Berrettini in fünf Sätzen. Sock zeigte sich als schlechter Verlierer, indem er nach dem obligatorischen Handshake im Anschluss an die Partie Berrettinis Trainer mit obszönen Worten lautstark beleidigte. Sock erklärte im Nachhinein, dass ihm das Verhalten des gegnerischen Trainers, der ihn während der Partie mehrmals ansprach, missfiel. "Aber es war definitiv falsch, wie ich nach dem Spiel reagiert habe. So weit hätte ich nicht gehen dürfen", so Sock. 5000 US-Dollar für sein unsportliches Verhalten muss er trotzdem berappen.